«Schon als Kind hörte ich aus dem Mund der Meinen immer wieder, dass ich ein Sonntagskind sei.» Der kleine Felix Krull ist ein Schlawiner – er spielt am liebsten Kaiser, weiss die Handschrift seines Vaters zu fälschen und verbringt die geschwänzten Schultage träumend und fantasierend auf einer Wiese liegend.

Schon sehr früh ist Felix den schönen Seiten des Lebens neugierig zugewandt und sich seiner eigenen Schönheit berechnend bewusst. Als er mit vierzehn den begehrten Sänger Müller-Rosé nach einem rauschenden Auftritt hinter der Bühne antrifft und seinen mit Eiterpickeln übersäten Rücken sieht, macht sich eine süsse Ahnung in ihm breit: Die Welt will betrogen sein!

Dem Regisseur Lars-Ole Walburg ist es gelungen, die Essenz des Romans wunderbar leicht und vergnüglich auf die Bühne zu bringen. In nur 90 Minuten werden die amoralischen Memoiren des Hochstaplers Felix Krull erzählt. Durch die Vervierfachung des Protagonisten ist es Walburg gelungen, den Monolog spielerisch in Szene zu setzen. Die Schauspieler Klaus Brömmelmeier, Denis Geyersbach, Patrick Güldenberg und Milian Zerzawy lassen keine Sekunde Langeweile aufkommen. Sie schlüpfen gekonnt von einer Rolle in die andere, mimen manchmal allein, manchmal zu zweit, manchmal zu viert den liebenswerten Schelm und verweisen so witzig auf die allzeit mögliche Vertauschbarkeit der Gesellschaft, die Krull listig zu nutzen weiss.

Felix Krulls betrügerische Fähigkeiten sind schon weit ausgefeilt, als schliesslich der väterliche Ruin mit «hartem Knöchel an der Tür pocht.» Erfinderisch und charmant ebnet er sich einen Weg nach oben – ganz einfach, indem er den Mächtigen genau das vorspielt, was sie sehen wollen. Nach einer überzeugenden Darstellung seiner militärischen Untauglichkeit landet Krull in Paris. Auf und ab gehts als Liftboy im Hotel «Saint James and Albany.» Die noblen Gäste finden Gefallen an Felix, der sich vor Liebesanwärterinnen und -anwärtern kaum zu retten weiss. Kleine Diebstähle erlauben ihm ein glamouröses Doppelleben im nächtlichen Paris – wo er auf den luxemburgischen Adligen Marquis de Venosta trifft, der ihm anbietet, mit seinen Papieren eine Weltreise zu unternehmen …

Krulls erschwindelte Aufstiegsmomente werden mit 80er-Jahre-Synthesizer-Sound – Ausdruck absoluter Künstlichkeit – gefeiert, zu dem der vierfache Krull genüsslich tanzt. Thomas Manns Roman endet zwischen den Brüsten einer portugiesischen Adelsdame – das Stück, mehr wird nicht verraten, im Freudentanz.

Schauspielhaus Zürich «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull». Regie: Lars-Ole Walburg. Bis 3. Juni.