Die Spiegelfassade reflektiert die Gebirgslandschaft und alles, was sich darin tut: vom Sonnenuntergang bis zu den Touristen, die sich für ein Selfie in Pose werfen. Auch im Innern ist die begehbare Skulptur an den Wänden verspiegelt. Der Künstler lässt so die Grenze zwischen Innen und Aussen, Subjekt und Objekt verschwimmen.

"Mirage Gstaad", wie der Künstler das Projekt nennt, zieht sozusagen die Landschaft in sich hinein und spiegelt sie wieder in die Welt hinaus. Eine Art "visuelle Echokammer", beschreibt es Aitken. Der Künstler spielt dabei auch mit unserem Traum von einer unberührten, herrlichen Naturlandschaft und den gleichzeitigen Bestrebungen, die Naturlandschaft zu erobern und zu gestalten.

Hinter der Spiegelfassade verbirgt sich eine Holzkonstruktion, die den Witterungsbedingungen auf über 1000 Meter über Meer standhalten muss. Mit der Vogelwarte Sempach wurde zudem ein Schutz entwickelt, damit Vögel nicht in die Spiegel fliegen. Alle drei Zentimeter weist die Fassade einen schwarzen Querstreifen auf, der das Gebäude für Vögel sichtbar macht, wie die Erbauerfirma Nüssli in einer Mitteilung schreibt.

Kalifornischer Künstler stellt verspiegeltes Haus in die Landschaft

Ein Haus, das mit seiner Umgebung verschmilzt: der kalifornische Künstler Doug Aitken hat oberhalb von Gstaad eine komplett verspiegelte Skulptur in Form eines Hauses realisiert.

Doch in Gstaad sind nicht selten auch noch andere "Vögel" in der Luft: Privatflugzeuge. Damit die Spiegelungen die Piloten im An- und Abflug nicht verwirren, musste das Projekt mit den Verantwortlichen des Flugplatzes abgestimmt werden.

Das Spiegelchalet ist Teil der regionalen Kunstausstellung "Elevation 1049", die von Olympia Scarry und Neville Wakefield kuratiert wird. Es befindet sich am Winterwanderweg zwischen Schönried und Gstaad und ist nur zu Fuss erreichbar.

Der amerikanische Künstler Doug Aitken ist bekannt für seine Video-, Film-, Sound- und Lichtinstallationen. Seine Werke waren schon im Museum of Modern Art in New York, in der Wiener Sezession oder im Centre Pompidou in Paris zu sehen. 2012 gewann er den Internationalen Preis der Biennale Venedig. Seinen Werken gibt Aitken oft einen ortsspezifischen Bezug.