Fotografie

Doch kein Aus: Photobastei stellt sich neu auf

Romano Zerbini, Initiator der Zürcher Photobastei, muss nun doch nicht aufgeben. Frisches Geld und die Unterstützung der Berner Fondation Jetzt Kunst eröffnen der Photobastei neue Wege in die Zukunft. (Archivbild)

Romano Zerbini, Initiator der Zürcher Photobastei, muss nun doch nicht aufgeben. Frisches Geld und die Unterstützung der Berner Fondation Jetzt Kunst eröffnen der Photobastei neue Wege in die Zukunft. (Archivbild)

Die Photobastei in Zürich macht weiter - mit neuem Geld, neuem Konzept, neuen Ideen und neuen Leuten. Noch im Januar hiess es, die Kulturinstitution gebe auf. Nun sollen ab September die Türen wieder offen sein.

Per Crowdfundig hat die Photobastei in der Nähe des Zürcher Limmatplatzes insgesamt 47'000 Franken eingesammelt. Fast 450 Unterstützende haben im Durchschnitt mehr als 100 Franken gespendet für die privat finanzierte Kulturinstitution, die die Fotografie ins Zentrum ihres Handelns stellt. "Und das trotz Corona", sagt Photobastei-Initiator Romano Zerbini gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Ziel übertroffen

Am 5. April hat die Photobastei ihre Crowdfundingaktion gestartet, erst mit dem Ziel auf 25'000 Franken zu kommen. Bereits nach fünf Tagen waren diese beisammen. Zerbini hat die Aktion verlängert, sein Ziel auf 40'000 erhöht und dieses wiederum in kurzer Zeit gar übertroffen.

"Das ist Balsam auf unsere Seele", sagt Zerbini, der der Öffentlichkeit am 6. Januar mitgeteilt hatte, die Photobastei stelle per Ende Juni ihren Betrieb ein. Das Ausstellungs- und Kulturzentrum könne das finanzielle Risiko nicht mehr weiter tragen, hiess es damals. Jetzt hat er die finanziellen Mittel und Unterstützung beieinander für den Weiterbetrieb.

Denn Zerbini hat eine weitere gute Nachricht: Er hat die Berner Stiftung Fondation Jetzt Kunst gewonnen. "Das Projekt Photobastei wird künftig von mehr Leuten und neuen Ideen getragen", so Zerbini. Er verweist auf die drei Standbeine der Institution: das einzige Fotomuseum in Zürich im dritten Stock, Räumlichkeiten, die zum Selbstkostenpreis an Künstler für deren Ausstellungen vermietet werden im zweiten Stock und eine Bar mit Bühne.

Für das Museum im zweiten Stock arbeitet die Photobastei nun mit der Fondation Jetzt Kunst zusammen. Die Verträge sollen "in einigen Tagen" unterschrieben und damit das "bisherige Klumpenrisiko" auf mehrere Schultern verteilt werden, so Zerbini. Künftig sollen diese Ausstellungsräume für weitere Kunstsparten über die Fotografie hinaus geöffnet werden - "zum Beispiel Videoinstallationen", so Zerbini. Und: Die Photobastei wird gemeinsam mit der Stiftung die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler mit ihrem Wissen, etwa in der Kommunikation, unterstützen.

Unsicherheitsfaktor Corona

Auch für die Bar mit ihrer offenen Bühne und einem kleinen Club hat Zerbini neue Leute gewonnen. "Unter normalen Bedingungen funktioniert das Geschäftsmodell so." Doch: Er habe "grossen Respekt vor der Situation". Will heissen: Er hofft, dass ihm Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, dass es keine zweite Welle gibt - damit ab 3. September die Ausstellung "Zürich - Schwarz auf Weiss" und ab 1. Oktober die Ausstellung "Martin S. Spuren im Sand" sowie der Barbetrieb wieder Besucherinnen und Besuchern offen steht.

Die Photobastei wurde im Januar 2014 an der Zürcher Bärengasse eröffnet, zog als Photobastei 2.0 Anfang August 2015 an das Sihlquai 125 und soll nun als Photobastei 3.0 in die Zukunft gehen. Geprägt war die Geschichte der Institution mit einem Umsatz von zuletzt rund einer Million Franken von wiederkehrenden finanziellen Krisen und das trotz sehr guter Resonanz beim Publikum und erfolgreicher Ausstellungen.

Doch vor allem mit dem kommerziellen Ansatz, Ausstellungsräume zu vermieten, passt die Photobastei nicht in das Kulturleitbild der Stadt Zürich - und wird deshalb auch nicht finanziell unterstützt. In den letzten fünf Jahren hat Zürich die private Institution lediglich mit einer einmaligen Betriebssubvention von 50'000 Franken sowie mit kleineren Beiträgen für Projekte unterstützt. Zerbini rechnet auch künftig nicht mit einer Unterstützung der Stadt Zürich und sagt: "Jetzt kann es auch ohne weitergehen. Wir verstehen uns als Kulturschaffende mit einer pragmatischen Finanzierung."

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