Wer Donald Judd hört, denkt an Minimal Art aus den USA. Doch auch die Schweiz spielte beim Künstler der strengen Form und der prächtigen Farben eine wichtige Rolle. Und heuer könnte der 1992 gestorbene Künstler seinen 90. Geburtstag feiern. Zwei Gründe für den Chef der Aargauer Firma Alu Menziken, Michael Tojner, während der Art Basel zu einem Talk mit Experten über Judd und die Schweiz zu laden. Die Leistung seiner Firma kam dabei nicht zu kurz.

Geometrische Kunst und die Schweiz, das passt. Das haben vor 75 Jahren schon Max Bill, Richard Paul Lohse oder Verena Loewensberg mit ihrer Konkreten Kunst bewiesen und der Schweiz damit in der internationalen Kunstgeschichte ein kleines Kapitel gesichert.

In den 1960er-Jahren schwappte die Idee von der kargen Form über die Sparten und den Atlantik. Künstler wie Sol Lewitt oder eben Donald Judd wurden in New York mit ihren radikal einfachen Werken zu Begründern der Minimal Art. So weit die Kunstgeschichte, die aber ausgerechnet Donald Judd so nie unterschrieben hätte. Das macht am Talk sein Sohn und Erbverwalter Flavin Judd klar. «Donald erachtete die Bezeichnung Minimalismus für seine Kunst als falsch. Er sah sich als Maler», betonte er. Tatsächlich ist die Farbe, ihre Wahrnehmung und Wirkung im Raum für Judds Kisten essenziell.

Kunst aus der Fabrik

Aber wie er Kunst herstellte, das war neu – besonders in der Schweiz. Galerist Gianfranco Verna erzählte, wie er 1973 schon die erste Ausstellung mit Donald gemacht und ihn 1984 für die legendäre Ausstellung «Skulptur im 20. Jahrhundert» im Wenkenpark in Riehen vermittelte. «Donald sagte zu, vorausgesetzt er finde eine Schweizer Firma, die sein Werk produziert.» Das Werk war eine mehrteilige, farbige Metallbox, die gefiel. «Aber dass ein Künstler nicht mehr selber Hand anlegt, dass er Kunst industriell produzieren lässt, war für viele Leute in der Schweiz sehr gewöhnungsbedürftig», erklärte Verna.

Donald Judd seinerseits gewöhnte sich gerne an die Schweiz. In den 1980er-Jahren fand er nach anderen Kooperationen in der Alu Menziken die Fabrik, die so präzis und so hochwertig arbeitet «wie keine andere Firma östlich des Mississippi», wie sein Sohn Flavin rapportierte.

Judd investierte in Küssnacht

Judd lebte (teilweise) auch in der Schweiz. Er kaufte sich in Küssnacht am Rigi ein altes Gasthaus, das Haus Eichholteren, das er in ein Gesamtkunstwerk aus offenen Räumen, Farbe, Licht und Kunst verwandelte. So wie zuvor sein fünfstöckiges Atelier- und Wohnhaus in Manhattan und danach vor allem die Farm Marfa, Texas, wo er mit Künstlerfreunden abgeschieden vom Markt, dafür hoch konzentriert arbeitete.

Ein Raumprogramm im üblichen Sinn habe Judd für «Eichholteren» nicht vorgegeben, erinnerte sich Architekt Adrian Jolles. «Wenn Räume gut sind, wenn sie stimmen, kannst du darin schlafen, wohnen oder arbeiten», habe Judd erklärt. Die Platzierung der Möbel und Kunstwerke habe er allerdings millimetergenau geplant.

Judds Schweizer Hauseinrichtung existiert heute nur noch als fotografische Dokumentation, seine Werke dagegen sind beliebt – und waren an der Art Basel gleich mehrfach präsent.