Brigitte Meier

«Hier am Wasser ist die Luft kalt und rein/ die Wellen sind dunkel und weit/am Horizont werden Schiffe ganz klein/ich hab freie Sicht auf die Zeit.» Seine Lieder regen zum Nachdenken an, vermitteln aber nicht nur Melancholie sondern Hoffnung, weil sich die Nebel verziehen. Trotzdem bleibt man verletzlich, sehnsüchtig und träumt weiter.

Begleitet wurde Michael von der Heide von einer hervorragenden Band mit Martin Buess, Gitarre, Michael Chylewski, Bass und Remo Signer, Schlagzeug. Die Musiker überzeugten nicht allein durch Spielfreude und Können, sondern wie sie auf den Frontmann eingingen.

Natürlich interpretierte er auch Klassiker wie «Paris c'est toi», «Jeudi amour» oder «Je suis seul» Lieder ohne Floskeln und Schönfärberei. Texte, die so direkt Gefühle und Gedanken wecken und von der Heide auch als Songwriter auszeichnen. Sein Zweitwohnsitz in Berlin hat den 38-jährigen Barden inspiriert zu «reifen» Texten.

Koketterie und Sprachwitz

Lustvoll tanzte und posierte er zur Musik und kokettierte genussvoll mit dem Publikum. Man wusste nie, was er im Schilde führte. Sein Selbstbewusstsein wirkte nie arrogant und wenn doch, machte er dies mit unwiderstehlichem Charme vergessen.

Der brillante Entertainer verfügt über schauspielerisches Talent und imitierte beispielsweise Märlitante Trudi Gerster. Sprachgewitzt variierte er Texte seiner Songs und setzte sie theatralisch um. Listig nahm er das Berndeutsch der Zuhörer auf die Schippe, wechselte zwischen makellosem Hochdeutsch, perfekten Französisch und Spanisch.

Er hat sich sein kindliches Staunen, den Schalk bewahrt und das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse. Zudem besitzt er einen ausgeprägten Hang zur Selbstironie. So erzählte er, wie er als Junge so viele Weichkäsli gegessen hatte, nur damit er die heiss geliebten «Sarah Kay-Abziehbilder» sammeln konnte und damit die orangen Wandplatten des elterlichen Toilette bekleben: «Manchmal frage ich mich, ob ich so geworden bin wie bin, wegen diesen Bildchen.»

Berührender Schluss

Nach einem Medley französischer Chansons, mehreren Zugaben und dem Polo Hofer-Song «Travailler c'est trop dur», kam Michael von der Heide nochmals allein zurück auf die Bühne. Mit einem berührenden Mundartlied wurden die Besucher in die Nacht hinaus begleitet. «Mich begeistert die Professionalität von Michael von der Heide und seine klugen Texte. Die Band ist genial, vor allem der Gitarrist», sagte Besucherin Esther Gygax aus Langenthal.

Traum erfüllt

Nach dem Konzert erklärte der Künstler gegenüber dieser Zeitung, dass er Sprachen immer geliebt habe. «Für mich ist mit meiner musikalischen Karriere ein Traum in Erfüllung gegangen. Aber es fordert mich auch immer wieder heraus, die Energie vom Publikum zu holen. Da spielt es keine Rolle, ob ich auf einer grossen oder kleinen Bühne stehe. Auch wenn ich hier im Schlachthaus aufpassen musste, dass ich meine Tanzschritte den Platzverhältnissen anpasste.»

Im November startet ein neues Projekt mit der Swiss Army Bigband in Murten: «Ich freue mich sehr mit Schweizer Rock- und Popgrössen wie Marc Sway, Sina, Adrian Stern und Heidi Happy auftreten zu können.»