Bossa nova

Fernanda Takai: Kleine grosse Lieder für eine neue Generation

Fernanda Takai.

Fernanda Takai.

Die brasilianische Sängerin Fernanda Takai erneurt den Sound des bedeutenden Musikers Tom Jobim.

Eine weiche Stimme, eine akustische Gitarre, ein jazziges Klavier und im Hintergrund ein leises Schlagzeug: Diese Elemente bilden das Fundament der Bossa nova seit ihrer Erfindung vor sechs Jahrzehnten.

Die brasilianische Musikrichtung wirkt noch immer wie eine Zeitmaschine: Innerhalb weniger Sekunden entführt beispielsweise das Lied «Chega de Saudade» nach Rio de Janeiro. Und zwar direkt an den Strand, dort, wo die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Seit ihren Anfängen macht Bossa nova das Leben der Hörerschaft etwas leichter, melancholischer und zweifellos lebenswerter.

Doch welche Bedeutung hat die Bossa nova im Jahr 2018? Ist es noch zeitgemäss, über langsam gleitende Boote und Nachmittage am Strand von Itapoã zu singen, wenn die aktuellen Hits sowie Teile der Gesellschaft in Brasilien von Gewalt und Sex geprägt sind?

Musik für ein neues Publikum

Die ruhige Stimme der 47-jährigen Sängerin Fernanda Takai wirkt wie ein Kontrast zum chaotischen Alltag. Auf ihrem neuen Album «O Tom da Takai» interpretiert Takai weniger bekannte Lieder von Tom Jobim, einem der Begründer der Bossa nova, sowie Arrangements der Bossa-nova-Ikonen Marcos Valle und Roberto Menescal. «Ich will die Bossa nova auffrischen und sie einem neuen Publikum vorstellen», sagt die brasilianische Sängerin mit Wurzeln in Portugal und Japan im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bekannt wurde Takai in den 1990er-Jahren mit der Alternative-Rock-Band Pato Fu. Sie liess ihre sanfte, süsse Stimme – ihr Markenzeichen – mit pop-rockigem Sound kombinieren und hatte damit Erfolg.

Für Takai ist der Pianist und Komponist Tom Jobim eine elementare Zutat der brasilianischen Musik. «Jobim spielte mit Sängerinnen wie Elis Regina und Nara Leão, für mich gehörten sie seit meiner Kindheit irgendwie zusammen», erinnert sie sich. «Er war der grösste Botschafter der brasilianischen Kultur. In seinen Liedern verschmolz er die Landschaften und Aromen Brasiliens.»

Leben, Lieben, Leiden

Das Stück «Bonita», aufgenommen in ihrer englischen Version vom Duo Tom Jobim und Frank Sinatra, wurde zum Welthit. Beim Hören verinnerlicht man den Geist der Bossa nova; den des Lebens, des Liebens und des Leidens. Jobim berührte mit seinen Tastenkombinationen die Seele von Musikliebhabern rund um den Globus. In Takais Version bleibt das Lied schmackhaft, hat aber etwas mehr Puderzucker. Mutiger geht sie in «Estrada do Sol» vor, wo sie langsam und entspannt singt.

«Dieses Album vermittelt die magische Epoche, in der der Schönheitssinn einer ganzen Generation zu erwachen schien», schrieb Ruy Castro, der brasilianische Autor des Standardwerks «Bossa Nova – The Sound of Ipanema», auf der Rückseite des Albums. «Hier sind einige der ersten Lieder Toms, die fast in Vergessenheit gerieten. ‹O Tom da Takai› brachte diese handerlesenen Schätze wieder zurück ins Licht.» Er lobt weiter: «Takai gewährleistet die Unvergänglichkeit dieses Repertoires, und mit ihrer Leichtigkeit und Jugend macht sie es zeitgenössisch.»

Takai selbst hofft, dass ihr Album die sterbende «implizite und uninteressierte Liebe» wiederbelebt. «Heutzutage geht alles zu schnell, die Leute überspringen diese Etappen zwischen Kennenlernen und Hingabe», sagt die Musikerin. Sie vermisse es, über Einfaches zu singen. «O Tom da Takai» ist eine Revolution in Kleinem.

Fernanda Takai 

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