Dicke Oberarme, ernster Blick, breiter Schritt und ein schweres Geschlecht zwischen den Beinen — das ist die ideale Figur, die ein echter Mann abgeben sollte, behauptet so ähnlich auf Serbisch ein junger Darsteller auf der Bühne. «Was ist ein echter Mann?», fragt er ins Publikum. Ein Schüler antwortet aus den Zuschauerreihen: «Alter, einer, der ein geiles Auto besitzt.»

In der Nachmittagsvorstellung des Theaterstücks «Macho Men» sitzen mehrere Schulklassen, die das Bühnengeschehen lautstark kommentieren. Viele junge Männer im Publikum scheinen sich von den Darstellern angesprochen zu fühlen — ein gutes Zeichen. Die serbische Theatergruppe möchte mit ihrem Stück die Zuschauer anregen, über das Thema «Männlichkeit» nachzudenken.

Sieben junge Darsteller im Alter von 21 bis 25 Jahren befragen sich dazu in szenischen und schnellen Dialogen auf Serbisch zu ihrer eigenen Männlichkeit, ihrer Erziehung, Kultur, Familientradition und den stereotypischen Geschlechterrollen. Immer wieder richten sie ihre Fragen ans Publikum, um dieses bewusst zu integrieren.

«Was ist denn nun ein echter Mann?», wiederholt einer der Darsteller, und seine Mitspieler antworten ihm in Windeseile chorisch oder einzeln, so, dass man beim Lesen der deutschen Übertitel nicht immer folgen kann. Ein echter Mann sieht aus wie Clint Eastwood, ist trinkfest, befolgt keine Gesetzte, weint nicht, trägt keine pinken T-Shirts, ist Patriot, ein leidenschaftlicher Liebhaber und schon gar nicht homosexuell. Wirklich?

Veraltetes Männerbild

Anfangs übernimmt der Darsteller Đorđe Živadinović Grgur die Rolle, diesem Männerbild mit Argumenten und Beispielen entgegenzuhalten; allmählich folgt die gesamte Gruppe. Sie versuchen, sich gegenseitig zu überzeugen, dass diese Männlichkeits-Definition veraltet und albern ist. Der moderne Mann von heute sei jener, der zu sich selber steht, ehrlich ist und sein «Gehirn einsetzt und sich fragt, was ein Mann sein soll».

Das Stück kommt ohne Einbezug intellektueller Genderdebatten aus und besteht ausschliesslich aus einem authentischen, unkomplizierten Text, den die Darsteller erarbeitet haben.

Dennoch scheint es dem jungen Publikum schwergefallen zu sein, dem Inhalt zu folgen: Zwei 13-jährigen Mädchen, die in der Vorstellung sassen, hat «Macho Men» zwar gefallen, weil sie der serbischen Sprache lauschen durften. Die Übertitel konnten sie aber beinahe nicht lesen, da diese zu schnell abgespielt wurden. Zu Hause würden sie ihren Eltern sagen, dass es im Stück um einen Mann ging.

Das Stück bedarf unbedingt eines langsameren Tempos, einer Regie und Dramaturgie (Milena Bogavac und Voijslav Arsić), die mehr Akzent auf ruhige Szenen setzt und ihre Schauspieler auch mal ohne Worte spielen lässt. So ausdrucksstark und sicher, wie die sieben Laien-Schauspieler auf der Bühne auftreten, sollte ihr überzeugendes Spiel kein Hindernis sein.

«Macho Men» ist mittwochs und donnerstags jeweils um 14 Uhr (nur für Schulklassen) und 20 Uhr im Ackermannshof in Basel im Rahmen der 16-tägigen Kampagne gegen Gewalt an Frauen zu sehen.