Falls Sie dieser Tage in einer Gasse einem wandelnden Wäldchen begegnen, das seltsame Geräusche von sich gibt: Es liegt nicht an dem einen oder anderen Glas Waggis zuviel. Es sind bloss Die Unbaggene, die da wie entwurzelte Bäume herumstreunen.

Was so liebevoll gebastelt, aber ziemlich unbequem ausschaut, hat sich ein Künstler für die Clique ausgedacht. Johannes Willi gehört dieser Generation von Kunstschaffenden an, die mehr als Pinsel und Leinwand für ihre Werke benutzen. Ihre Palette besteht aus der gesamten Welt. 

Am Lucerne Festival 2016 wurde das Orchester zum Kunstmaterial. Willi baute damals alle 49 Instrumente, die es für Beethovens Fünfte braucht, nach – mit Material aus dem Baumarkt. Vor ausverkauftem Haus spielte das Orchester die ganze Sinfonie, während den Musikern die Instrumente unter der Hand zerfielen. Eine Sternstunde in Sachen Humor und Kunst.

Aus dem Kunstnebel auf die Gasse

Bereits am Sonntagabend fanden sich Die Unbaggene in der Basler Kunsthalle ein, zum «Ypfyffe». Sie waren dort Teil des Abschlussbouquets des Festivals Performance Process. Über drei Monate hatten das Museum Tinguely, die Kaserne und die Kunsthalle die Performance und ihre 40-jährige Geschichte beleuchtet.

Nun gab es neun Künstlerstücke zum Abschluss, bis 2 Uhr nachts. Dann ging das Festival zu Ende, und, so die Veranstalter, «die grösste Kollektivperformance der Schweiz» konnte beginnen. Mittendrin, die Bäume von Johannes Willi.

Aber erst mal mussten diese sich schön ausgeleuchtet und Kunstnebel-umwabert darin üben, Baum zu sein. Also still zu stehen. Nach einer langen Weile griffen die ersten Baum-
menschen dann zu ihren Instrumenten. Das waren Trommeln aus ausgehöhlten Baumstämmen, mit Plastik überzogen. Und Flöten aus rudimentären Holzstücken.

Nach langer Einstimmungsphase war es dann so weit. Die Bäume fanden sich zum Kreis und gaben den «Arabi» zum besten. Oder besser: Was in dieser Instrumentierung noch davon übrig blieb. Ein Zischen und luftiges Pfeifen, unterlegt von dumpfen Rhythmen ging durch die Kunsthalle. «Yyschtoh» hiess es dann, und das Wäldchen verliess die hehren Hallen der Kunst Richtung Wirklichkeit. Dort sollen sie sich jetzt noch rumtreiben. Begleitet von zwei Künstlern aus Südamerika. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.

Wer sehen will, wie das Projekt zum Abschluss kommt, der finde sich am Sonntag, 25. März, im Kunstraum Bikini im St. Johann ein. Dort werden die Baumkostüme dann ihrer endgültigen Bestimmung zugeführt.