Solothurner Filmtage

Ein Wiedersehen mit den Grossen im Programm «Histoires du Cinema Suisse»

Szene aus «Rien que des mensonges» mit Fanny Ardant und Jacques Perrin unter der Regie von Paule Muret.

Szene aus «Rien que des mensonges» mit Fanny Ardant und Jacques Perrin unter der Regie von Paule Muret.

Im Programm «Histoires du Cinema Suisse» der Solothurner Filmtage sind Perlen der CH-Filmgeschichte zu sehen.

«Wenn sich die Türen zum Spielfilm für die Frauen in Frankreich und in der Schweiz geöffnet haben, dann ist das auch diesem Trio von Filmemacherinnen zu verdanken». Das schreibt Filmjournalistin Madeleine Fonjallaz im diesjährigen Filmtage-Katalog über die drei Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen Patricia Moraz, Christine Pascal und Paule Muret. Die drei waren mit ihren Filmen in den späten Siebziger- und Achtzigerjahren auf den Festivals von Cannes, Berlin und Locarno vertreten – zu einer Zeit also, in der es kaum Filme von Frauen gab. Alle drei waren freundschaftlich und teils auch familiär miteinander verbunden, inspirierten sich gegenseitig und behandelten in ihren Filmen auf unterschiedliche Weise Frauenthemen ihrer Generation.

Die Solothurner Filmtage zeigen im Programm «Historie du Cinema Suisse» nun insgesamt fünf Spielfilme der drei «Copines» aus den Jahren 1977 bis 1991. Drei dieser Streifen sind noch am Samstag und Sonntag zu sehen.

In «Rien que des mensonges», dt. «Nichts als Lügen», dem Spielfilm von Paule Muret (*1948) aus dem Jahr 1991 geht es um das Paar Muriel (Fanny Ardant) und Antoine (Jacques Perrin), die ein Leben in Lüge führen. Er betrügt sie, sie betrügt ihn. Da engagiert sie einen Detektiv, der ihre Affäre aufdeckt. Doch der Mann reagiert anders als erwartet. Dieser Film läuft am Samstag, 12 Uhr im Kino Palace.

«Zanzibar» von Christine Pascal (1953–1996) gehört ebenfalls ins Programm. Pascal, als Schauspielerin in Murets oben erwähntem Film in einer Nebenrolle zu sehen, erzählt in ihrem eigenen Spielfilm aus dem Jahr 1989 die Geschichte eines Filmproduzenten, der sich erinnert. Dieser Film sei als Liebesgeschichte zwischen vier Personen zu sehen, wobei der Film selbst eine Rolle spielt, heisst es. «Zanzibar» läuft am Sonntag, 26. Januar, um 9.30 Uhr im Kino Palace.

Patricia Moraz (1939–2019) ist die Dritte im Bunde und von ihr ist «Le chemin perdu» aus dem Jahr 1979 zu sehen. Auch hier ist Christine Pascal in einer Nebenrolle zu sehen. Im Film geht es um die Geschwister Cécile und Pierre, welche durch die Augen ihres Grossvaters die Welt entdecken. Dieser hatte einst Lenin die Hand gegeben und zehrt noch heute von diesem Ereignis. Der Film ist am Sonntag, 26.1. um 16.30 Uhr im Kino im Uferbau zu sehen

Bruno Ganz, Res Balzli, Claude Coretta

Die Solothurner Filmtage widmen weiteren drei im letzten Jahr verstorbenen Filmschaffenden einen Programmplatz. Bereits im Programm lief «Step across the Border» über den englischen Musiker Fred Firth, produziert von Res Balzli. 1990 sorgte dieser Streifen für Aufregung an den Solothurner Filmtagen. Ein anderer Grosser der Bühne und des Films musste im vergangenen Jahr abtreten: Bruno Ganz. Auch an ihn erinnern die Filmtage, und zwar mit «Messer im Kopf» von Reinhard Hauff aus dem Jahr 1978. Wir sehen einen jungen, 37-jährigen Ganz, der einen Mann darstellt, welcher bei einer Polizeirazzia angeschossen und lebensgefährlich verletzt wird. Als er nach langer Bewusstlosigkeit erwacht, ist er ohne Erinnerung und ohne Sprache. Man beschuldigt ihn, selbst ein gesuchter Terrorist zu sein; die linke Szene sieht ihn als Märtyrer.

«Messer im Kopf» ist stark von den Ereignissen des sogenannten deutschen Herbsts rund um den Terror der RAF und die staatlichen Gegenmassnahmen beeinflusst. Der Film ist am Montag, 27. Januar, um 14.30 Uhr im Kino Palace zu sehen. Claude Goretta starb vor fast genau einem Jahr, am 20. Februar 2019. Er war einer der einflussreichsten Schweizer Filmregisseure und erntete internationale Anerkennung für seine leichten Komödien und sensiblen Porträts von naiven Provinzbürgern. «Die Spitzenklöpplerin» mit der damals noch kaum bekannten Isabelle Huppert wurde 1977 in Cannes preisgekrönt. Die Filmtage zeigen seinen 1974 erschienenen Film «Pas si méchant que ça», der von einem Sohn handelt, der nach der Herzattacke seines Vaters dessen Möbelschreinerei übernimmt, aber dafür eine radikale Entscheidung trifft. Der Film ist am Sonntag, 26. Januar, um 19 Uhr im Kino im Uferbau zu sehen.

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