Kino
Sie ist mehr als ihre «Mumins» - ein neuer Film holt Tove Jansson aus dem Schatten ihrer Comicfiguren

Als Malerin ist sie gescheitert, aber ihre Zeichnungen sind weltbekannt. Ein neuer Film über die Schöpferin der «Mumins» zeigt: Tove Jansson ist eine Frau, die man kennen sollte.

Anna Raymann
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Mit Zigarette und Pinsel: Tove Jansson lebte in den 1950er Jahren ein Künstlerleben, wie man es sich vorstellt. «Tove» kommt am 2. Dezember in die Schweizer Kinos.

Mit Zigarette und Pinsel: Tove Jansson lebte in den 1950er Jahren ein Künstlerleben, wie man es sich vorstellt. «Tove» kommt am 2. Dezember in die Schweizer Kinos.

Polyfilm

Das donnernde Bombardement macht klar, in welcher Zeit wir uns befinden. Der Zweite Weltkrieg setzt die Welt in Flammen, finnische Männer kämpfen neben deutschen. Und Frauen sollten allem voran sorgende Mütter und Gattinnen sein.

Davon lässt sich Tove, die Zigarette stets zwischen den Lippen und den Pinsel in der Hand, nicht einschüchtern. Statt wie ihr Vater «furchtbar konventionelle» Kunst zu machen, veröffentlicht die junge Malerin provokante Karikaturen von Hitler. «Mutig», sagt ein Freund an einer ansonsten erfolglosen Vernissage. Die ersten Minuten des Films «Tove» zeigen fast schon beiläufig, dass Tove Jansson eine Frau mit Chuzpe ist.

Das Biopic «Tove» über Mumin-Schöpferin Tove Jansson kommt am 2. Dezember in die Schweizer Kinos.

Salzgeber

Die Mumins sind eine Erfolgsgeschichte

Der Name der Finnlandschwedin dürfte in der Schweiz nur wenigen geläufig sein. Ihre Comicfiguren aber sind weltbekannt: Die «Mumins» sind gutmütige, nilpferdartige Trolle, die in einer verträumten Landschaft ein hedonistisches Leben zelebrieren.

Tove Jansson schrieb rund um das Mumin-Universum neun Romane, zeichnete vier Bilderbücher sowie über mehrere Jahre hinweg eine wöchentliche Comicserie für die englische Zeitung «Evening News». Die Augsburger Puppenkiste brachte die cleveren Trolle ins Fernsehen, ein japanisches Studio machte eine Trickfilm-Serie ­daraus, von der 2020 ein Remake unter der Federführung von Oscarpreisträger Steve Box («Wallace und Gromit») erschienen ist.

Die Mumins gibt es jetzt auch 3D-animiert.

Moomin Official

Leidenschaftliche Szenen aus dem Künstlerleben

Das Biopic, das morgen in die Schweizer Kinos kommt, zeigt nun – 20 Jahre nach ihrem Tod – die Schöpferin dieser erfolgreichen Geschichten. Die Jugend und die späteren Erfolgsjahre spart Regisseurin Zaida Bergroth aus und fokussiert stattdessen auf die dichte, treibende Zeit Ende der 1940er- bis Anfang der 1950er-Jahre.

Tove Jansson (Alma Pöysti)hat ihr Kunststudium abgeschlossen. Das Stipendium, auf das sie hingearbeitet hat, erhält ihr Vater. Die Miete für ihr grosszügiges Atelier-Studio bringt sie kaum auf. Tove führt ein Künstlerleben, wie man es sich vorstellt − leidenschaftlich, prekär und mit rauschenden Festen. Viel von ihrem Lebenshunger wird man in ihren Bildergeschichten wiederfinden.

Mit den Mumins habe sie aber überhaupt erst angefangen − so erzählt es Tove im Film − weil sie als Künstlerin gescheitert sei. Der Film zeigt ihre turbulente Suche nach eigenen Wegen. «Ich weiss nicht, was ich machen will», sagt Tove, «Comic, Theater, Schreiben oder Malen. Ich will alles.» − «Dann mach alles», rät Freundin Vivica.

Zärtliche Bilder für eine radikale Frau

Und so kommt es: in der Arbeit wie auch im Leben. Sie bändelt mit verheirateten Männern an und flirtet mit Freundinnen. Aus lockeren Affären werden intensive Liebschaften, aber niemals eine Ehe. In einer Zeit, in der es in Finnland noch unter Strafe steht, führt Tove Jansson offen lesbische Beziehungen. Zum Ende des Films begegnet sie Tuulikki, die später ihre grosse Liebe werden wird.

Es ist ein zärtlicher Film in satten Bildern, aber weniger radikal, als es das Leben der Künstlerin erwarten liesse. Das Vertrauen zwischen Schauspielerin und Rolle überzeugt, Alma Pöysti spielte Tove Jansson bereits in einem Theaterstück. Intuitiv und authentisch zeichnet sie eine Frau, die in ihrem Idealismus und Eigensinn unverschämt modern ist.

«Tove» ab 2.12. im Kino

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