Klavierkonzert

Der Komponist Dieter Ammann hat mit seinem Klavierkonzert «Gran Toccata» einen weiteren Karrieresprung geschafft

Der Komponist Dieter Ammann ist trotz seines weltweiten Erfolgs auch gern zu Hause bei seiner Familie.

Der Komponist Dieter Ammann ist trotz seines weltweiten Erfolgs auch gern zu Hause bei seiner Familie.

Musik, in einer neuen Dimension.

Der Komponist Dieter Ammann erlebt gerade einen Meilenstein seiner Karriere. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in Fernost wurde sein neues Klavierkonzert «Gran Toccata» mit dem Solisten Michael Haefliger mit grossem Erfolg uraufgeführt. Die Schweizer Erstaufführung war diesen August im Rahmen des Lucerne Festival geplant.

Ammann ist schon seit längerem bei den grossen europäischen Orchestern ein Begriff, zudem war er 2010 «Composer in residence» beim Lucerne Festival. «Aber es stimmt schon», meint Ammann im Gespräch. «Mein Klavierkonzert hat mir, was die Qualität der Orchester betrifft und die grosse Resonanz in der Öffentlichkeit, den Schritt in eine neue Dimension ermöglicht.»

TV-Porträt für «Sternstunde Musik»

Entsprechend prominent wurde die Schweizer Erstaufführung in Luzern vorbereitet. Der Filmemacher Daniel von Aarburg hat fürs Fernsehen SRF Dieter Ammann in den drei Jahren der nicht immer einfachen Entstehungszeit des Klavierkonzerts begleitet, hat ihn privat, in der Auseinandersetzung mit dem Solisten und bei Proben und Aufführungen gefilmt.

Dieses Porträt sollte kurz vor der Aufführung vom 25. August in Luzern in «Sternstunde Musik» ausgestrahlt werden. Zudem kommt just auf diesen Termin auch die CD-Einspielung mit dem Helsinki Philharmonic unter der Leitung von Chefdirigentin Susanna Mälkki beim Label BIS Records heraus.

Nun ist das Lucerne Festival abgesagt. Dieter Ammann macht dieser Entscheid zwar betroffen, doch als Komponist hat er seine Arbeit ja bereits abgeschlossen. Sein Klavierkonzert wurde seit vergangenem August an mehreren Orten uraufgeführt: an den «Proms» in London, mit dem Taipeh Symphony Orchestra in Taiwan, dem Boston Symphony Orchestra in den USA und im Münchner Gasteig mit den Münchner Philharmonikern. Weitere vier Aufführungen sind bis Ende 2021 geplant, darunter auch im Konzerthaus Wien.

Ein konzertantes Werk dieser Dimension ist für den Komponisten extrem fordernd. Anfänglich habe er sich davor auch gefürchtet, bekennt Ammann: «Als mich der Pianist Andreas Haefliger vor Jahren um ein Klavierkonzert bat, war ich alles andere als begeistert, wusste ich doch, dass die Arbeit an einem solchen Werk nicht Monate, sondern Jahre benötigen würde.» Ammann arbeitet langsam, ist sehr perfektionistisch, feilt an jeder Stimme, und der Orchestersatz ist dicht, energiegeladen und virtuos.

Fast unerfüllbare Forderungen gestellt

Deshalb knüpfte der Komponist einige übersteigerte Bedingungen an diesen Auftrag in der Hoffnung, dass sie nicht erfüllt werden könnten. Zum Beispiel, dass einer der Auftraggeber eines der amerikanischen «Big Five»-Orchester sein müsse. «Es verging einige Zeit», erzählt Ammann, «und plötzlich rief mich Haefliger an, es habe geklappt, das Boston Symphony Orchestra mache mit, ich könne mit der Komposition beginnen.» Ammann war perplex, nun galt es ernst.

So komponierte er innerhalb dreier Jahre das dreissigminütige, hochvirtuose «Piano Concerto» («Gran Toccata»), in dem Ammann das Klavier wie ein kleines Orchester auslotet, als stünden sich zwei Orchester gegenüber.

Für eines der bedeutendsten Orchester der Welt

Trotz seines weltweiten Erfolgs als Komponist ist Dieter Ammann auch gerne zu Hause, bei seiner Familie in Zofingen, wo er ein Kompositionsstudio hat. Hierher kommen auch einige seiner Studenten, Ammann unterrichtet als Professor für Komposition an der Musikhochschule Luzern.

Wie geht das nun in Zeiten von Corona? Er sei mit seinen Studenten über den Computer in Kontakt, oft werden heute ja Noten mit spezifischen Programmen direkt in den Computer geschrieben. Ammann selbst komponiert aber nach wie vor hauptsächlich von Hand. «Mich hat diese Coronakrise dazu gezwungen, mich ernsthaft mit den Computerprogrammen und dem Skypen zu beschäftigen, das sehe ich als Vorteil.»

Und hat Ammann nun auch mehr Zeit zum Komponieren? Kreativität lässt sich nicht auf Knopfdruck erzwingen. «Ich arbeite seit einem halben Jahr an einem Bratschenkonzert für das Basler Symphonieorchester, aber ich komme schlecht voran.

Zum Glück konnte ich den Uraufführungstermin nach hinten schieben, und damit auch den Folgeauftrag: ein Orchesterwerk für eines der bedeutendsten Orchester der Welt.» Genaueres dürfe er dazu noch nicht sagen, der Vertrag sei noch nicht unterschrieben. Mit dem Erfolg seines «Klavierkonzerts» ist Ammann nun also ganz oben angekommen.

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