Keine Frage, diese Männer verdienen grossen Respekt. Am 21. August 2015 verhinderten sie auf dem Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris eine potenzielle Tragödie. Es waren drei Amerikaner, denen es gelang, den in Brüssel zugestiegenen Attentäter zu überwältigen, kurz nachdem dieser schwerbewaffnet die Toilette verliess.

Dieses Ereignis bringt nun Clint Eastwood mit seinem neuen Film «The 15:17 to Paris» auf die Kinoleinwand.

Filmtrailer «The 15:17 to Paris»

Filmtrailer «The 15:17 to Paris»

Der 87-jährige Amerikaner ist einer, der sich immer schon mit Helden beschäftigt hat. Früher spielte er sie selbst, in den Western von Sergio Leone und als knallharter Cop in «Dirty Harry».

Als er später hinter die Kamera wechselte, machte er Helden zu seinem Studienobjekt; zuletzt etwa den wagemutigen Piloten in «Sully», gespielt von Tom Hanks, und den treffsichersten Scharfschützen der US-Army in «American Sniper», gespielt von Bradley Cooper.

Passagiere spielen sich selbst

Für «The 15:17 to Paris» liess sich Eastwood nun etwas Besonderes einfallen. Statt Schauspieler zu casten, lässt er die drei amerikanischen Zugpassagiere – Luftwaffensoldat Spencer Stone, Ehrengardist Alek Skarlatos und Student Anthony Sadler – sich selbst spielen.

Eastwood will damit den Blick aufs Wesentliche lenken und am Beispiel von Stone, Skarlatos und Sadler zeigen, wie aus drei ganz normalen Menschen Helden werden können. Eine gute Idee, aber wie Eastwood dabei vorgeht, ist haarsträubend.

Alek Skarlatos, Anthony Sadler und Spencer Stone spielen sich im Film selbst.

Alek Skarlatos, Anthony Sadler und Spencer Stone spielen sich im Film selbst.

Er reichert den Filmstoff mit Szenen aus der Vergangenheit der drei Männer an, die schon seit der Grundschule miteinander befreundet sind.

Es sind Szenen, die plakativer kaum sein könnten: Natürlich rennt das Trio in jungen Jahren bereits in Tarnhosen über den Pausenplatz. Natürlich spielen sie während jeder freien Minute mit Luftpistolen im Wald Krieg. Natürlich träumen sie davon, eines Tages Menschenleben zu retten.

Als Spencer Stone dann erstmals mit der Luftwaffe ausrückt, flüstert seine Mutter: «Gott hat mir gesagt, dass du an etwas Ausserordentliches beteiligt sein wirst.»

Und als die drei Männer kurz vor der schicksalhaften Zugfahrt den typischen Ami-Kurztripp durch die europäischen Metropolen unternehmen, ist auch Spencer überzeugt: «Mein ganzes Leben führt mich auf etwas ganz Bestimmtes hin.»

Mag Waffen: Clint Eastwood beim Dreh von «The 15:17 to Paris».

Mag Waffen: Clint Eastwood beim Dreh von «The 15:17 to Paris».

Eastwood inszeniert die heldenhafte Tat im Thalys als göttliche Fügung, mehr noch: als unausweichliche Konsequenz der Biografie dieser drei Amerikaner. Oder wie es die «Zeit» treffend auf den Punkt bringt: «Drei glorreiche Amerikaner retten hier Hunderten von passiven und offenbar charakterlosen Europäern den Arsch.»

Ein Film für Waffenfanatiker

Zum Glück, sagt Eastwoods Film, haben die Mütter von Spencer und Alek nie auf die böse Lehrerin gehört, die mehr Aufmerksamkeit im Unterricht forderte. Zum Glück liessen sie sie ihre Schränke mit Spielzeugwaffen auffüllen. So zieht man Helden auf. So besiegt man Terroristen.

Die NRA und ProTell werden Eastwoods Film in ihr Herz schiessen – pardon: schliessen.

The 15:17 to Paris (USA 2017) 94 Min. Regie: Clint Eastwood. Ab Donnerstag, 19. April im Kino. ★☆☆☆☆