Buchpreis
Fünf sind nominiert für den diesjährigen Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis

Ein Sachbuch, zwei Graphic Novels, ein Kinderroman und ein Bilderbuch haben es auf die Shortlist des Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreises 2021 geschafft. Der Preis ist mit insgesamt 20 000 Franken dotiert. Der Siegertitel wird am 15. Mai bekannt gegeben.

Hansruedi Kugler
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Drei deutschsprachige und zwei französischsprachige Titel sind dieses Jahr in der engeren Auswahl für den im vergangenen Jahr zum ersten Mal ausgerichteten Preis. Eva Roth, Jacky Gleich, Micha Friemel, Marcel Barelli, Fabian Menor und Martin Panchaud – Werke dieser Autorinnen und Illustratoren sind für den diesjährigen Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert.

Der Jurypräsident Daniel Ammann schreibt zur Wahl der Shortlist: «Rund 100 Titel aus über 60 Verlagen in vier Landessprachen – die Auswahl verspricht thematische und gestalterische Diversität. Dass die Shortlist mit einer Vielfalt an herausragenden Titeln aufwartet, ist allemal ein Glücksfall. Ein tierisches Kuriositätenkabinett, düstere Kindheitserinnerungen, eine abgedrehte Roadnovel sowie ein feinsinniges Reiseabenteuer und der chaotische Alltag einer Bilderbuch-Familie entfalten ein Panorama und locken hinter den Horizont von Bild und Wort.»

Martin Panchaud: Die Farbe der Dinge Edition Moderne. 224 S.
Ein drangsalierter Teenager aus misslichen Verhältnissen landet den grossen Coup, als er mit dem Ersparten seines Vaters auf das richtige Pferd wettet. Jetzt sind erst recht alle hinter ihm her. Diese Graphic Novel stellt Lesegewohnheiten radikal auf den Kopf und erzählt die turbulente Comingof-Age-Geschichte wie ein Videospiel aus Drohnenperspektive. Ein schwindelerregender Parforceritt durch Piktogramme, Infografiken und filmreife Dialoge, der packt und unter die Haut geht.

Eva Roth: Lila Perk. Jungbrunnen Verlag. 152 S.
Mit Überlebensbuch, Zelt und Moskitonetzen machen sich die zwölfjährige Lila und ihr Vater auf eine Abenteuerreise, die sie bis weit in den Osten Europas führt. Der Erzähltext besticht durch den stimmigen Plot und die einfache, aber eingängige Sprache mit einem Schuss Ironie und Witz. Während das Genre des Abenteuerromans gehörig dekonstruiert wird, zieht sich das zentrale Thema der Verarbeitung des Todes der Mutter als roter Faden subtil, feinfühlig und überzeugend durch die Geschichte.


Micha Friemel / Jacky Gleich: Lulu in der Mitte. Hanser. 32 S.

Herrlich, dieses Familienleben mit Vater, Mutter und drei Kindern, das sich in den Illustrationen wie ein Wirbelwind entfaltet. Es wird gespielt, gekocht, getröstet. Erst, wenn man den Text liest, wird klar, dass dieses wilde Gewusel nicht für alle gleich lustig ist. Lulu, das mittlere Kind, fühlt sich zunächst unsichtbar und weiss nicht, wer sie ist. Das dynamische Zusammenspiel zwischen Text und Bild lässt Lulu plötzlich im Rampenlicht erscheinen. Sie entdeckt sich selbst als die goldene Mitte, die Sonne, um die sich alles dreht.

Marcel Barelli: Bestiaire helvétique. EPFL Press. 432 S.
Dieser Katalog der Schweizer Tierarten wurde mit einem neugierigen, oft humorvollen Blick erstellt. Mittels Schwarz-Weiss-Zeichnungen und kurzer Texte schafft der Autor ein innovatives Werk, das sorgfältig ausgearbeitet und originell zugleich ist; mit einer Fülle an interessanten Informationen, leichtfüssig und witzig illustriert. Das Buch folgt einer persönlichen Ordnung und endet mit einer reichhaltigen Bibliografie. Nicht zuletzt erinnert es uns daran, wie viele Tiere durch die ganz am Schluss vorgestellte Spezies bedroht sind: durch den Homo sapiens.

Fabian Menor: Élise. Verlag La Joie de lire. 104 S.
Élise muss für ihre Lehrerin stets als Sündenbock herhalten. Zum Glück findet sie Trost bei ihrem Hund, mit dem sie alles teilt. Als Chronik alltäglicher Gewalt entfaltet diese Graphic Novel, die zwischen Märchen und Entwicklungsroman angesiedelt ist, das Leben eines Mädchens in einer Zeit, in der Erwachsene noch die Hand gegen Kinder erheben durften. Die Verwendung von Tusche und ihrer verwässerten Nuancen zeigt elegant die Verletzlichkeit, aber auch die Stärke und Widerstandsfähigkeit, die das Kindsein mit sich bringt.

Am Samstag, 15. Mai 2021 um 15 Uhr wird an der Preisverleihung im Rahmen der Solothurner Literaturtage das Siegerbuch bekannt gegeben und alle Autorinnen und Autoren und Illustratorinnen und Illustratoren der nominierten Werke werden geehrt. Der Anlass wird wie im vergangenen Jahr von Susanne Kunz moderiert.

Kinder- und Jugendbuchpreis

Wer den Preis ausrichtet

Die Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteraturschaffende wird vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband SBVV, vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM und von den Solothurner Literaturtagen getragen.