Kultur

Dank Hilfe von Stars: Zwei Basler Orchester gastieren in der Elbphilharmonie

In den kommenden Tagen treten gleich zwei Basler Orchester in der Elbphilharmonie Hamburg auf. Möglich wird das durch das Engagement von Stars.

Die Elbphilharmonie in Hamburg war bereits vor ihrer Eröffnung im November 2016 weltberühmt. Jahrelange Bauverzögerungen und eine Budgetüberschreitung von satten 789 Millionen Euro sorgten für Schlagzeilen. Für Hamburg hat sich das umstrittene Investment in die Architektur-Ikone des Basler Büros Herzog & de Meuron gelohnt. Bereits im ersten Jahr besuchten rund 850 000 Menschen die über 600 Konzerte in der Elbphilharmonie, über 4,5 Millionen Besucher pilgerten auf die Aussichtsplattform Plaza.

Das Programm des Konzerthauses ist exquisit und genreübergreifend. Herausragende Ensembles aus den Bereichen Klassik, Oper und Jazz sorgen regelmässig für volle Ränge im 2100 Besucher fassenden Konzertsaal. Seit jüngstem gehören auch zwei Basler Orchester zu den illustren Gästen an der Elbe. Das Kammerorchester Basel sorgte bereits Ende November mit der Cellistin Sol Gabetta für ausverkaufte Ränge.

Diesen Sonntag, 6. Januar, wird der renommierte uruguayische Bass-Bariton Erwin Schrott mit dem Orchester Mozarts «Don Giovanni» unter der Leitung von Giovanni Antonini in einer konzertanten Aufführung singen. Am Samstag, 12. Januar, folgt dann der nächste Basler Auftritt. Das Sinfonieorchester Basel bringt mit dem Tenor Jonas Kaufmann einen Publikumsliebling nach Hamburg. Er wird unter der Leitung von Jochen Rieder Gustav Mahlers «Lied von der Erde» interpretieren, wobei er sowohl die Tenor- wie auch die Baritonstimme singt. Im ersten Teil des Konzertes spielt das Sinfonieorchester Luciano Berios «Rendering» nach Franz Schubert.

Der lange Weg nach Hamburg

Die Auftritte in der Elbphilharmonie tragen zweifelsohne zum Renommee eines jeden Orchesters bei. Doch unter welchen Bedingungen werden solche Gastspiele überhaupt möglich? Und rechnet sich das Engagement letztendlich?

«Konzertausgaben und -einnahmen rechnen sich nie», sagt Marcel Falk, der Geschäftsführer des Kammerorchesters Basel. Damit ein solches Gastspiel zustande komme, müssten verschiedene Faktoren zusammenspielen. Erstens brauche es ein überzeugendes künstlerisches Programm, will heissen: Für den Zutritt zu den grossen Konzertsälen der Welt ist ein Aushängeschild wie der Sänger Erwin Schrott nötig, der an den wichtigen Opernhäusern für Furore sorgt.

Viele Partner machen das Programm möglich

Damit ist es aber noch nicht getan, denn ein Konzertprogramm für bloss ein Heim- und ein Gastspiel auf die Beine zu stellen, rechnet sich erst recht nicht. Es braucht dazu Partner, die weitere Auftritte ermöglichen. Für die Tour mit Erwin Schrott sind dies neben Hamburg Häuser in Paris, Bukarest, Wien und La Chaux-de-Fonds. Diese tragen als Koproduktionspartner einen Teil der Produktions- und Tourkosten mit, die sich auf etwas mehr als eine halbe Million Franken belaufen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für den ersten Auftritt des Sinfonieorchesters Basel in der Elbphilharmonie. Das Orchester nutzt seine Theaterpause Anfang Jahr für ein Programm mit dem Tenor Kaufmann ebenfalls für eine ausgedehnte Tour. Nach fünf Tagen Probe geht es nach München, Nürnberg, Hamburg, Luzern und schliesslich nach Dornach und Baden-Baden. Auch hier ist der Star das Aushängeschild. Das Publikum erwartet ein aussergewöhnliches Programm. Eine Basler Stiftung deckt das Defizit.

Eine Gala gab den Anstoss

Aber wie ist es überhaupt zur Zusammenarbeit mit Kaufmann gekommen? «Vor zweieinhalb Jahren durften wir Jonas Kaufmann an einer Gala in Gstaad begleiten», erklärt Hans-Georg Hofmann, der Künstlerische Direktor. «Damals entstand die Idee einer weiteren Zusammenarbeit.»

Das Sinfonieorchester reist in Begleitung einer Basler Delegation mit Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und Grossratspräsident Remo Gallacchi und dem Verein der Freunde des Sinfonieorchesters nach Hamburg. Aber nicht das Basler Publikum im ausverkauften Saal der Elbphilharmonie setzt Hofmann unter Druck, sondern die umstrittene Akustik. «In diesem Saal hören sie alles, sogar das Umblättern der Noten. Und wir haben nur eine Stunde Einspielzeit.»

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