Der Weg von Thomas Hürlimanns «De Franzos im Aargau» zu William Shakespeares «Viel Lärm um nichts» ist lang, obgleich es sich bei beiden Stücken um Komödien handelt. Aber: Jene von Hürlimann, 2011 in Wettingen gezeigte, ist düster gefärbt; diese von Shakespeare, 2014 auf dem Programm stehende, ist hell – auf jeden Fall wie geschaffen, um den lauschigen Innenhof zu beleben.

Nach einer dreijährigen Pause wagen sich die Klosterspiele Wettingen im Sommer an ein neues Projekt – mit einer neuen künstlerischen Leiterin, die in derselben Funktion bereits seit Jahren am Kurtheater Baden tätig ist: Barbara Riecke. Mit «Viel Lärm um nichts» erfüllt sie sich einen lang gehegten Wunsch: «Ich gebe meinen Einstand mit einem sehr schönen Stück. Diese Komödie zählt zwar nicht zu den viel gespielten», betont Riecke, lässt aber keinen Zweifel daran, dass es sich um «einen grossen Shakespeare» handelt.

Im Zentrum der Liebesirrungen steht das Paar Benedikt und Beatrice, dessen verbales Pingpong voll ironisch funkelnder Zuspitzungen ist. Solches erfordert Akteure, die mit der Sprache lustvoll und virtuos spielen können – Profis.

«Er liebt bildstarkes Theater»

Diese stehen für einen Wechsel, den die Klosterspiele dieses Jahr vollziehen. Erstmals wird kein hauptsächlich mit Laienschauspielern besetztes Ensemble auftreten. Weshalb? «Shakespeares Komödie lebt von einer ganz präzisen Sprache, und diese bedingt Profis», sagt Barbara Riecke und ergänzt: «Für uns stand von Beginn an fest, dass wir nach den vorangegangenen drei Produktionen diesmal auf eine reine Profi-Inszenierung bauen wollten.» Was aber nicht bedeute, dass man immer daran festhalten wolle, betont Barbara Riecke.

Die Verbundenheit der Klosterspiele mit den Wettingern drückt sich in «Viel Lärm um nichts» dennoch aus – und zwar mit einem Kinderchor sowie den vielen Enthusiasten hinter den Kulissen, die beispielsweise Kostüme nähen oder an der Kasse sitzen.

Für den 36-jährigen Isländer Thorleifur Örn Arnarsson gibt es im Sommer eine doppelte Premiere: Er inszeniert «Viel Lärm um nichts» das erste Mal – und das in Wettingen, einem Ort, der auch für ihn Neuland ist. Weit entfernt vom Kurtheater liegt dieser nicht – in Baden gastierten nämlich bereits zwei Arbeiten Arnarssons für das Theater St. Gallen: Elfriede Jelineks «Die Kontrakte des Kaufmanns» sowie Shakespeares «Othello».

Die Theaterfrau Barbara Riecke freut sich auf die kommende Inszenierung des Isländers, der – neben den erwähnten Stücken – auch den von der «nachtkritik» hochgelobten «Peer Gynt» für das Theater Luzern erarbeitet hat. «Arnarsson liebt bildstarkes Theater; grosse Mythen, die er in zeitgemässes Theater umsetzt, sind seine Spezialität», sagt Riecke und rühmt die «theatral-spielerischen» Umsetzungen dieses Regisseurs. Für die Wettinger Produktion hat er ein junges, hochkarätiges Ensemble versammelt.

Als Beatrice ist Burgtheater-Schauspielerin Sarah Viktoria Frick zu sehen, die im «Jedermann» bei den Salzburger Festspielen spielt und deshalb nicht in jeder Wettinger Vorstellung auftreten kann. Dann wird Uta Köbernick die Rolle der Beatrice übernehmen. Benedikt gibt während der gesamten Zeit Martin Vischer: Ein Schauspieler, der in Lars-Ole Walburgs «Parzival»-Inszenierung zu sehen war, die als Gastspiel im Kurtheater Baden für Furore sorgte.

Analog zu 2011 werden auch 2014 vom 8. Juli bis 7. August 19 Vorstellungen mit 430 Plätzen pro Abend gespielt. Produktionsleiter Christoph Risi beziffert das Budget auf rund 850 000 Franken; das sei in etwa vergleichbar mit jenem für «De Franzos im Aargau». Weshalb ist es jetzt, bei «nur» sieben Akteuren, nicht tiefer? «In der neuen Produktion wirken zwar weniger Schauspieler mit als 2011; ausserdem ist die Probenzeit verkürzt, aber es sind lauter Profis am Werk, also gleicht sich das in etwa wieder aus», betont Christoph Risi.

Klosterspiele Wettingen Vom 8. Juli bis 7. August; Informationen im Internet unter www.klosterspiele.ch