Jessica Pfister

Wer den Eurovision Song Contest (ESC) in Oslo gewinnen will, braucht die Stimmen der Schwulen. «Heterosexuelle Männer schauen die Fussball- oder die Eishockey-WM, für Schwule ist der ESC ein Muss», sagt Andreas Blum von pinkprogram.ch. Für den Betreiber des Internet-TV-Programms für Schwule und Lesben wäre es «schrecklich», wenn er und sein Mann den Contest nicht mitverfolgen könnten.

Und auch Lars Peters von Europride weiss um die Faszination der Schwulen für den Contest: «Es geht um Trickkleider, Trash und Kultur, das trifft die Zielgruppe.» Zudem habe sich in den letzten Jahren so etwas wie ein Camp-Charakter an den Veranstaltungsorten entwickelt. «Schwule und Lesben aus ganz Europa treffen sich, um zu feiern.»

Auch Schwulenclubs in der Schweiz haben für den Glitter--Event aufgerüstet. So lädt sowohl die Zürcher Bar Cranberry zur Eurovisions-Party ein und auch der Berner Gay-Club «A...13» überträgt den Event auf Grossleinwand.

Dass der homosexuelle Sänger von der Heide vom grossen Interesse der Schwulengemeinde profitieren könnte, weiss auch seine Crew. So ruft Backgroundsängerin Amanda Nicolics lesbische Schwester auf dem weltweit grössten Lesbenportal www.shoe.org dazu auf, für von der Heide zu stimmen. Und im Interview mit dieser Zeitung sagte der Sänger kürzlich: «Wenn ich dank meiner Homosexualität zusätzliche Stimmen gewinne, nehme ich die natürlich gerne.»

Er gab aber zu bedenken, dass er einpacken könne, wenn ein junger Schönling daherkomme. Und tatsächlich: Bei den Schwulen wird laut dem Schweizer Gay-DJ Ludwig Zeller vor allem der hübsche 28-jährige Israeli Harel Skaat punkten. Von der Heides «il pleut de l’or» hingegen fehle es an Power, meint der Musikkenner.

Und auch Blum rechnet von der Heide wenig Chancen ein. Das Lied hätte vielleicht vor 15 Jahren Erfolg gehabt: «Auch wenn alle Schwulen für Michael stimmen würden, für das Finale reicht es nicht.»