Science-Fiction

«A World Beyond»: Eine Zukunft zwischen Utopie und Nostalgie

Ein mysteriöser Pin transportiert Casey (Britt Robertson) ins Tomorrowland – eine utopische Stadt der Zukunft, die Teilen des Disneylands nachempfunden ist.

Ein mysteriöser Pin transportiert Casey (Britt Robertson) ins Tomorrowland – eine utopische Stadt der Zukunft, die Teilen des Disneylands nachempfunden ist.

Das geheimnisvolle Projekt «A World Beyond» macht das Disneyland zu einem Kinofilm. Herausgekommen ist ein Abenteuer für Gross und Klein.

Für die «Pirates of the Caribbean»-Filme stand noch eine einzelne Bahn aus dem Disneyland Pate, nun erhält gleich ein ganzer Sektor des Freizeitparks eine Kinoumsetzung: «A World Beyond» ist inspiriert von Disneylands «Tomorrowland», also jenem Teil des Parks, der mit futuristischen Attraktionen lockt. 

Auch das Eurodisney in Paris hat einen solchen Sektor, er heisst «Discoveryland» und zeigt die Zukunft, wie sie sich einst Jules Verne vorstellte.

Dass sich beliebte Filmwelten in Freizeitparks niederschlagen, gehört heute zum normalen Franchisingprozess einer erfolgreichen Kinomarke. Der umgekehrte Weg – vom Park ins Kino – ist zwar seltener, aber ebenso lukrativ.

Die «Pirates of Caribbean»-Reihe spielte an den weltweiten Kinokassen stolze 3,7 Milliarden Dollar ein. Der inzwischen fünfte Film in der Reihe befindet sich derzeit in Produktion und wird diese Summe ab Sommer 2017 weiter anwachsen lassen.

Ob «A World Beyond» dieses Erfolgsmodell kopiert und dereinst auch zu einer endlosen Kinoserie ausartet, ist offen. Ausschlaggebend dürfte der Erfolg dieses Films sein. Die Vorzeichen sind vielversprechend, in den USA wurden bereits im Vorverkauf überdurchschnittlich viele Kinotickets abgesetzt.

Trailer

Wenig verraten, viel versprochen

Verantwortet hat das wohl die brillante Marketingstrategie. Zum Inhalt von «A World Beyond» war im Vorfeld fast gar nichts bekannt. Der Trailer zum Film war eine Meisterleistung darin, wenig zu verraten, aber umso mehr zu versprechen. Er zeigte eine junge Frau, die aus dem Knast entlassen wird und ihre Wertsachen abholt. Auf dem Tresen findet sie auch einen mysteriösen Pin. Als sie ihn anfasst, steht sie plötzlich in einem sonnendurchfluteten Weizenfeld und erblickt am Horizont eine futuristische Hightech-Metropole.

Was es damit auf sich hat, erfährt man erst jetzt im Kino. Nur so viel sei hier verraten: Die unstillbar neugierige Casey (gespielt von Britt Robertson), so heisst die junge Frau, trifft irgendwann im Filmverlauf auf einen verbitterten Ingenieur (George Clooney), der einst in dieser Zukunftsstadt lebte – und muss ihn davon überzeugen, dass es sich lohnt, um diese Utopie zu kämpfen. Doch schon bald heften sich finstere Gestalten an ihre Fersen.

Was «A World Beyond» tut, ist mit dem heutigen Sozialpessimusmus abzurechnen. Das Tomorrowland im Film ist ein Gegenentwurf zur täglichen Flut an deprimierenden Nachrichtenbildern von Krieg, Hunger und Naturkatastrophen. Entwickelt haben ihn die klugsten Köpfen aus Wissenschaft und Kultur, die eines Tages verschwanden, um abgeschieden an der perfekten Zukunft zu basteln.

Der US-amerikanische Regisseur Brad Bird, der inzwischen den Schritt vom Animationsfilm («Ratatouille», 2007) zum Realfilm («Mission: Impossible – Ghost Protocol», 2011) gemeistert hat, zapft den Optimismus und den Pioniergeist der Nachkriegszeit an, der in den Fünfzigerjahren schon die Blütezeit der Disneytrickfilme geprägt hatte. Zusammen mit «Lost»-Autor Damon Lindelof hat er ein Mysteryabenteuer geschaffen, dessen Megabudget (190 Millionen Dollar) für spektakuläre Spezialeffekte aufgewendet wurde.

Abenteuer für Gross und Klein

Allerdings: «A World Beyond» lebt mehr von Ideen und Vorstellungskraft, als von Actionszenen. Der Film ist verspielte Unterhaltung für die ganze Familie. Mit seinen bunten Bildern wird er vor allem den ganz Kleinen im Publikum gefallen, betagtere Zuschauer werden sich an der breitgestreuten Nostalgie erfreuen. Doch junge Erwachsene, die eher nach einer weiteren Dosis Sommerblockbuster à la «The Avengers» lechzen, wird das Gezeigte eher enttäuschen.

«A World Beyond» – der im Original «Tomorrowland» heisst (siehe Box) – bietet auch auf eine ganz andere Art einen vielversprechenden Blick in die Zukunft: Die Newcomerin Britt Robertson (Jahrgang 1990) erweist sich als eine grosse Entdeckung. Mit ihrer Energie und ihrer einladenden Direktheit spielt sie Clooney hier glatt an die Wand.

Das schaffte 2011 auch eine andere Nachwuchsdarstellerin: Shailene Woodley in «The Descendants». Heute ist Woodley dank den «Divergent»-Fantasyfilmen ein Star.

Ein gutes Omen für Britt Robertson, die sich mit ihrem Auftritt in «A World Beyond» mitten auf die grosse Hollywoodbühne gehievt hat.

A World Beyond (USA 2014) 130 Min. Regie: Brad Bird. Mit George Clooney, Britt Robertson, Hugh Laurie u.a. Ab morgen im Kino.

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