Malerei

Ryman und Stella - Ikonen der Kunst

Eines der Werke, die nun in der Fondation Beyeler zu sehen sind: Robert Ryman Unit, 1980, Daros Collection, Schweiz.

Eines der Werke, die nun in der Fondation Beyeler zu sehen sind: Robert Ryman Unit, 1980, Daros Collection, Schweiz.

In einem separaten Raum der Fondation Beyeler werden Werke Robert Rymans gezeigt – er malt nicht nur weisse Bilder.

Der amerikanische Maler Robert Ryman gehört zu den Protagonisten der Minimal Art. Seine Werke waren bis vor kurzem hauptsächlich in den Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen zu sehen. Nun ergab sich für die Fondation Beyeler die Gelegenheit, aus den Beständen der «Daros Collection» einige hochkarätige Werke des 85-jährigen Künstlers auszuleihen und in einem Raum zu zeigen. Seit 2010 besteht zwischen den beiden Institutionen eine enge Kooperation. Theodora Vischer, die Kuratorin der kleinen Ausstellung, zeigte im vergangenen Jahr Werke des Amerikaners Cy Twombly in der Fondation Beyeler und hat sich nun vornehmlich für frühe Werke von Robert Ryman entschieden.

Bemerkenswert sind seine Frühwerke, weil sie uns viel über Rymans Malereistrategien verraten. Theodora Vischer verwies im Gespräch mit der bz auf einen Vortrag, den der ehemalige Direktor des Basler Kunstmuseums Franz Meyer Anfang der 1980er-Jahre gehalten hatte, bei dem er anhand zahlreicher Diapositive das Werk Robert Rymans erläuterte und dabei auch Aspekte wie Farbauftrag, Aufhängung, Träger und Materialität diskutierte. Über technische Fragen gelingt es am einfachsten, in das konzeptuelle Werk Robert Rymans einzusteigen.

Erleichternd ist es, zuerst die Werke von Alexander Calder im Nebenraum zu studieren: Denn was er in seiner Malerei bereits in den 1930er-Jahren versuchte, hat später ein anderer Protagonist der Minimal Art, Donald Judd, ganz ähnlich weiterentwickelt. Beide entwickeln aus der Malerei ein plastisches Werk, ein Vorgehen, dass in Bezug auf Ryman nicht unwesentlich ist.

Spezielle Hängung der Bilder

Von Donald Judd zu Robert Ryman ist es, trotz aller Unterschiede, konzeptionell nur ein kleiner Schritt. Bei den beiden frühen Kleinformaten in der Ausstellung erkennt man unter dem Weiss unterschiedliche Schichten: Eine weisse Grundierung, die aber nur partiell die Leinwand bedeckt sowie orange, grüne und gelbe Farbtupfer, die an die Pinselgesten impressionistischer Bilder erinnern. Darüber legt Ryman mit weisser Farbe ein Netz aus einzelnen Farbeinheiten, die sich durch unterschiedliche Grade von Dichte, Masse und Dynamik unterscheiden.

Doch auch Rymans Umgang mit der rohen Leinwand, mit den Rändern, der Aufhängung und der Verwendung konventioneller Malmittel ist bemerkenswert. Letztere zeigt sich in den beiden grossen Bildern. Beim einen malt er weisse horizontale Linien auf nichtgrundierte Leinwand, wobei die variierende Oberflächenkonsistenz ein Ansetzen und nachfolgendes Stoppen eines breiten Rollers vermuten lässt. Beim Bild gegenüber bedient er sich einer konventionellen Rostschutzfarbe, um die mennigrote Grundierung zu erzielen. Auch die Aufhängevorrichtung ist ungewöhnlich. Sie besteht aus einem Metallprofil, das zwischen Bild und Wand einen Abstand und eine Schattenfuge erreicht, die es ermöglicht, an den Rändern hinter die Bilder zu sehen. Das Bild wird der Wand enthoben, wird zur Platte und damit zu einem Objekt. Robert Ryman hat mit solch einfachen Mitteln den Malereibegriff zentral erweitert.

Neue Strategien

Das sind Strategien, die wesentlich, aber nicht neu sind. Bereits Paul Cézanne, Pablo Picasso oder Kasimir Malewitsch haben den Bildbegriff konzeptuell erweitert, bei Robert Rymans Werken ist der Bezug zum Raum frappant. Er hat die Leinwand neu behandelt, die Präsentation durch die Aufhängung verändert, sich konventioneller Materialien bedient und gleichzeitig ist er seinem Konzept die weisse Farbe zu bevorzugen, treu geblieben. Ihre Präsenz ist die von Ikonen in einem Heiligtum. Und gerade deshalb, trifft auch für sie Frank Stellas tautologischer Schluss «What you see, is what you see» zu. Als Vergleich lohnt sich ein Besuch der Frank-Stella-Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst. Auch Frank Stella war einst ein Künstler im Bereich der Minimal Art, heute arbeitet er vor allem im plastischen Bereich. Die Ausstellung lässt diese Entwicklung erahnen. Ein kleines Kapitel Kunstgeschichte schadet nie.

Die Ausstellungen Robert Ryman in der Fondation Beyeler und Frank Stella im Museum für Gegenwartskunst dauern bis zum 30. August.

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