Fifty Shades of Grey
Mütter-Porno: Diese Bücher fesseln Frauen auf der ganzen Welt

Bondage-Sex, Züchtigung und Unterwerfung: Der Erotikroman «Fifty Shades of Grey» sprengt im englischsprachigen Raum alle Rekorde. Jetzt, gerade rechtzeitig zu den Sommerferien, erscheint das frivole Lesevergnügen in deutscher Übersetzung.

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Dieser Lesestoff fesselt Frauen auf der ganzen Welt
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Die Autorin Erika Leonard alias E. L. James
Die Erotik-Trilogie kommt nun auch auf Deutsch auf den Markt
Frauen reissen sich um die Bücher von E. L. James
Die Autorin hat gegen ihre Midlife-Crisis angeschrieben.

Dieser Lesestoff fesselt Frauen auf der ganzen Welt

Keystone

Dieser Lesestoff ist reines Aphrodisiakum für lustlos gewordene Mittvierziger. Vor allem Frauen verschlingen die Bücher um die weibliche Lust an der Unterwerfung und berichten, wie sehr die Romane ihr Sexleben verändert habe. Die Roman-Trilogie von E. L. James hat den Weg vom E-Book-Geheimtipp zum Millionen-Bestseller geschafft und damit Schwung in zahlreiche amerikanische Betten gebracht. Sogar eine neue Literatur-Kategorie wurde geschaffen: Der Mommy Porn.

Ungeküsste Jungfrau wird zur Sexsklavin

Anastasia Steele steht kurz vor ihrem Uni-Abschluss. Die 21-jährige Studentin (Typ ungeküsste Jungfrau) lernt einen jungen, unglaublich attraktiven und noch unglaublich reicheren Selfmade-Millionär kennen. Ana wird zur Sexsklavin, taucht mit Christian Grey in die Welt des Sadomasochismus ein. Freiwillig und unter grösster Lustempfindung lässt sich die unabhängige und selbstbewusste Ana auf dieses Spiel ein.

Was nach billigem Groschenroman oder Kitsch-Erotik-Roman klingt, ist es auch; und trotzdem ist es viel mehr. Die Bücher haben einen weltweiten Hype ausgelöst. Mehr als 10 Millionen Bücher hat die Autorin E. L. James alleine in den USA verkauft. Und in England ist es das am schnellsten verkaufte Taschenbuch aller Zeiten. Dan Brown und Joanne K. Rowling können einpacken. Allein in der letzten Woche wurden im Vereinigten Königreich 100000 Exemplare verkauft. Die Bücher verkaufen sich so gut, dass der Verlag kaum mehr nachkommt, genug Bücher zu drucken.

«Mach mit mir, was ich will»

Die Bücher haben zuerst in Blogs und Foren Diskussionen und Kontroversen angeregt. Vor allem Mittvierziger-Frauen berichten, wie die Bücher ihr Sexleben verändert und bereichert hätten. Der Hype ging über auf klassische Medien. Die «New York Times» schrieb über den Mommy Porn, das «Time Magazine» wählte die Autorin in die «100 einflussreichsten Menschen der Welt» und der deutsche «Stern» wurde vom gigantischen Erfolg zur Titelstory «Mach mit mir, was ich will. Warum selbstbewusste Frauen von einer anderen Sexualität träumen» inspiriert.

Titelstory im Stern

Titelstory im Stern

Zur Verfügung gestellt

Die Wissenschaft steigt in die Debatte ein

Irgendwie scheint die Geschichte einer intelligenten, aufgeschlossenen und emanzipierten Frau, die sich freiwillig unterwirft anachronistisch zu sein. Selbst das Fachorgan «Psychology Today» hat sich dem Thema angenommen. In einem Artikel wird der Frage nachgegangen, ob Sadomasochismus und Züchtigung tatsächlich den Bedürfnissen von heutigen Frauen entsprechen.

Dabei wird unterstrichen, dass es sich um eine einvernehmliche Beziehung handelt, bei der der Unterwürfige Part mittels eines Codeworts das Spiel jederzeit abbrechen kann. Der devote Partner hat also letztlich die Macht. Zudem widerspricht der Autor auch der These, dass der Erfolg des Buches auf einen gesellschaftlichen Wandel zurückgeführt werden könne. Frauen würden sich nicht generell wieder einen Ort wünschen, an dem sie die Kontrolle abgeben können. Diese Sexualpraktik würde zudem seit Jahrhunderten praktiziert, wobei nicht immer die Frau den devoten Part einnehme.

«So wie Männer sich im Internet Pornos anschauen, so beschaffen sich Frauen online erotische Literatur», schreibt der Psychologe in seinem Artikel. Oft würden darin sadomasochistische Beziehungen beschrieben. Diese Praktiken seien aber weder bizarr noch pathologisch. (dno)

Bei diesem Hype und solchen Verkaufszahlen ist klar, dass bald eine Verfilmung anstehen wird. Universal Pictures hat sich die Filmrechte gesichert. Wie viel Universal dafür bezahlt hat, ist nicht bekannt. Dafür wird im Netz heftig spekuliert, welche Schauspieler die Rollen übernehmen sollen.

Anschreiben gegen die Midlife-Crisis

Vom Erfolg ihrer Bücher wurde auch die 48-jährige Autorin überrascht. Das Sadomaso-Werk war eigentlich als Fan-Fiction zur Twilight-Saga gedacht. Sie habe lediglich gegen die Midlife-Crisis anschreiben wollen, erklärt Erika Leonard alias E. L. James. Die schottische Mutter zweier Kinder sagte dem britischen Guardian: «Es geht um die Fantasie rund um die erste Liebe. Für jemanden, der wie ich 400 Jahre verheiratet ist, ist das etwas Schönes - durch das Buch funktioniert es indirekt. Es holt dich weg vom Wäschewaschen und Ausräumen des Geschirrspülers.»

Im deutschsprachigen Raum erscheint der erste Band der Trilogie am 9. Juli unter dem Titel: Shades of Grey: Geheimes Verlangen. Der zweite Band wird im Oktober und der dritte Band im Januar 2013 auf Deutsch erscheinen. Hier gibt es eine Gratis-Hörprobe aus dem ersten Band. (dno)

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