«Es stimmt, es ist nach langer Zeit / In der Tat wieder so weit, / Dass ich sie erneut verfasse, / Die Glossen aus der Business-Klasse»: So bestätigte der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter gestern reimend via Twitter eine Meldung der «Handelszeitung», er lasse ab Januar seine legendäre Kolumne «Business Class» wieder aufleben.

Martin Suter hat im November den Social-Media-Dienst mit der beschränkten Zeichenzahl als Vorlage für den modernen Haiku für sich entdeckt. Der Start war zunächst holprig gewesen — sein Verlag Diogenes hatte den Twitter Account umgehend sperren lassen, weil er ihn für einen Fake hielt. Im Verlag war Suter als Social-Media-Muffel bekannt.

Unterdessen zwitschert der Grandseigneur der gepflegten Unterhaltung täglich munter im neuen Format. Bereits hat der vermeintliche Social-Media-Muffel eine beachtliche Fangemeinde (gestriger Stand: 2762 Follower).

Mehr noch: Der 70-Jährige hat offenbar Gefallen gefunden am digitalen Support für seine geschliffenen Formulierungen und experimentiert weiter mit Literatur im virtuellen Raum. Wobei: Seine neuste Initiative dürfte er bereits vor der Twitteraktivität aufgegleist haben. Oder ist das Gezwitscher vielmehr gewiefte Strategie des einstigen Werbers?

Suters Twitter-Account verweist auf eine neue Website. Dort kündigt der Autor seine neuen «Business Class»-Kolumnen an, zusammen mit anderen Texten und Hintergrundmaterial zu neuen Romanen. Geld einspielen soll eine Pay Wall. Die Kolumnen hatte Suter von 1992 bis 2007 zunächst für die «Weltwoche», dann für das «Magazin» des «Tages-Anzeigers» geschrieben.

So tüftelt der Superstar der Schweizer Literatur an zeitgemässen Businessmodellen – das Medium ist neu, das Gebaren in der Businesswelt sei aber immer noch das gleiche, erklärt Martin Suter reimend auf Twitter: «Und ich tu es, weil ich hoffe, / Sie liefern mir noch immer Stoffe. / Die Herren sind in all den Jahren / Die geblieben, die sie waren.»

Twitter-Account: @martinsutercom
Website:  www.martin-suter.com