Klosterspiele Wettingen 2011
Wettingen ist nicht Altdorf, aber fast

«Ich bin gewarnt worden», begann der Regisseur Volker Hesse seine Ausführungen an der Informationsveranstaltung zu den Klosterspielen Wettingen 2011.

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Melanie Borter

«Mir wurde gesagt, ich dürfe nicht von Altdorf oder Einsiedeln auf Wettingen schliessen. Wettingen habe keine kulturelle Tradition, was das Freilichtspiel angehe», sagte Hesse in ernstem Ton. Der erfolgreiche Regisseur, bekannt durch die Inszenierungen der Tellspiele in Altdorf und des Welttheaters in Einsiedeln, konnte für die dritte Auflage der Klosterspiele Wettingen, für die Inszenierung von «De Franzos im Aargau», gewonnen werden.

«Ich stelle nun aber mit Freuden fest, dass diese Stimmen nicht recht behalten haben», fuhr Hesse mit einem Lächeln fort und spielte damit auf die überraschend grosse Anzahl von Interessierten an, die sich an diesem Informationsabend im Kloster Wettingen eingefunden hatten.

Der Schweizer Dramatiker und Schriftsteller Thomas Hürlimann hat zur Revolutionsgeschichte in der Schweiz ein Lustspiel geschrieben: «De Franzos im Ybrig». Bei den Klosterspielen Wettingen 2011 wird es «De Franzos im Aargau» heissen. Nach «Welttheater» und «Faust» wird diesmal also eine Komödie aufgeführt. Aber nicht nur, wie an diesem Abend zu erfahren war. Volker Hesse werde erste Geheimnisse der Inszenierung bekannt geben, versprach Hannes Schmid, künstlerischer Leiter der Klosterspiele 2011. Und so war es auch: «Das komisch-kräftige, deftige Stück von Hürlimann soll auf dunklem Grund entstehen», führte der Regisseur aus.

In einem Vorspiel sollen die Themen Krieg / Napoleonische Zeit aufgenommen werden. Es werde aber nicht in musealer Weise Kulturgeschichte vermittelt, sondern die Schrecknisse des Krieges sollten in leisen Bildnissen, in Performances, umkreist werden. Durch Bilder, Gesänge, Instrumentalmusik und Sprachtöne würden die Menschen so erst einmal sensibilisiert. «Und erst dann kommt das Lustige. Es ist dann wohltuend und sinnvoll, derbes Theater zu machen», sagte Volker Hesse. Durch das Spiel im zweiten Teil entstehe ein Befreiungsmoment.

«Ich habe mir vorgenommen, mal zu sehen, was sich denn mit Laien - vorwiegend mit Laien - machen lässt,» fuhr Hesse fort. Er habe die Uraufführung des Stücks «De Franzos im Ybrig» in Einsiedeln gesehen - auch da spielten vorwiegend Laien - es sei eine freche Aufführung gewesen, die ihm sehr gefallen habe. «Dann sah ich die Aufführung des Schauspielhauses in Zürich und ich war tief enttäuscht», sagte Hesse.Dieses Stück brauche die Begeisterungsfähigkeit und die Vitalität von Personen, die nur gelegentlich Theater spielen, schlussfolgerte der Regisseur schliesslich und machte damit allen anwesenden Mut, sich für die Castings, die Ende Juni stattfinden werden, anzumelden.

Aber auch die vielen Helferinnen und Helfer, die für solch einen Anlass hinter und neben der Bühne gebraucht werden, wurden ermuntert, sich doch mittels Formular gleich an Ort und Stelle - vorerst unverbindlich - anzumelden. Diese Gelegenheit nahmen dann auch viele wahr und obwohl während des rund einstündigen Informationsteils noch Formulare nachgedruckt worden sind, dürfte es wohl nicht für alle Willigen gereicht haben, sodass sich einige ihr Anmeldeformular im Internet unter www.klosterspiele.ch besorgen mussten.