Mein Lieblingswerk
Ines Goldbach: «Das Werk ist hintersinnig, ernsthaft und humorvoll»

Ines Goldbach, Direktorin des Kunsthauses Baselland, zeigt ihr Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum. Sie wählt Bruce Naumans «The True Artist Helps the World . . .» aus dem Jahr 1967.

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Bruce Nauman: «The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths (Window or Wall Sign)», 1967. Kunstmuseum Basel

Bruce Nauman: «The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths (Window or Wall Sign)», 1967. Kunstmuseum Basel

Kunstmuseum Basel, Martin P. Büh

«Man sieht die hell leuchtende Neonspirale und die darin verlaufenden Lettern schon von Weitem: Bruce Nauman hatte sie selbst in seinem Atelier in den 1960er-Jahren – einem ehemaligen Ladenlokal in San Francisco – ins Schaufenster montiert und liess sie in den Aussenraum strahlen: «The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Trues». Der wahre Künstler hilft der Welt durch die Enthüllung mystischer Wahrheiten.

Ines Goldbach

Ines Goldbach

Nils Fisch

Mich fasziniert dieses Werk seit je. Schon seit Studienzeiten. Denn während man sich noch leicht den Kopf verrenkt, um den Satz vollkommen lesen zu können und dem Surren der heute schon in die Tage gekommenen Technik der Leuchtröhrenschnecke lauscht, darf man sich fragen, ob der Künstler dies als ironische oder ernst gemeinte Frage formuliert hat; ob er sie an uns richtet oder sich selbst diesen Anspruch permanent vor Augen halten wollte, um zu wissen, was tagtäglich zu tun ist. Oder sind es wir, die wir eben das von den Künstlerinnen und Künstlern erwarten, dass sie uns verborgene Wahrheiten vor Augen führen?

Dieses Werk ist für mich hintersinnig, ernsthaft und humorvoll zugleich: Es spielt mit Erwartungen, stellt Fragen, anstatt sie zu beantworten und zeigt uns vor allem, dass Kunst nicht eindeutig, sondern vielschichtig ist, dass sie meist irritiert, statt zu beruhigen, oft Dialog schafft, statt zu monologisieren. Und: dass Kunst uns Neues eröffnen kann und wir Bekanntes neu sehen lernen. Was könnten Künstlerinnen und Künstler Besseres für uns bereithalten?»

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