Klassik

Bye-bye mit britischen Raritäten

Nur keine Tränen jetzt: Douglas Bostock jubelt mit dem Solisten Steven Mead und nimmt mit «Best of Bostock» Abschied von seinem Argovia Philharmonic.

Mit seinem Best of Bostock begeistert der Chefdirigent bei seinem letzten Abonnementskonzert mit dem Argovia Philharmonic das Publikum. Trotz ungewöhnlichem Programm.

Der Abschied ist nicht leicht. Vor allem nicht, wenn Douglas Bostock nach 18-jährigem Wirken als Chefdirigent das Argovia Philharmonic verlässt. Jahre, die als goldene in Erinnerung bleiben werden. Deshalb kann das letzte Abonnementskonzert speziell gestaltet werden; aber nicht – wie vielleicht erwartet – mit Komponisten der deutschen Klassik, sondern mit Werken britischer Komponisten wie Frank Bridge, Alun Hoddinott und Ralph Vaughan Williams.

Mit diesem erlesenen Programm knüpft Bostock an seinen mit «The Best of British» benannten Einstand als Chefdirigent des Argovia Philharmonic an. Achtzehn Jahre später gibt es nun «Best of Bostock», und das heisst: Man darf Douglas Bostock erneut als offenen und zugewandten, auf Augenhöhe mit den Musikerinnen und Musikern kommunizierenden, fördernd-fordernden Dirigenten erleben, der für die Sache brennt. Und wiederum darf man feststellen, wie sehr sich das Orchester unter diesem Chefdirigenten zu einem exzellenten Klangkörper entwickelt hat, weshalb das Konzert auch unterm Titel «Best of Argovia Philharmonic» hätte stehen können.

Man kennt den Chef

Dieses Orchester kennt seinen Chefdirigenten längst so gut, dass es Anregungen von ihm praktisch vorausnimmt: So überrascht es mit wohldosiert-kräftigen Akzenten am Beginn von «The Sea», diesem sinfonischen Poem von Frank Bridge; so «malt» es ein Meer-Porträt mit schönen Einwürfen der Bläser, das im dritten Satz (Moonlight) eine magische und im Finale (Storm) eine düstere Stimmung beschwört – Bostock und das Argovia Philharmonic kosten hier vor allem die dunklen Farben aus.

Wie gegensätzlich dazu ist doch die expressive Tonsprache des Walisers Alun Hoddinott. Zu den Streichern und Bläsern gesellen sich beim Euphonium Concerto «The Sunne Rising – The King Will Ride» verschiedene Perkussionsinstrumente, die das Klangbild bei der Schweizer Erstaufführung oft gleissend erscheinen lassen.

Im Zusammenklang mit dem solistisch selten zu hörenden Euphonium, eine Tuba in Baritonlage, ergibt sich eine farblich reizvolle Klangwelt. Hoddinnotts Concerto gehört ganz dem Solisten Steven Mead – und dieser ist exzeptionell. Mead entlockt seinem Instrument eine Wärme und Gesanglichkeit, die man am liebsten als Bel Canto bezeichnen möchte. Dieser entfaltet seine Wirkung nicht nur in den lyrischen Stellen, sondern selbst im letzten, hochvirtuosen Teil. Er verlangt vom Solisten bei abenteuerlich schnellem Tempo alles ab, doch an der Beseeltheit von Meads Spiels ändert sich nichts. Grossartig.

Nur keine Tränen jetzt!

Ein Konzert für Euphonium in einem Abschiedskonzert: Was könnte da noch folgen? Ralph Vaughan Williams Sinfonie Nr. 2 in G-Dur «A London Symphony». Für die Farben- und Stimmungsvielfalt dieses sinfonischen Städteporträts finden Bostock und das Orchester eine Vielfalt von Zwischentönen. Die Interpretation wirkt sehr organisch, sie «atmet» und bewegt sich wie von selbst auf ihre Höhepunkte zu. Gute 50 Minuten dauert dieses geheimnisvolle, auch wehmütige Werk, das ebenso die grosse Geste im üppigen Klanggewand wie die Durchsichtigkeit jeder melodischen Linie erfordert. Eine Gratwanderung, die Douglas Bostock und dem Argovia Philharmonic so glückt, dass man von einer Sternstunde sprechen darf.

Mit einer Standing Ovation bedankt sich das Publikum beim Dirigenten und Orchester. Bloss keine Tränen jetzt, muss sich Douglas Bostock gedacht haben und wechselt in Windeseile sein Outfit: weg vom Frack, hin zum legeren, weissen Sakko. Und dann gibt’s, als Einstimmung auf die baldige «Last Night» in Wettingen den schmissigen vierten Marsch aus Edward Elgars Pomp & Circumstance.

Weitere Konzerte Aarau, Kultur- & Kongresshaus, 7. Mai, 19.30 Uhr;

Zofingen, Stadtsaal, 9. Mai, 20 Uhr;

Baden, Trafo, 10. Mai, 19.30 Uhr;

Last Night Fr 28. Juni, Busdepot RVBW Wettingen 19.30 Uhr.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1