Venus Electra Ryter. Auf ihren Namen wird sie ständig angesprochen. Man kann fast nicht anders, als sie danach zu fragen. Sie habe sich daran gewöhnt, sagt sie. Es ist kein Künstlername. Ihre Geschwister heissen Saphire, Quiowa und dergleichen. Besondere, sonderbare Namen. Venus, Göttin der Liebe, ein Planet. Die dunkle Sagengestalt Elektra dagegen stiftete ihren Bruder dazu an, die Mutter zu töten, um den Vater zu rächen. Man kann auch diesen Namen positiv deuten, sagt Venus Electra Ryter: als Licht, Energie.

Und es war nicht zuletzt der Name, der sie verpflichtete. «Ich musste fast Autorin werden. Die Leute erwarten so etwas bei diesem Namen – mehr als von jemandem, der Lisa heisst.» Solche «Fremdzuschreibungen» interessieren Venus Ryter ohnehin. Inwieweit ist man selbstbestimmt, inwieweit von Projektionen und Aussenwahrnehmungen gesteuert? «Bin ich das, die etwas so oder so wahrnimmt? Oder ist das objektiv so? Wer hat das Recht zu sagen, was gut ist - und was nicht?» Venus studiert Philosophie und deutsche Literatur in Basel - und sie studiert gerne. Eine Zeit lang wollte sie Lehrerin werden – «aber dass ich es noch nicht bin, deutet wohl darauf hin, dass ich es nicht werden soll».

Jemand habe ihr gesagt, vor 40 sei man zu jung zum Schreiben. Venus Electra Ryter ist 27. Sie hat trotzdem damit angefangen. Mit Lyrik. In einem Sommer in Berlin. Zuerst heimlich. Nun immer öffentlicher.

Ein erstes leichtes Buch mit ihren Gedichten und den Zeichnungen einer Freundin, Anna Calabrese, ist erschienen: «Alles ist sehr einfach». Schwebende Sommerstimmungen kombiniert mit abstrakten bis absurden Gedankengängen. Momente, subtil eingefangen, immer wieder neu variiert. «Es bildet sich ein Rechteck in Deiner Brust, als Du spürst, wie alles sein sollte. Und dieses Rechteck ist so einfach, weil es nichts anderes als ein Rechteck sein kann.» In Berlin hat sie bereits daraus gelesen, am Freitag liest sie an der Museumsnacht erstmals in Basel.

Man ist dümmer, als man denkt

Ist alles so einfach? Wahrscheinlich nicht, manchmal scheine es so. Etwa in diesen hellsichtigen Phasen zwischen Wach- und Schlafzustand. Sie überlegt. «Grundsätzlich ist es doch sehr einfach, das Dasein», sagt sie. Manchmal falle ihr etwas auf und sie glaube, es sei neu. «Dann merke ich: ich habe es schon vorher gewusst – und nur gemeint, es sei neu.» Auch in Gesprächen: immer wieder dasselbe Resultat. Und immer weiss jemand etwas besser. «Ich erfinde lieber und rate etwas zusammen, als dass ich es zu genau nehme.»

«Schreib bitte: Man ist immer ein bisschen dümmer, als man denkt. Das ist das Wichtigste, das ich sagen will», sagt sie. Was sollte man sonst noch über sie wissen? Sie zuckt mit den Schultern. Sich interessant zu machen, sich in Szene zu setzen, das ist Venus’ Sache nicht. Sie ist eher die Nachdenkliche, die sich durch die Bestände der Unibibliothek liest. Was gehört unbedingt noch in dieses Portrait? «Könnte man lügen?»

Lesung am Freitag, den 22. Januar um 19:45, «Schwarzwaldallee» an der Voltastrasse 41

www.schwarzwaldallee.ch