Fränzi Rütti-Saner

Ein kurzer Ausschnitt aus Händels Sarabande stimmt ein auf den «Giftmischer», der auf dem Zeughausplatz in Solothurn am Donnerstagabend das Publikum auf die Zeitreise schickt.

Das Stück spielt im Jahr 1722, als die hohe Zeit des französischen Ambassadeurs in Solothurn begann, und als die Stadt-Adlige Maria Margaretha Gertrud von Besenval, geborene von Sury (Marlise Fischer) als 50-Jährige zurück auf ihr ereignisreiches Leben blickt und eine Typhus-Epidemie die Solothurner heimsucht.

Aberglaube und Aufklärung

Es ist aber auch die Zeit, in der erste aufklärerische Ideen den Aberglauben in der Bevölkerung verdrängen - im Stück manifestiert durch den Zürcher Arzt Jakob Lenzinger (Hans-Joachim Frick), der den Praktiken des selbsternannten Wunderdoktors und Baders Samuel Ruchti (Jonathan Rufer) den Garaus macht.

Zu sehen bekommt das Theaterpublikum aber auch die stadtbekannte Konkurrenz der beiden Wirtinnen Irma Schilt (Franziska Kindler Liechti) und Judith Hugi (Elisabeth Steiner), die politischen und diplomatischen Schwierigkeiten des Stadtammanns Melchior Reinert (Franz Mumenthaler) und seines Stadtschreibers Tobias Hafner (Mike Ingold) und das Gehabe des Hofstaats des Ambassadeurs Edmond Hérisson (Kuno Jaeggi) und seiner Frau Horace (Ruth Schöni).

Daneben die Leiden der armen Bevölkerung unter Armut, Krankheit und Trunksucht, das frivole Leben einiger Stadthuren, das Ausgeliefertsein der Mädge und Knechte und natürlich die Rivalität zweier junger Männer, des Richard von Sury (Jörg Studer) und seines Cou-Cousins Joseph Anton von Besenval (Pascal Estermann) um die schöne Tochter des Ambassadeurs Cecile (Samantha Gut).

Ein opulentes Kostümdrama hat da die Crew um Theaterautor Peter Keller und Regisseur Reto Lang mit 70 Darstellerinnen und Darstellern vor die stimmige Kulisse gebracht. Es fehlt an nichts: leibhaftige stolze Rösser, eine knatternde Kutsche, Tote in Leichensäcken, keifende Marktweiber, gruslige Badergeschäfte, hetzender Mob, Feuerwerk.

Grandios ist die klug durchdachte und stimmige Choreografie der gesamten Inszenierung und die stilsichere Besetzung und Führung aller Schauspieler. Zwischen Profis und Amateuren ist praktisch kein Unterschied feststellbar.

Bis 29. August. www.freilichtspiele-solothurn.ch