Theater

Vorhang auf, Kamera läuft: Die Geschichte des 104-jährigen Kinos Royal

Film und Theater in einem. Das ist «Kino Marie».Andreas Zimmermann

Film und Theater in einem. Das ist «Kino Marie».Andreas Zimmermann

Mit Film und Theater: Heute Donnerstag und morgen Freitag wird das Theater Marie im Royal, heute ein Kulturzentrum, die Geschichte dieses Kinosaals wie auch die des Kinos seit den 50er-Jahren im Stück «Kino Marie» präsentieren.

Vor 104 Jahren baute die Pariserin Marie Antoine in Baden das Kino Royal; 2008 wurde es, dem Lauf der Jahre zum Opfer gefallen, geschlossen. Dabei standen Mitte des 20. Jahrhunderts Kinos in fast jeder Gemeinde im Aargau, die, dank den Vorführungen von in anderen Kantonen illegalen Filmen, wie Western und Sex-Filmen, sehr rentabel waren. Heute Donnerstag und morgen Freitag wird das Theater Marie im Royal, heute ein Kulturzentrum, die Geschichte dieses Kinosaals wie auch die des Kinos seit den 50er-Jahren im Stück «Kino Marie» präsentieren.

Nach einer Führung durch die Ausstellung «Kosmos Kino» des Historischen Museums, in der geschichtliche Persönlichkeiten von den «Kino Marie»-Schauspielern live dargestellt werden, folgt das Theater-Kino-Ereignis, welches schon vor fünf Jahren konzipiert wurde: Damals war die Truppe gerade in ein neues Heimtheater eingezogen, ins ehemalige Kino Central in Suhr. Die intensive Auseinandersetzung mit dem neuen Raum sowie die Frage, was denn eigentlich das Theater vom Film unterscheidet, führten zur Inspiration für das Dokumentartheater. Zeitzeugen wurden über ihren Bezug zum Kinosaal ausgefragt, wobei die schönsten ihrer Aussagen während des Stücks abgespielt wurden.

Leinwand und Bühne

Auch mit der Technologie wurde gespielt. «Eines der Ziele war es, die verschiedenen Spielweisen im Umgang mit Film und im Theater aufzuzeigen», erklärt der Dramaturg Patric Bachmann. Auf einer durchsichtigen Leinwand, welche die Bühne in der Tiefe halbiert, werden im Voraus gedrehte Szenen sowie Nahaufnahmen der gegenwärtigen Szenen projiziert. Das kleine filmische Schauspiel wird dem grossen theatralischen entgegengestellt. Auch projizierte Ausschnitte und Nachspielungen berühmter Szenen der Filmgeschichte sind Teil des Theatermosaiks. «Es gibt einen Moment, wo diese vordere Leinwand weggerissen wird und der Raum eine grössere Dimension bekommt», sagt Bachmann. «Dann wird ganz ohne Bilder der Untergang der Titanic nacherzählt.» Die für Filmliebhaber unvermeidliche Szene mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio soll allein durch die Worte vor den Augen der Zuschauer entstehen: Stichwort «Kopfkino».

Seit 2013 ist «Kino Marie» in mehreren Kinosälen aufgeführt worden, jedes davon mit einer etwas anderen Vorgeschichte. «Wir gehen nicht einfach an einen Spielort und spielen, sondern wir beschäftigen uns mit dem Raum und seiner Geschichte», sagt Bachmann. An jedem Ort müssen neue Interviews geführt und neue historische Hintergründe erfasst werden, wodurch «Kino Marie» sich immer weiter entwickelt und bereichert.

Baden Do und Fr, 14. und 15. Dezember, Führung um 18 Uhr im Historischen Museum, «Kino Marie» um 20 Uhr im Royal.

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