Kultur

«Ein Anfang ist gemacht» – KKL wird im Juni wieder Konzerte durchführen

Die Festival Strings zu Beginn des Lockdown im KKL, der ab dem 6. Juni auch für Veranstaltungen gelockert wird.

Die Festival Strings zu Beginn des Lockdown im KKL, der ab dem 6. Juni auch für Veranstaltungen gelockert wird.

Nach dem Bundesratsentscheid nehmen Konzerthäuser, Clubs und Theater in Luzern erstaunlich rasch wieder Fahrt auf. Auch das KKL will umgehend Konzerte aufgleisen und das Schutzkonzept an die Vorgaben anpassen.

Seit Wochen haben Luzerner Kulturveranstalter vom Bundesrat «klare Rahmenbedingungen» verlangt, wie es Numa Bischof, der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, gegenüber unserer Zeitung formulierte. Wer vom Bundesrat an der aktuellen Medienkonferenz ein klares Signal dazu erwartete, kann die Zulassung bis zu 300 Personen als Jein empfinden.

Hoffnung auf eine stärkere Lockerung hatten Äusserungen von Daniel Koch geweckt. Eine Voraussetzung dafür hatte zuvor das Schutzkonzept für Theater und Konzerte geschaffen, das im Publikumsbereich auf Zwei-Meter-Abstände verzichtet und stattdessen jeweils einen Sitzplatz zwischen Personengruppen vorsieht. Damit trug es Einwänden Rechnung, die Luzerner Veranstalter vor Wochen äusserten, als unsere Zeitung mit einer Infektiologin ein mögliches Schutzkonzept für das KKL durchspielte. Veranstalter Werner Obrecht (Obrasso) hatte damals klar gestellt, dass man mit der Abstandsregel von zwei Metern im Publikum aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich Veranstaltungen durchführen könne.

Schutzkonzept trug Luzerner Bedenken Rechnung

Dass der Bundesrat auch Konzerte nur bis zu 300 Personen erlaubt, wirkt so gesehen wie ein Misstrauensvotum gegen das Schutzkonzept. Denn gerade in bestuhlten Konzerten erlauben «Sitzpflicht» und «Adresslisten» eigentlich genau die «Nachverfolgbarkeit», die Koch an der Medienkonferenz als entscheidendes Kriterium nannte. Schafft das bei Veranstaltern jetzt die erwartete Klarheit?

«Ja, jetzt ist ein Anfang gemacht,» sagt Philipp Keller, CEO des KKL: «Bereits im Juni werden wir Konzerte mit maximal 300 Personen durchführen. Aber wir hoffen sehr, dass beim weiteren Lockerungsschritt vom 24. Juni die Personenzahl auf bis zu 1000 Personen erhöht wird.» Das KKL wird jetzt umgehend Konzerte aufgleisen und das Schutzkonzept an die Vorgaben anpassen. Keller hatte zudem angekündigt, Veranstaltern wegen der tiefen Saalbelegung entgegenzukommen. Jetzt werden die «Tarife adaptiert».

Dass der Bundesrat nicht an der Zwei-Meter-Regel festhalten wird, bleibt aber für Keller «absolut zentral»: «Wenn an dieser nicht gerüttelt werden könnte, hätte Luzern «auch im Vergleich zu Salzburg, der anderen Sommerfestivalstadt im Herzen Europas, einen massiven Wettbewerbsnachteil».

Wieder live: die Festival Strings und Theater in der Box

Kurzfristig auf die neue Situation reagieren vor allem ortsansässige Orchester und Veranstalter. So führen die Festival Strings bereits am 21. Juni ein erstes Konzert durch und haben dieses doppelt geplant. Es wird entweder als Studiokonzert ohne Publikum im Schweizerhof im Deutschlandfunk und zeitversetzt auf SRF2 ausgestrahlt oder es findet als Konzert im KKL vor Publikum statt. Die Besetzung beschränkt sich auf Streicher und Klavier, «weil sich bei den Streichern eine Aufstellung im Zwei-Meter-Abstand gut umsetzen lässt». Weil das Orchester nicht Tourneen im Ausland unternehmen kann, holt es mit der Pianistin Claire Huangci Internationalität nach Luzern.

Vorbereitet auf den aktuellen Lockerungsschritt ist auch das Luzerner Theater. Dieses hat schon während des Lockdowns mit seinen Hofkonzerten und der Serie «Taylor AG» im Internet starke Coronapräsenz gezeigt. Und für Benedikt von Peter war klar, dass «noch in dieser Spielzeit in irgendeiner Form wieder live Theater stattfinden muss».

Bereits ab dem 6. Juni ist eine Produktion in der Box geplant. Sie ist thematisch wie vom Setting her zugeschnitten auf Corona – mit wenigen, genau im Raum platzierten Zuschauern.

Signale vom Lucerne Festival und vom Luzerner Sinfonieorchester

Bietet der Bundesratsentscheid auch Numa Bischof die klaren Rahmenbedingungen, auf die er gewartet hat? «Ja, jetzt wissen wir, was möglich ist und was nicht. Endlich kommt Bewegung in die Sache», freut er sich. Einen Anfang macht das Luzerner Sinfonieorchester am 23. Juni im KKL mit dem Solistenkonzert und Solisten der Musikhochschule Luzern. «Das Konzert findet unter dem Vorbehalt statt, dass wir sehen, dass wir die Vorgaben des Schutzkonzepts umsetzen können», stellt Bischof klar: «Dann aber ist es vielleicht das erste sinfonische Orchesterkonzert nach dem Lockdown und hoffentlich ein Signal für eine Wiederbelebung der Kultur.»

Bleibt die Frage, ob es tatsächlich einen Sommer ganz ohne Lucerne Festival gibt. Nein! Das Festival startet im Juni nicht nur mit neuen digitalen Formaten. «Wir sind auch daran, ein Konzept für ein neues, kurzes Festival in der zweiten August-Hälfte zu entwickeln», sagt Intendant Michael Haefliger. Das Festival soll unter einem Leitthema stehen und wird Veranstaltungen im KKL Luzern, auf dem Europaplatz und an verschiedenen weiteren Standorten in der Stadt Luzern präsentieren: «Die geplanten Konzerte sollen voraussichtlich mit Publikum stattfinden – wir halten uns dabei an die Vorgaben des BAG und das entsprechend erarbeitete Schutzkonzept des KKL Luzern.»

Meistgesehen

Artboard 1