Literatur

Sie kanns einfach – auch als Krimiautor Robert Galbraith

Auch als Robert Galbraith beweisst sie ihr schreiberisches Können: J. K. Rowling.

Auch als Robert Galbraith beweisst sie ihr schreiberisches Können: J. K. Rowling.

In «Weisser Tod» zieht die britische Meistererzählerin J. K. Rowling alias Robert Galbraith alle Register ihres schreiberischen Könnens.

Sie selbst nennt ihren vierten Cormoran- Strike-Fall eines der «anspruchsvollsten Bücher, die ich je geschrieben habe». Für die britische Harry-Potter-Schöpferin J. K. Rowling alias Robert Galbraith heisst Krimis schreiben, eine ganze Welt zu erschaffen, die der unseren gleicht – und in der doch alles ganz ihren eigenen Gesetzen folgt.

Sich allein auf das sogenannte «Whodunit» zu beschränken, wäre unter der Würde der Ausnahmekönnerin. Rowling ist eine Meisterin in der Beschreibung eines Settings und der Ausgestaltung menschlicher Charaktere.

Sie holt weit aus, ihre eng an die Topografie Londons angelehnten Kriminalromane lesen sich wie eine Mischung aus ihrem ersten expliziten Erwachsenen-Roman – «Ein plötzlicher Todesfall» von 2012, in welchem sie am Tod eines englischen Lokalpolitikers meisterhaft das marode Innere einer ganzen Kleinstadtgemeinschaft sezierte – und ihren Zauberlehrlings-Abenteuern.

Nach «Die Ernte des Bösen» von 2015, in welchem Strike gemeinsam mit seiner kongenialen Partnerin Robin Ellacott einem Mann das Handwerk legte, der seine Opfer lustvoll in ihre physiognomischen Einzelteile zerlegt, packt Rowling alias Robert Galbraith in «Weisser Tod» noch eine ziemlich grosse Schippe drauf. Es ist das Jahr 2012. London befindet sich wegen der gerade in der Stadt gastierenden Olympischen Spiele im Ausnahmezustand.

Zeitgleich verlangen gleich zwei neue Fälle die Aufmerksamkeit des genialen Ermittler-Duos: Zum einem bittet der englische Kulturminister Strike in einem delikaten Erpressungsfall um Hilfe; zeitgleich spüren Strike und Ellacot den reichlich wirren Andeutungen eines jungen, psychisch kranken Mannes nach, der sie wegen eines lange zurückliegenden Mordes aufsucht – und wenig später selbst spurlos verschwindet. Zwei Plots, welche ihre Schöpferin kunstvoll zu einem grandiosen britischen Sittengemälde verdichtet.

Schwierige Liebesverhältnisse

Das Salz in der Suppe aber bildet das komplizierte emotionale Hin und Her zwischen Strike und Ellacott. Denn nachdem Robin geheiratet hat, obgleich ihr Herz in Wahrheit für keinen anderen als ihren Chef schlägt und auch er zusehends mehr als lediglich freundschaftliche Gefühle für Robin in sich entdeckt, beginnt es zwischen den beiden mächtig zu haken. Ganz zur Freude des amüsierten Lesers!

Schwierige Liebesverhältnisse in Zeiten von Olympiade, Mord und Erpressung – bei Galbraith mischt sich all das zu einer kriminalistischen Tour de Force.

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