Kunst
Ein Traum von Hans Arp geht in Erfüllung

In Locarno befinden sich rund 1600 Werke aus dem Nachlass des bekannten Malers Hans Arp. Das Zürcher Architekturbüro Gigon/Guyer baute nun ein Werklager mitsamt Ausstellungsraum.

Gerhard Lob
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Das neue Zuhause für den Arp-Nachlass in Locarno-Solduno. G. Lob

Das neue Zuhause für den Arp-Nachlass in Locarno-Solduno. G. Lob

Ein praktisch fensterloser Betonkubus im Einfamilienhausquartier von Locarno-Solduno. Was soll das? In diesen Tagen hat die Stiftung Marguerite Arp-Hagenbach das Geheimnis des auffälligen Baus gelüftet. Das zweistöckige Gebäude ist das neue Zuhause für den Grossteil des Nachlasses des berühmten Malers, Bildhauers und Lyrikers Hans Arp (1886–1966), der von der Stiftung Marguerite Arp-Hagenbach verwaltet wird. Das Oeuvre umfasst über 1600 Arbeiten. Der überwiegende Teil stammt von Hans «Jean» Arp sowie seiner ersten Ehefrau, Sophie Taeuber-Arp, vertreten sind aber auch andere namhafte Künstler wie Max Bill, Marcel Duchamp, Max Ernst, Alberto Giacometti, Wassily Kandinsky, Paul Klee oder Man Ray, um nur einige Namen zu nennen.

Bisher lagerten die Werke im ehemaligen Wohnaus von Hans Arp, das auf der anderen Seite des Grundstücks mit seinem idyllischen Garten steht. Erst mit dem Neubau wurden nun Räume geschaffen, die dem heutigen konservatorischen Standard entsprechen. Das Kunstlager befindet sich ebenerdig hinter alarmgesicherten Türen, eine einläufige Treppe führt in den zweiten Stock zu einem 90 Quadratmeter grossen Ausstellungsraum, in dem nun Teile der Sammlung in Wechselausstellungen zugänglich gemacht werden.

«Damit erfüllt sich fast 50 Jahre nach dem Tod von Hans Arp dessen Traum», sagt Rainer Hüben, Konservator der Stiftung Marguerite Arp-Hagenbach. Denn er hatte sich immer gewünscht, dass die Öffentlichkeit dank einer Art Galerie an seinem Werk teilhaben kann. Rainer Hüben hat für die erste Ausstellung 22 Werke ausgewählt, die ein kleines, aber durchaus repräsentatives Spektrum der Sammlung zeigen: Plastiken, Reliefs, Zeichnungen und Collagen von Hans Arp, dazu einige Werke weiterer Künstler.

Gegen Steinschlag geschützt

Die Stiftung Marguerite Arp vergab den Auftrag für den Neubau an das bekannte Architekturbüro von Annette Gigon und Mike Guyer in Zürich, die durch Werke wie das Kirchner Museum Davos oder den Prime-Tower in Zürich internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. «Aufgrund der potenziellen Gefährdung des Depots durch den rückwärtigen steilen Hang mit Steinschlag und Erdrutschen einerseits und den klimatischen Bedingungen im warmen Tessin andererseits ist das kleine Gebäude sehr robust gebaut und gut gedämmt», schreiben die Architekten über ihr Opus. Die Aussenwände sind daher als doppelte Betonschalen ausgebildet. Die Betonfassaden formen über den Öffnungen erhabene Felder aus.

Doch wie kamen all diese Werke nach Solduno? Man schrieb das Jahr 1959, als Hans Arp und seine zweite Ehefrau, Marguerite Arp-Hagenbach (1902–1994), das grosse Anwesen «Ronco dei Fiori» in Solduno erwarben. Damit erfüllten sie ihren lang gehegten Traum, sich im Locarnese niederzulassen. Der in Strassburg geborene Arp hatte während seines Lebens hauptsächlich in Frankreich gelebt. In Locarno richtete er sich im Wohnhaus ein Atelier ein (heute das Büro der Stiftung), arbeitete weiterhin aber auch in der legendären Werkstatt von Remo Rossi in Locarno, bis zu seinem Tod im Jahr 1966.

Am 4. Februar 1988 konstituierte Marguerite Arp-Hagenbach dann in Locarno die «Fondazione Marguerite Arp-Hagenbach – Ronco dei Fiori», zu dem der Nachlass Arp Schweiz, die Bibliothek, das Anwesen Ronco dei Fiori mit seinem grossen Park und den dortigen Skulpturen gehören. Die Stiftung verwaltet den Nachlass, organisiert Leihgaben an Dritte für internationale Ausstellungen und stellt das Werk für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.

Im Jahr 2000 unterzeichnete die Stiftung Marguerite Arp ein Abkommen mit der Stiftung Liner Appenzell, der heutigen Heinrich-Gebert-Kulturstiftung Appenzell. Dank dieser Zusammenarbeit konnte nun der Neubau verwirklicht werden. Dazu kamen noch weitere finanzielle Zuwendungen – von der Ernst-Göhner-Stiftung, vom Bundesamt für Kultur, dem Fonds Swisslos, dem Kanton Tessin sowie der Stiftung der Schweizerischen Landesausstellung 1939 Zürich für Kunst und Forschung.

Einweihung im Frühling 2015

Wie der Neubau beziehungsweise der Ausstellungsraum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Vorläufig kann der Ausstellungsraum auf Voranmeldung besichtigt werden. Künftig wird es möglicherweise fixe Öffnungszeiten an ausgewählten Tagen geben. Fest steht jetzt schon: Die offizielle Einweihung des BetonKubus wird im Frühjahr 2015 stattfinden.