Fotografie
So lacht eine Siegerin: Diese Lenzburgerin ist das beste Fotografen-Talent

Die 23-jährige Lenzburgerin Sonja Berta wurde beim Prix Photo 2015 zum besten Talent gekürt. «Hungry Women Eat More Salald» heisst ihre Serie – es sind bildgewordene Slapsticks zum gestörten Essverhalten junger Frauen.

Sabine Altorfer
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Sonja Berta jubelt. Sie gewann beim Prix Photo 2015 der Stiftung British American Tobacco Switzerland den Young-Talent-Preis. Sebastian Schneider/PHOTOPRESS

Sonja Berta jubelt. Sie gewann beim Prix Photo 2015 der Stiftung British American Tobacco Switzerland den Young-Talent-Preis. Sebastian Schneider/PHOTOPRESS

KEYSTONE

«Wow! Ich bin so glücklich! Unglaublich!» Ein Freudenschrei, lachen, schlucken, lachen: Die Reaktion von Sonja Berta auf ihren Sieg bei den Young Talents machte aus einer etwas öden eine lustvolle, herzliche Veranstaltung. Das Energiebündel im geblümten Kleidchen steckte mit seiner Freude Veranstalter, Publikum, Fotografenkollegen und die Jury-Mitglieder an.

So wie die erst 23-jährige Sonja Berta bei der Bekanntgabe des Prix Photo 2015 reagierte, so fotografiert sie auch. «Ich mag positive Botschaften – selbst für ernste Themen», erklärt sie.

Man glaubt es ihr. Hat sie doch eine Serie Fotos zum Wettbewerb eingereicht, die sich mit dem gestörten Essverhalten junger Frauen beschäftigt, ihrem Hungern und ihrem Drang, kein Gramm Fett zuzulegen. «Hungry Women Eat More Salald» titelt sie ironisch und setzt toll angezogene Frauen ins technisch perfekte Bild, die gierig in einen Burger beissen oder denen der grüne Salat (passend zur Kleiderfarbe) um die Ohren fliegt. Bildgewordene Slapsticks sind es, im Stil der angesagten Modefotografie.

Wo hat die junge Frau das gelernt? Eine Fotografinnenlehre habe sie nicht gemacht. «Aber ich konnte während zweier Jahre bei Sven Germann als Assistentin arbeiten und habe enorm von seiner Erfahrung, nicht nur in der Modefotografie, profitiert.» Dabei habe sie Lust an der kreativen Arbeit bekommen, «meinen Weg gefunden». Sie besucht in Teilzeit den Vorkurs und beginnt nun ein Studium an der Zürcher Hochschule der Künste.

Dabei will sie sich nicht nur auf Fotografie beschränken, sondern – wie es heute üblich ist – multimedial arbeiten. «Gerade Performance interessiert mich, weil ich auch schon als Schauspielerin gearbeitet habe.» Im «Bestatter», 3. Staffel, 3. Folge habe sie ein Model gespielt. «Wenn mich jemand anfragt, mache ich das sofort wieder.»

Gute Aussichten

Bei so viel Punch und Talent traut man der jungen Frau einiges zu. Den Namen Sonja Berta sollte man sich also schon mal merken. Er ist ja ungewöhnlich genug. «Aber echt», lacht die junge Frau. «Heute mag ich ihn.» Geboren ist sie in Bern, die Familie hat zuerst in Kalckstätten gewohnt, «zum Glück sind meine Eltern dann nach Lenzburg umgezogen, wo die Schulen näher, die Möglichkeiten besser sind.»

Im Keller des Elternhauses (der Vater ist Ingenieur, die Mutter fotografiert auch) habe sie sich ein kleines Atelier eingerichtet. «Doch für das nächste Projekt war Reisen angesagt, durch Frankreich und nach Barcelona, wo ich Leute von der Strasse fotografierte.» Das werde ihre erste Ausstellung. Vom Preisgeld kaufe sie sich einen neuen Computer, «den brauche ich dringend». Sagts und lacht und lässt sich gerne feiern.

Prix Photo 2015 Ausstellung bei Sotheby’s, Zürich, bis 20. September.