Jazz
Franz Hellmüller: Der Schweizer Gitarrist der Stunde

Der Jazzmusiker gehört schon länger zu den Top-Gitarristen dieses Landes. Aktuell ist er gleich auf mehreren neuen Alben zu hören. Es wird deutlich, wie feinsinnig und vielfältig er musiziert.

Pirmin Bossart
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Franz Hellmüller ist ein gefragter Gitarrist: «Ich mag die verschiedenen Ausdrucksformen des Jazz, aber auch anderer Musikstile».

Franz Hellmüller ist ein gefragter Gitarrist: «Ich mag die verschiedenen Ausdrucksformen des Jazz, aber auch anderer Musikstile».

Sein Gitarrenspiel ist von lyrischer Emotion und wird von rockigen Inputs aufgeheizt. Sanfte Melancholie und heitere Leichtigkeit geben die Grundnote. Nahtlos flicht Hellmüller das Single Note Spiel und harmonische Abläufe ineinander, akzentuiert und rhythmisiert und lässt seine lyrischen Melodiekerne in improvisatorischen Bögen sanft explodieren. Mit transparentem Sound, kontrollierter Virtuosität und fokussiert auf den Gesamtflow erzählt er seine Geschichten.

Der gebürtige Luzerner Musiker (48) gehört schon länger zu den Top-Gitarristen dieses Landes. Wie ein Fels in der Brandung verfolgt Hellmüller jenseits von stilistischen Trends und hippen Spielweisen seine eigene Spur. So hat er sein musikalisches Schaffen nie auf Erfolg, Erwartungen oder den Geschmack anderer ausgelegt. «Ich habe immer selber – oder mit den Mitwirkenden in einer Band - entschieden, was mir gefällt, was ich wie spiele. Diese Selbstbestimmtheit, die vielleicht manchmal auch eine gewisse Sturheit sein kann, liess mich meine musikalische Sprache entwickeln.»

Mit seiner Familie ­ in ­Unterkulm

Andererseits ist sich Franz Hellmüller bewusst, dass er mit dieser Hartnäckigkeit ohne Zuspruch eines Publikums auch hätte stranden können. «Es freut mich immer, wenn ich erfahre, dass meine Musik, mein Spiel berührt und gefällt. Das ist mitentscheidend für die Entwicklung der eigenen Sprache. Es braucht eine gewisse Anerkennung, damit ein Künstler dranbleibt.»

Der Musiker, der heute mit seiner Familie im Wynental in Unterkulm lebt, absolvierte seine Jazz-Studien in Paris und an der Musikhochschule Luzern. 2014 war er für den Deutschen Schallplatten Preis und 2015 für den BMW Jazz Welt Award nominiert. Hellmüller ist mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden, 2016 erhielt er einen Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums.

Akustisches Duo mit Christy Doran

Neuerdings lässt sich gleich auf drei aktuellen Produktionen das gitarristische und kompositorische Spektrum von Hellmüller verfolgen. Das intimste und vielleicht auch überraschendste Projekt ist das Duo Beady Beast mit dem Gitarristen Christy Doran. Die Begegnung zwischen dem international etablierten Musiker und seinem ehemaligen Schüler ist ein Fest für die Freunde und Freundinnen akustischer Gitarrenmusik. Manchmal fühlt es sich an, als ob John McLaughlin und John Abercrombie eine gemeinsame akustische Ader entdeckt hätten.

Als Mitkomponist, Gitarrist und Co-Leader ist Franz Hellmüller auch ein tragender Teil von Bloom Effect, einem Quartett mit dem stets überraschenden Zürcher Saxofonisten ­Jochen Baldes sowie den so poetisch wie vertrackt mitgestaltenden Patrick Sommer (Bass) und Tony Renold (Schlagzeug). Ihre aktuelle CD «The Way Out In» besticht mit anspruchsvollen Kompositionen, die sich trotz Ecken und Kanten wunderbar fliessend und atmosphärisch anhören. Da sind zwei Melodiker und zwei Rhythmiker, die bei aller Komplexität des Materials die Kunst vollbringen, die Musik zugänglich und sinnlich zu halten.

Mit seinem Sound, seinem Phrasing, seinen Solobögen und seinen harmonischen Weichenstellungen wirkt Hellmüller vor allem im Trio prägend. Nach zwei Alben mit Stefan Risso (b) und Marcel Papaux (dr) hat er sein Trio mit Patrick Sommer (b) und Martin Perret (dr) neu besetzt, das 2017 das Album «Magnolia» (2017) einspielte. Auf dem aktuellen Nachfolger «putzu idu» hat der Gitarrist das Kompositorische stärker als bisher gewichtet. Trotz ungeraden Metren und rockigen Verschärfungen mit guten Grooves behält die Musik ihren lyrischen Grundton und ihren eleganten Flow.

Das permanente Dranbleiben und auch die selbstkritische Auseinandersetzung mit seiner Musik haben Früchte getragen. Hellmüller hat sich eine musikalische Sprache erschaffen, die er je nach Konstellation nuancieren oder verändern kann, ohne sich gleich neu erfinden zu müssen. «Ich mag die verschiedenen Ausdrucksformen des Jazz aber auch anderer Musikstile. Was mir davon gefällt, nehme ich in mein Spiel und meine Musik auf. Immer mal wieder die Komfortzone zu verlassen, erachte ich für meine musikalische Weiterentwicklung ebenfalls als förderlich.»

Franz Hellmüller Trio: putzu idu, Unit Records.
Beady Beast (Christy Doran, Franz Hellmüller): On The Go, Between the Lines.
Bloom Effect (Jochen Baldes, Franz Hellmüller): The Way Out In, Leo Records.

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