Finale! Das wird natürlich, wie Wolfsburg-Trainer Bruno Labbadia so richtig sagte, «alles von den Medien hochsterilisiert», aber dennoch: Finale! Ein letztes Mal müssen sich die Ostschweizer Recken Cem und David messen, müssen das Herz von Adela Smajic erobern.

Und nicht nur ihres, denn die Holde ist gerade in einer Phase, in der sie sehr selbstkritisch ist, vor allem sich selbst gegenüber, wie das einst Fussballprofi und Wortakrobat Andreas Möller sagte, kurzum, sie weiss nicht weiter. Darum fliegt sie ihre besten Freunde ein: «Arrrijana us Frrränkedorrrf», die das «R» rrrrollt, wie man es nur kann, wenn man Baselbieter Chirrrsi schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, und Oli, den in Basel nicht ganz unbekannten Gastro-Unternehmer. Sie sollen jetzt den beiden letzten Mohikanern auf den Zahn fühlen.

Dabei soll Arrri auch gleich noch den Treuetest mit den beiden machen. Denn Adela will, dass ein Mann Gentleman ist, aber wehe er baggert ihre Freundinnen an. Cem ist zuerst dran, lehnt Arrris offenherziges Angebot, mit ihr mal käffele zu gehen, ab und macht auch sonst einen vernünftigen Eindruck auf sie. Nur dass er sagt, «Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben», das stösst Arrri sauer auf. Naja, so sagt er es nicht, das war Berti Vogts. Cem druckst rum und meint, er könne keine Emotionen zeigen.

Aber Adela, die liebt er. Das weiss er seit dem Dreamdate auf der Yacht. David erzählt unterdessen Oli den besten Witz der ganzen Staffel: «Ich mach grad es Stuuuudiuuum.» Bevor jedes Kürsli ein «Studium» wurde, hiess das mal eine Ausbildung. Oder Anlehre, oder so. Egal, die beiden gehen Stand-Up-Paddeln und man stellt fest, Emil Zapotèk hatte recht: «Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.» Und David kippt. Und antwortet auf die Frage, was er an Adelas Persönlichkeit schätze: «Sie ist intelligent und sieht wunderschön aus.»

Aber komm David, «niemals am Boden bleiben, steh auf und mach weiter», das wusste schon Max Schmeling, der boxende Ur-Germane. Oli konstatiert nach dem Treffen: «David zupft immer an sich rum, es ist ihm wichtig, dass alles richtig sitzt und steht.» Klingt gruusig, aber recht hat er. David kann die Finger nicht von sich lassen.

In Adela ist David übrigens «nicht verliebt, aber verknallt». Und in seinem Einzelgespräch mit Arrri schaufelt er weiter an seinem eigenen Grab und sagt «für Liebi bruchts bi mir me, i muess moll mitere Frau alleini si, i muess moll mitere schloofe». Aber hallo! Du kannst doch nicht die ganze Grundprämisse der Show anzweifeln, du hedonistischer Häretiker! Doch, denn ehrlich soll man sein, sagt David etwa alle zwei Minuten. Liebe «ist ding, dang, dong. Es gibt nicht nur ding», wie schon der berühmte italienische Paartherapeut Giovanni Trapattoni wusste.

Beim von vielen Hochzeiten berüchtigten Spielchen mit dem «Du» und «Ich»-Schildchen hat David wieder mal nix begriffen. Manchmal hat man eben kein Glück und dann kommt noch Pech dazu und haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss. Das Fitnessmodell rennt mit vollem Anlauf gegen den Torpfosten, als er behauptet, Adela sei eitler als er: «Was?! Du hesch e Makeup-Täschli drbyy», jault die Holde auf.

Cem wie David sind sich dafür mit Adela einig, dass sie humorvoller sei. Ja, Humor braucht man hier schon. Besser eine gesunde Dosis Zynismus. Am besten beides. Arrri fragt nur: «Wie härzig isch das denn?» Und Oli schaut, als ob er lieber an seiner Bar wäre. Alleine mit sechs Literflaschen Vodka oder so.

Und wer jetzt noch nicht gemerkt hat, wo das ganze hintümpelt, der sollte sein «Handbuch der Vulgärpsychologie im Pseudo-Reality-TV» noch einmal konsultieren: Adela und Cem sind sich immer einig und lachen dauernd. Adela und David lachen auch immer, sind sich aber nie einig. Das liegt auch daran, dass David bei dem Spiel offenbar nur ein Schildchen hat. Da steht das drauf, was David am liebsten mag, anschaut, streichelt, verwöhnt, hört und liebt: «Ich».

Und wir stellen fest: Beide Herren geben mehr Geld aus für Kleider als Adela. Cem meint, 3000 bis 4000 Stutz pro Monat, das findet Adela absurd: «Kann man mit dem Geld nicht was Sinnvolleres anfangen?»

«Geld schiesst keine Tore», sagt Oli weise. Oder Otto Rehhagel? Egal, es spielt keine Rolle mehr, Cem kann gelassen an seinem Weisswein nippen, denn David nutzt das Spiel weiter dazu, sich mit einer grosskalibrigen Waffe da hin zu schiessen, wo's richtig weh tut: «E Maa muess e Frau füehre, immer no», sagt der Macho aus der Munot-Stadt und Arrri wedelt mit beiden Hände, als ob sie von einem Schwarm Killerbienen attackiert würde. Oli guckt wie einer, der gerade einen Autounfall beobachtet und Adela sagt «dini Meinig» und macht ein Duckface. Also eher ein Pelikanface, sie hat nun mal etwas grössere Lippen.

Es folgt die finale Besprechung des Trainerstabs mit Adela. Beide finden beide Kandidaten top und können keine Empfehlung abgeben, Madrid oder Mailand, Hauptsache Ostschweiz halt. Na Bravo, ihr Pfeifen! Und dafür hat euch jetzt «3+» um die halbe Erde geflogen? Jetzt muss Adela in sich gehen und hoffen, dort jemanden anzutreffen, der ihr hilft.

David und Cem dagegen, die laufen sich noch ein bisschen warm, ein lockeres Footing, vor dem entscheidenden Tag, wie es der Höngger Polizistensohn nannte. David reklamiert: «Du hast dich nur ins Finale gekauft!» Cem disst zurück, das sei nur Neid. Und er und Adela, das sei wie Brad Pitt und Angelina Jolie. Nein! Das ist auf so viele Arten falsch und ausserdem: Cem! Die haben sich getrennt! Cem! Du bist doch der türkische Schorsch Kluni! Ausser dass der mit einer brillianten, engagierten, wunderschönen Frau zusammen ist, die sich mit aller Macht für Schwache einsetzt.

Zur definitiven Vorbereitung auf das Endspiel wendet David sein Geheimrezept an - Fachleute erinnern sich, Rizinusöl macht den Darm locker, die Augenbrauen buschig und die Ladies wuschig. Hat David eigentlich von Thailand irgendetwas anderes gesehen, als den Spiegel in seinem Zimmer? Mental begibt er sich in den mostindischen Highlander-Modus: «Es chann nu eine geeee.»

Cem dagegen betritt seinen Kleiderschrank und liebkost seine Anzüge. Er entscheidet sich für edlen Zwirn in Jäger-Grün, David tritt in Orangetönen an und Adela trägt tief ausgeschnittenes Glitzergrau. Und spricht rosenzwirbelnd über den einen, den sie erwählt hat, den, bei dem ihre Biochemie verrückt spielt. Chemie, das wusste schon Dennis Rodman, ist ein Fach, das man in der Schule hat und wo man lernt, dass zwei und zwei zehn ergibt. Der wäre eigentlich auch ein guter Bachelorette-Kandidat gewesen.

Adela sagt romantische Sachen und die beiden Herren quellen dazu erotisch fast aus ihren Anzugs-Jacketts. Die Krokodilstränen kullern über Adelas hohe Wangenknochen. Sie wiederholt zum gefühlt 12. Mal «ich ha mi verliebt» und steuert das grüne Jacket an, langer Kuss, Kamerafahrt drum rum und David steht daneben wie der sprichwörtliche Ochse am Berg. Cem, der Ausserwählte, bemüht einmal mehr sein allegorisches Lieblingswerkzeug: «Hammerfrau», «Hammercharakter».

Es folgen noch mehr Tränen, die bekennende Atheistin fleht Gott um Hilfe an. Doch jetzt darf man bloss keinen Sand in den Kopf stecken, wie einst Andi Möller forderte und Adela reisst sich am Riemen und verabschiedet David mit einer Riesenumarmung in die Friendzone. Er «fühlt sich sehr leer an». Adela flötet Cem nochmal ins Ohr, dass sie sich mega in ihn verliebt hat. Der heissblütige, zutiefst emotionale Mann vom Bosporus haucht zärtlich seine poetische Antwort: «Da froit mi.»

Adela sieht eine ernsthafte Zukunft und das meint sie wirklichwirklich ernst. Und in der nächsten Folge gibt's dann «die ganze Wahrheit» und die Antwort auf die Frage, ob diese Beziehung für die Ewigkeit die paar Wochen gehalten hat. Oder nach den üblichen drei Wochen zum allgemeinen grossen Bedauern zerbröselt ist. Unter dem Druck des grauen Alltags, der leeren Köpfe und der plötzlichen C-Prominenz.

Und wir? Wir dürfen uns jetzt an der Fussball-WM über neue Sportlerzitate freuen, die auch nicht faszinierend-stupider ausfallen können als das, was uns Adelas Hormon-Hengste in den letzten Wochen an Weisheiten beschert haben.

 

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette