Best of November

Das sind die kulturellen Köpfe des Monats

Diese kulturellen Köpfe haben im November für Aufsehen gesorgt.

Wer sorgte für Aufsehen? Die Kulturredaktion blickt zurück und pickt fünf der interessantesten Kulturmenschen des Monats heraus.

Die Rolle als Ermittlerin in «Wilder» ist ihr auf den Leib geschnitten.

Sarah Spale

Die Rolle als Ermittlerin in «Wilder» ist ihr auf den Leib geschnitten.  

Fernsehen

Sarah Spale (37), Die Spätbelohnte

Möglich, dass wir einen Zusammenhang sehen, wo gar keiner ist. Aber wir meinen, morgens im Zug und abends im Lebensmittelgeschäft vermehrt Frauen zu erblicken, die einen Wollpullover und eine lila Mütze tragen. Genau wie Sarah Spale. Die 37-jährige Baslerin spielt in der SRF-Serie «Wilder» die Ermittlerin Rosa Wilder. Ihr Look ist Kult! Doch am stärksten beeindruckt, wie sich die zierliche Polizistin unter all den sturen Kerlen im fiktionalen Bergdorf Oberwies zu behaupten weiss: nicht mit grossem Maul, sondern mit kühlem Kopf.

Die Rolle, die Spale wie auf den Leib geschnitten scheint, ist eine späte Belohnung: Nach einer Schlüsselrolle in der Bestsellerverfilmung «Nachtzug nach Lissabon» stand sie schon Anfang 2013 vor dem grossen Durchbruch – doch die guten Angebote blieben danach aus. «Wilder» dürfte die Darstellerin nun doch noch auf den Zettel der wichtigsten Casting-Agenten katapultiert haben. So eisig kalt die Welt von «Wilder» manchmal sein mag: Für Sarah Spale sind wir Feuer und Flamme. (Lory Roebuck)

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Der Metalmusiker ist trotz internationalem Hype seines Projekts Zeal & Ardor auf dem Boden geblieben.

Manuel Gagneux

Der Metalmusiker ist trotz internationalem Hype seines Projekts Zeal & Ardor auf dem Boden geblieben. 

Heavy Metal

Manuel Gagneux (29), Der Erneuerer

Er hat im November den Basler Pop-Preis gewonnen. Und das mit einer Musikgattung, die es eigentlich erst durch ihn gibt: Black Spiritual. Oder Worksong Metal. Irgendwie so könnte man etikettieren, was Manuel Gagneux, Sohn eines Romands und einer Afroamerikanerin, unter dem Projektnamen Zeal & Ardor in die Welt gesetzt hat. Seit 2016 ist ein Hype im Gang, wie man ihn um eine Schweizer Band selten erlebt hat. Das US-Musikmagazin «Rolling Stone» zählte das Debüt zu den besten Metal-Alben des Jahres 2016. Der Hype führte zu ausverkauften Tourneen in Europa und den USA, jenem Land, wo sich Gagneux Inspiration holte für seinen Crossover-Sound. «In Basel kann man medioker sein und doch über die Runden kommen, dünkt es mich. Wenn man weiss, wie man Bewerbungen schreibt, ist das doch die halbe Miete. Das zwingt die Kultur in ein Verhalten, die kalkulierend wird. Und das ist Gift für Innovation.» Trotz solch klarer Ansagen, oder gerade deswegen, erhielt er jetzt die erste Auszeichnung in der Schweiz, mit 15 000 Franken dotiert. Wofür wird er das Geld einsetzen? Für die Löhne seiner Band und Techniker, immerhin zehn Leute, wie er sagt. Auch wenn man international gehypt wird, heisst das noch lange nicht, dass man mit seiner Kunst auch wirklich Geld verdient. (Marc Krebs)

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Die Moderatorin legte beim Schweizer Buchpreis ihren Finger auf einen wunden Punkt.

Nicola Steiner

Die Moderatorin legte beim Schweizer Buchpreis ihren Finger auf einen wunden Punkt. 

Literatur

Nicola Steiner (43), Die Profi

Die hat alles richtig gemacht: Sie hat den Finger auf den wunden Punkt gelegt und die relevante Frage gestellt. Sie hat mit dem treffendsten Beispiel nachgehakt. Das war hart, jemand war verletzt, daraufhin hat sie sich privat und öffentlich entschuldigt — eine entgegenkommende Geste, verpflichtet dazu war sie nicht. Schliesslich hat sie ein souveränes Interview gegeben.

Doch SRF-«Literatuclub»-Moderatorin Nicola Steiner hat einen Makel: Sie ist weiblich und sieht jung aus. Das gefundene Fressen in der Arena der angeschlagenen Löwen. Nacheinander rissen diese das Maul auf: «physisch und psychisch nicht ertragbar» jaulte der eine, «Affront» brüllte ein anderer, «mutwillig», «vollkommen unnötig», «Fauxpas», «gründlich missraten», «willkürlich vom Zaun gebrochen» so der fauchende Männerchor— bis zum Wutgebrüll eines Lukas Bärfuss, der die journalistische Professionalität von Nicola Steiner schwülstig herablassend in eine vermeintliche «Unschuld ihrer Ignoranz» verkehrte. Nein, der 10. Schweizer Buchpreis wird nicht als der Tag in Erinnerung gehen, an dem mit dem Schriftsteller Jonas Lüscher ein neuer, strahlender und mehr als verdienter Sieger gekürt wurde. Das ist in einem beschämenden Platzhirschgetrampel untergegangen. Ach Ihr feinsinnigen, so erhabenen Literaten! (Anne-Sophie Scholl)

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Die Direktorin des Kunstmuseums Bern macht den Fall Gurlitt zur Chefinnensache.

Nina Zimmer

Die Direktorin des Kunstmuseums Bern macht den Fall Gurlitt zur Chefinnensache.  

Kunst

Nina Zimmer (44), Die Gurlitt-Vermittlerin

Man war gespannt auf die Gurlitt-Ausstellungen in Bern und Bonn anfang November. Wie würden die Museen mit dem heiklen, ehemaligen Besitz von Nazikunsthändler Hildebrand und Sohn Cornelius Gurlitt umgehen? Wie würden sie die vielen offenen Fragen der Provenienzforschung, die dunkle Nazi-Geschichte erklären? Das drei Jahre nach dem Tod von Cornelius Gurlitt, nach dem langen Werweissen, ob Bern das Erbe antreten soll.

In Bern stand vor allem die Direktorin Nina Zimmer im Fokus des Interesses. Sie hat das Erbe Gurlitt nach ihrem Stellenantritt 2016 zur Chefinnensache erklärt – und zeigt nun eine bemerkenswerte Furchtlosigkeit. «Haben Sie keine Angst schlafende Hunde zu wecken», wurde sie gefragt. «Ich bin froh um jeden Hund, den wir wecken», erklärte sie. Versteckis spielen, um den heissen Brei herum reden, ist nicht ihre Art. Das Gurlitt-Erbe aufarbeiten, zeigen und die Konsequenzen ziehen: So kanns gelingen. (Sabine Altorfer)

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Er war eine zentrale Figur des Jazzgesangs.

Jon Hendricks

Er war eine zentrale Figur des Jazzgesangs.

Jazz

Jon Hendricks (1921-2017), Der Pionier

Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Sarah Vaughan waren die Königinnen des Jazzgesangs. Die männlichen Sänger standen dagegen immer etwas im Schatten der weiblichen Interpretinnen. Das galt auch für Jon Hendricks, den Sänger und Dichter, der vor einigen Tagen im Alter von 96 Jahren gestorben ist. Seine Bedeutung für die Entwicklung des Jazzgesangs kann aber nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Hochgeschwindigkeits-Vokalakrobat mit einem ausgeprägten Flair für das Rhythmische war er das Idol von Al Jarreau und Lehrer von Bobby McFerrin. Und auch die Vokalakrobatik des Schweizers Andreas Schaerer geht direkt auf Hendricks zurück. Bekannt wurde Hendricks Mitte der 50er-Jahre mit dem Gesangstrio Lambert, Hendricks, Ross, als er die Hornsätze der Basieband vokalisierte und mit Texten versah. Die Texte zu den Instrumental-Originalen waren so passend, dass das Magazin «Time» ihn zum «James Joyce des Jive» ernannte. Hendricks war der Texter des Jazz. Diese sogenannte Vocalese-Technik nahm später auch die Gesangstruppe Manhattan Transfer auf und feierte damit Welterfolge. (Stefan Künzli)

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