Saisonstart

Zwei wie Hirsch und Geweih – ein Dreamteam eröffnet die Saison des Vorstadttheaters

Szene im Theaterstück «Sportler des Herzens».

Das Vorstadttheater Basel eröffnet die Saison mit der Uraufführung von «Sportler der Herzen».

Die Zusammenarbeit zwischen Vivianne (Vivianne Mösli) und Michael (Michael Wolf) klang schon harmonischer. «Meinst du wirklich, was du sagst? Du musst es wirklich meinen, auch beim Proben. Du schnaufst zu laut! Du blockierst!»

Vivianne ist sauer auf ihren Kollegen. Geträumt hatten sie von grossen Rollen auf Weltbühnen, gelandet sind sie unter anderem beim Kindertheater hinter der Löwenlarve und im Eisbärkostüm. Bezahlt von der Detailhandelsorganisation Volg. Und selbst diesen Auftrag vermasselt Michael durch einen ungeschickten Sturz durch den brennenden Ring. Eigentlich möchte Vivianne die jahrelange Zusammenarbeit beenden. Die Sache ist nur: So sehr sich die beiden zoffen, einander mit Schimpfwörtern und Gegenständen bewerfen, sie sind trotz allem eine Art Dream-Team. Sie passen schon gut zusammen, etwa «wie Schüssel und Salat, das Salz und die Suppe, wie Hirsch und Geweih»(Text: Jens Nielsen).

Ihre sehr schlechte Laune wird wunderbar ergänzt durch sein etwas zu souveränes Grinsen in peinlichen Situationen. Etwa, wenn er total lädiert mit Kopfverband und Armbinde dem Publikum von seiner Karriere erzählt, die mit dem genialen Satz «Hallo Jesus, ich bins, der Hirte» im Krippentheater begann. Er könne Kot in Gold verwandeln, schwärmt er, sei aber trotz allem sehr bescheiden geblieben.

Bescheidene Mittel, grosser Effekt

Als ginge es um ihr Leben, spielen und schwitzen sich die beiden durch Schlüsselszenen von Maria Stuart, Jagdszenen aus Niederbayern, Filmklassiker und Kochsendungen. Kurz: ein Medley aus Theaterklassikern und Populärkultur. Nie weiss man genau, ob sie nun spielen, proben oder im sogenannten «privaten Modus» sind.

Dabei werden Fragen verhandelt, die sich ums Theater selber drehen. Wie soll man spielen? Wer bekommt die Rolle? «Nicht wer es am besten kann, sondern wer es am meisten will, diese Ovo-Fresser»!

Auch wer keine spezielle Vorliebe für selbstreferenzielles Theater hat, kommt in den zahlreichen Szenen auf seine Kosten. Sei es Tschechow unter Tränen oder Schiller im Ritterhelm: Mösli und Wolf können es. Ob Mehl, Rauchmaschine und Wasserflasche – Regisseur Matthias Grupp setzt auf kleine Mittel mit grossem Effekt. Besonders lustig: Frau Schwatz beim Metzgermeister!

Dass der Humor funktioniert, liegt am Zusammenspiel von Text, Spiel und Regie. Mit Nielsen, Grupp, Mösli und Wolf haben vier Künstler zusammengefunden, die das Tiefgründige mit dem Verspielten verbinden, einen Hang zum Skurrilen haben und keine Angst vor Peinlichkeiten. Und durch das Peinliche muss man halt manchmal hindurch, um bei der Poesie anzukommen, das wissen wir seit Charlie Chaplin. So viele Werke auch zitiert werden, der Geist, der dem Stück zugrunde liegt, ist Chaplins «Limelight». Auch in «Sportler der Herzen» geht es um das Verhältnis von Schauspieler, Publikum und Markt. Um das Älterwerden. Um die Träume, die wir haben, und das, was daraus wird.

Auch wenn einige Szenen sich ein wenig ziehen: Mit der Uraufführung von «Sportler des Herzens» gelingt dem Vorstadttheater ein toller Saisonstart.

 

Nächste Vorstellungen:
Do., 19., Fr., 20., Sa., 21., So., 22. 9.
www.vorstadttheaterbasel.ch

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