Jean Villard

«Meine Kunst ist für die Augen gemacht»

Jean Villard vor einer aktuellen Arbeit in seinem Atelier in der alten Gewerbeschule auf der Lyss.

Jean Villard vor einer aktuellen Arbeit in seinem Atelier in der alten Gewerbeschule auf der Lyss.

Eigentlich spricht der Basler Künstler Jean Villard nicht gerne über sein Werk. Jetzt macht er aber eine Ausnahme.

Jean Villard, ursprünglich aus Biel stammend, aber längst eines der «Urgesteine» der hiesigen Kunstszene, eröffnet am 26. Juni im Projektraum M 54 seit langem wieder eine Einzelausstellung. Ein Gespräch mit dem Basler Künstler über seine Arbeit und seine Zukunft, wenn er – wie andere auch – sein Atelier am Petersgraben 52 wird verlassen müssen.

Herr Villard, am 26. Juni eröffnet Ihre nächste Ausstellung im M 54. Sie haben schon länger nicht mehr ausgestellt. Was war der Anlass für diese Ausstellung?

Jean Villard: Ich bin ja schon lange Künstler und stelle schon lange aus, seit ungefähr 40 Jahren. Ich gehörte zu den «Jungen Basler Künstlern» und war auch einer der ersten Künstler der Galerie Carzaniga hier in Basel. Dort habe ich früher sehr oft und regelmässig Ausstellungen gehabt. Jetzt ist mir das nicht mehr gleich wichtig, daher mache ich weniger. Aber ich wurde gefragt, ob ich nicht wieder einmal etwas zeigen möchte, im M 54. Der Ort hat mir gut gefallen, er ist schön gross. Also habe ich zugesagt.

Was wird zu sehen sein?

Es wird eine Mischung sein aus älteren und jüngeren Arbeiten, auch aus grösseren und kleineren.

Sie haben eine eigene Bildsprache, man erkennt ihren Pinselstrich. Und berühmt sind ihre Backsteinmauern. Wie beschreiben Sie selber Ihre Kunst?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich spreche auch nicht so gerne über meine Kunst. Das ist eine visuelle Sache, meine Kunst ist für die Augen gemacht, nicht um sie zu analysieren. Aber tatsächlich habe ich viel mit Backsteinen zu tun gehabt, seit vierzig Jahren. Das Thema kommt immer wieder. Sogar in der Schule habe ich schon einmal eine Bachsteinmauer gezeichnet, als wir unser Motiv frei wählen durften. Darunter habe ich geschrieben «L’histoire se passe derrière» («Die Geschichte spielt sich dahinter ab»). Ich habe aber vieles gemacht und ausprobiert. Früher sogar einmal Konzeptkunst, radikal minimalistisch. Dann habe ich wieder gemalt, dann Objekte gemacht, dann wieder gemalt. Mir ist das Abenteuer wichtig, jedes Bild ist ein Abenteuer. Ich weiss nie, wie etwas raus kommt, was als nächstes kommt. Auch das Kreieren ist mir wichtig. Theoretisch könnte ich auch schreiben, statt zu malen. Aber ich bin mit Farbe und Papier aufgewachsen, mein Grossvater war Kunstmaler, mein Vater kannte viele Künstler. Als ich nach Basel gekommen bin, habe ich die ersten Amerikaner gesehen. Die haben mir Eindruck gemacht, die Kunst hat mich gepackt und motiviert, dann wurde klar, dass ich auch Künstler werden würde. Ich suchte die Freiheit, die man als Künstler hat. Ich hätte nie ein «normales» Leben im Büro leben können.

Sie sind Autodidakt. War das ein schwieriger Weg?

Nein. Wirklich nicht. Ich habe nichts gegen die Kunstakademien, aber wenn man etwas will, mit dem Herzen, geht man seinen Weg. Aber viel geübt habe ich schon.

Sie sagen, beim Arbeiten ist Ihnen das Abenteuer wichtig. Arbeiten Sie also aus dem Moment heraus?

Ja, immer. Ich habe drei Möglichkeiten: Ich mache kleine Arbeiten hier auf meinem Tisch, da springe ich manchmal von einem Blatt zum anderen, das ist sehr improvisiert und spontan. Dann habe ich grössere Bilder mit mehr Konzept, mehr Arbeit. Und dann ein paar ganz grosse mit verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten durch die Grösse. Das ist abenteuerlich. Das Abenteuer ist oft auch im Hintergrund, da gibt es schöne Geschichten – aber das sieht der Betrachter dann nicht mehr.

Sie haben Ihr Atelier in diesem schönen Gebäude am Petersgraben 52 auf der Lyss. Die Universität will es nun umnutzen. Wie geht es weiter mit Ihnen und den anderen Künstlern, die hier ihr Atelier haben? Früher oder später werden Sie gehen müssen.

Ja, und das ist ein sehr grosses Problem für uns alle. Wir haben gehört, es würden Büros gebaut, und dass wir raus müssen. Wir wissen aber nicht, wann. Das ist schlimm. Wir sind schliesslich auch nicht mehr die Jüngsten. Und ein Maler ohne Atelier ist kein Künstler mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, in meiner Wohnung zu arbeiten. Ich arbeite beispielsweise in der Nacht und am Wochenende, ich muss Lärm machen können, etwa wenn ich an elektrischen Installationen arbeite. In diesem Haus bin ich jetzt sicher seit 30 Jahren. Wenn wir raus müssen, ist das wie ein Todesurteil. Ich brauche kein luxuriöses Atelier, aber diese gewissen Rahmenbedingungen brauche ich. Ich weiss nicht, ob ich nochmals etwas finde. Es darf ja auch nicht zu viel kosten.

Aber Ihre Schaffenslust ist ungebrochen. Wenn Sie ein Atelier haben, machen Sie weiter, so lange Sie können?

Ja, natürlich. Ich bin Künstler, bis ich umfalle. Also hoffe ich, dass es eine Lösung gibt wegen des Ateliers.

Ausstellung 26. Juni bis 4. Juli. Vernissage am Freitag, 16 bis 20 Uhr. Finissage am 4. Juli, 12 bis 20 Uhr. Täglich, 13 bis 19 Uhr. Termine nach Vereinbarung (Telefon 079 630 46 91). Projektraum M 54, Mörsbergerstrasse 54, Basel.

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