Uraufführung
«Wanderful» ist ein musikalisches Potpourri verpackt in Peinlichkeiten

Show «Wanderful» mit Sandra Studer, Gardi Hutter und Michael von der Heide hat im Zürcher Theater am Hechtplatz Uraufführung gefeiert.

Rosmarie Mehlin
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Susane Studer, Michael von der Heide und Gabi Hutter in den Hauptrollen in «Wanderful»

Susane Studer, Michael von der Heide und Gabi Hutter in den Hauptrollen in «Wanderful»

Zur Verfügung gestellt

Singen können sie zweifellos, was sie denn auch mit Inbrunst tun. Und weil sie auch wahnsinnig gerne auf der Bühne stehen, haben Sandra Studer, Gardi Hutter und Michael von der Heide sich mit Dominik Flaschka, der ebenso gerne Regie führt, zusammengetan. Gemeinsam haben sie «Wanderful» kreiert. Was aber ist «Wanderful»? Darüber ist sich das Quartett wohl nicht schlüssig geworden und hat dem Titel den kaum minder schleierhaften Zusatz «There’s no Piz like Show Piz» beigefügt. Und so hat das Publikum nun freie Hand, des Rätsels Lösung zu finden.

Folgendes trägt sich zu: Vier ausgezeichnete Musiker begleiten im nicht vorhandenen Orchestergraben, was oben auf der Bühne kunterbunt gemixt auf Deutsch, Schwyzerdütsch, Englisch und Portugiesisch gesungen wird. Und das ist nicht wenig. Innert 135 Minuten (Gott sei Dank wenigstens inklusive Pause) wird ein Potpourri von 51 Songs und Schlagern von Peter Alexander bis Conchita Wurst mit Originaltext oder neckisch aktualisiert, ausführlich oder in Kurzfassung geboten. Es fehlen weder «Amigos para siempre» noch «Das chunnt eus spanisch vor»; Roger Cicero, Georg Kreisler, Florian Ast lassen ebenso grüssen wie Paola, Dalida und Bonnie Tyler – und selbst Mozart wird – «Zu Hilfe, zu Hilfe!» – nicht verschont.

Endlich weg von zu Hause

Doch halt: Das «Trio infernal» gibt nicht etwa ein Konzert. Nein, eingepackt ist der Gesang in eine Comedy oder so ähnlich, jedenfalls eine hanebüchene Story von TV-Aufnahmen für eine «Alpengala», in der Studer, Hutter und van der Heide als sie selber auftreten. Das verschlägt die drei in die Berge (das Bühnenbild ist reizvoll) und gibt ihnen daselbst zunächst Gelegenheit zu persönlichen Coming-outs.

Amüsant dabei ist, wie Hutter augenzwinkernd mit ihrem Alter (61) und dem Problem kokettiert, als Komikerin selbst vom Bäcker nicht ernst genommen zu werden. Van der Heide seinerseits tut mit eindeutigen Zweideutigkeiten kund, dass er – falls es tatsächlich jemand noch nicht wissen sollte – schwul ist, und die vierfache Mutter Studer streicht heraus, wie froh sie ist, «wieder mal weg von zu Hause» zu sein. Was gewiss ironisch gemeint ist, ist in Tat und Wahrheit schlicht peinlich.

Und es sind bei weitem nicht die einzigen Peinlichkeiten an diesem Abend. Denn die Story setzt sich vorwiegend aus einer wirren Unmenge von an den Haaren herbeigezogenen, an Banalität kaum zu überbietenden «Einfällen» zusammen. Die reichen von einem Polizeihund namens Ludwig über eine geschmacklich manipulierte Designerdroge, einen Fenstersprung in grosse Tiefe samt unbeschadeter Rückkehr bis zur Erinnerung an eine polnische Grossmutter.

Einziger Zweck von all dem Unsinn ist es, auf Teufel komm raus – ergo mit Brachialgewalt – von einem Song auf den nächsten überzuleiten. Da aber definitiv nicht jeder Zweck die Mittel heiligt, ist «Wanderful» – obwohl musikalisch und gesanglich überzeugend – bedeutend mehr ein Ärgernis als ein Vergnügen.

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