Imposant diese Feuerwehrautos, imposant die Garage der Berufsfeuerwehr Zürich. Da würde man gerne rumstöbern, fragen, zuschauen. Doch mehr als zwei Autos und das Materialarsenal und ein paar Männer in Uniform hinter rot-weissen Absperrbändern sah man gestern nicht. Die Garage war lediglich der improvisierte Ort, um einer Hundertschaft an Beteiligten und einigen Medienleuten die Manifesta 11 Zürich im Detail vorzustellen. Schliesslich dauert es nur noch zwei Monate, bis der Zürcher Kunst-Gross-Anlass eröffnet wird.

Ganz zufällig war der Ort aber doch nicht gewählt. Denn die Berufsfeuerwehr wird Teil dieser Manifesta 11. Wie auch ein Hundesalon, ein Thai-Box-Studio, oder eine Kläranlage. Die Kunst geht in den Alltag – so das Konzept von Manifesta-Kurator Christian Jankowsky. Der deutsche Künstler-Kurator setzt als Motto: What People Do for Money: Some Joint Ventures». Er erklärte: «Die Manifesta versteht die Künstler nicht als einsame Insel, sondern als Menschen, die im Austausch mit ihrer Umwelt stehen. Also raus aus dem Atelier, raus aus dem White Cube!»

Damit liegt er auf der Linie von Manifesta-Gründerin und –Direktorin Hedwig Fijen. Die Manifesta ist ein mobiles Kunst-Ereignis, findet alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt und hat sich auf die Fahne geschrieben, Kunst in soziale und gesellschaftliche Zusammenhängen zu stellen.

Blick in Houellebecqs Hirn?

Was machen also Menschen fürs Geld. 30 Künstler gehen dafür ein Joint Venture mit einem Geld verdienenden Menschen ein. Befragen ihn zu seinem Beruf, nehmen an seinem Alltag teil, spielen gar Versuchskanninchen – und das gehört zwingend dazu – drehen darüber zusammen mit einer Kunstdetektivin einen Film.

Schriftsteller Michel Houellebecq beispielsweise unterwirft sich ärztlichen Checks – wir werden also bald sehen, wie es um seine Gesundheit steht, was Aufnahmen seines Hirns ergaben oder wie er den Arzt und das Prozedere erlebt. Die Holländerin Jennifer Tee ist Gast beim Leiter des Zürcher Bestattungs- und Friedhofamtes, der Italiener Maurizio Cattelan will wissen, wie Rollstuhl-Sportlerin Edith Wolf-Hunkeler lebt und der deutsche Marco Schmitt will hinter die Kulissen der Stadtpolizei schauen. Oder genauer: Er will uns «mit einem surreal-witzigen Film à la Bunuel» (so Jankowsky) die Menschen in den Uniformen näher bringen.

Badi und Eventpavillon

Wir Besucherinnen und Besucher werden dreifach teilhaben können: Mit Stippvisiten vor Ort, an Ausstellungen in herkömmlichen Museen (Kunsthalle, Migros Museum, Helmhaus) und auf der speziell für den Anlass gebauten Seeplattform. In diesem Pavillon of Reflection soll sich nicht nur der See spiegeln, sondern wird übers Geldverdienen, die Arbeitswelt und Kunst reflektiert und die Filme der Joint Ventures gezeigt. Tagsüber funktioniert die von ETH Studierenden erbaute Plattform auch als Badi – ist also quasi ein Kunst-Freizeit-Joint Venture.

Damit das alles in 65 Tagen bereit ist, sind bereits Heerscharen von Künstlerinnen, Kuratoren und Helfern am Schaffen. Frei nach dem Ausstellungsmotto «What People Do for Money» könnte man auch fragen, woher das Geld für all diese Leute kommt. Ans Manifesta-Budget von rund fünf Millionen steuert die Stadt zwei und der Kanton aus dem Lotteriefonds 1,5 Millionen Franken bei. Dazu gibts Geld von Stiftungen und Gönnern. Ob der Gross-Event sein Geld «verdient»? Wir werden sehen. Das Konzept stimmt optimistisch.

Manifesta 11 Zürich diverse Orte, 11. Juni bis 18. September. Tageskarte 25 Franken, Dauerkarte 150 Franken, Jugendliche bis 18 Jahren gratis. www.manifesta11.org