Messeplatz

Kunst verdrängt Kommerz

Die Videokunst am eBoard des Congress Centers Basel läuft noch bis Ende Juli. Kenneth Nars

Die Videokunst am eBoard des Congress Centers Basel läuft noch bis Ende Juli. Kenneth Nars

Über dem Eingang des Congress Centers Basel flimmert neu Videokunst statt Infos und Werbung.

Am Taxistand ist wenig los. Die heisse Zeit der Messen ist vorbei und die Wogen des Alltags schlagen weniger hoch aus, als wenn die Trams an der Kreuzung morgens und abends ihre Pendler ausschütten. Im Schatten unter dem Vordach des Congress Centers auf dem Basler Messeplatz bleibt der grosse Screen jedoch nicht blank. Der Thuner Künstler Dominik Stauch hat hier temporär ein Werk zur Verfügung gestellt und ein Bewegtbild in den städtischen Raum eingespeist. Diagonal und vertikal schieben sich monochrome Farbflächen ins Bild, überlagern sich, halten manchmal inne. Was wir für Augenblicke als Pyramide ausmachen oder als Kegel eines hellen Scheinwerfers, mischt sich innert weniger Sekunden neu und geht in ein anderes Flächenbild über. Wofür stehen die Farben? Wann kommt der Slogan, der die kühle Choreografie mit einem eindeutig lesbaren Sinn signiert?

Schon zum 4. Mal Videocity.bs

Das grosse Banner vor Ort unterbindet die produktiven Fragen nach der funktionalen Leerstelle schneller als nötig: Hinter der künstlerischen Intervention mit dem Titel «Coast to Coast» steht – gross ausgewiesen – «videocity.bs». In Zusammenarbeit mit dem Congress Center Basel und Pro Innenstadt hat die Kuratorin Andrea Domesle bereits zum vierten Mal aktuelle Videokunst öffentlich in Basels Zentrum angesiedelt. Damit setzt sie Werke der ungeplanten Betrachtung aus. Im Zusammentreffen mit Alltag stiften Videos unerwartet Reibungsflächen, Momente der Überraschung, einen niederschwelligen Zugang zum Eigensinn künstlerischen Tuns.

Die bisherigen Videocity-Ausgaben waren in Kooperation mit Geschäften entstanden, die mit Schaufenstern oder Fassaden einem Kunstwerk Gastrecht boten. Dieses Jahr ist der Screen am Messeplatz als «videocity.bs special» der einzige Austragungsort. Auch wenn sich schon nach drei Jahren ein Stammpublikum herausgebildet habe, das die zwanglose Betrachtung ausserhalb von Kunsträumen schätzt, stösst die jährliche Veranstaltung an Kapazitätsgrenzen. Bei den grösseren Parcours gab es öffentliche Gespräche und Rundgänge, jetzt weist die Beschriftung das Bild als Kunstwerk aus. Im Erklären aber und Benennen liegt die Ambivalenz, die auch Dominik Stauchs «Coast to Coast» am Messeplatz trifft: Das Banner stiehlt dem Bild mindestens tagsüber etwas vom Zauber, den unsere offenen Fragen um ein Bild ohne Botschaft wahren könnten.

Spiel mit Ordnung und Zufall

Der Künstler selbst ortet sein bildnerisches Schaffen zwischen Pop und konkreter Kunst. «Coast to Coast» ist eine Versuchsanordnung, ein spielerischer Test über Ordnung und Zufall. In der Folge und Überlagerung mehrerer Videosequenzen entlockt Stauch dem systematischen Ablauf eine Poesie des Zufalls. Seine Beschäftigung mit Farbe, Form und Dauer lässt an serielle Musik denken. In der originalen Version ist die Video-Arbeit von einem Soundtrack des Jazz-Musikers Wolfgang Zwiauer unterlegt. Die Präsentation am Messeplatz ist stumm: Es ist der öffentliche Raum, dessen Geräusche den visuellen Rhythmus auf dem Grossbildschirm untermalen. Die gegenüberliegende Architektur des neuen Messebaus hinterlässt ihre schillernde Oberfläche als Spiegelung. Macht nichts, sagt Dominik Stauch: Seine Arbeit gehe aus dem Alltag hervor, um mit diesem wieder Kontakt aufzunehmen. Wichtig sei einzig, dass das Normale in der Kunst eine Pause machen kann.

Bis 31. Juli, jeweils 8 bis 24 Uhr

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