Das Kino Uferbau war am Samstagnachmittag prall gefüllt. Grund war die kurzfristige Einberufung der Verantwortlichen der Solothurner Filmtage zu einer Diskussionsrunde, bei der Fragen um die Filmauswahl im Programm besprochen werden sollten. Grund dafür war die schriftliche «Eingabe» von Regisseur Samir und anderen 33 Unterzeichnern, die sich aufgrund der Nicht-Programmation des neues Films von Christian Labhart an die Solothurner Filmtage wandten.

In dieser «Eingabe» heisst es: «Jeder von uns älteren Filmemachern (und Filmemacherinnen) hat in seinem Schaffen stärkere und schwächere Filme gedreht. Dennoch konnten die meisten von uns sämtliche ihrer Filme in Solothurn zeigen.» Und: «Viele von uns kennen den neuen Film von Christian nicht und vielleicht überzeugt er uns ja nicht. Trotzdem möchten wir ‹Passion› im Kontext von Labharts gesamtem Schaffen der letzten 20 Jahre sehen und über ihn in Solothurn diskutieren können.»

Drei Fragen

Jetzt sollten unter der Leitung von Filmjournalistin Marcy Goldberg drei Fragen diskutiert werden: «Braucht es mehr Filme an den Solothurner Filmtagen? Braucht es weniger Wettbewerb? Braucht es Programmplatzgarantien für etablierte Filmemacher? Samir stellte gar die Grundsatzfrage: «Wo will ‹Solothurn› hin? Soll es ein Festival werden wie alle andern? Mit Limousinen? Rotem Teppich? Mit Kotaus vor den Honorablen? Soll hier nicht viel mehr über Film diskutiert werden? Unter Kollegen, mit Vertretern der Branche?»

Seraina Rohrer, die Filmtage-Direktorin, klärte die Versammlung über die Auswahlkriterien der alle zwei Jahre neu zusammengesetzten Auswahlkommission auf. «Wir beurteilen die Qualität; wir achten auf die Vielfalt der Generationen und der Filmformen; wir prüfen die Originalität und die Themenvielfalt.»

Verschiedene Diskussionsteilnehmer warfen den Aspekt ein, dass heute zahlenmässig viel mehr Filme produziert würden als noch vor Jahren. Deshalb sei es nötig, mehr Filme zu programmieren. Man habe sich dem Umstand angepasst und zeige auch mehr Filme, sagte Rohrer und nannte Zahlen.

Man könne nicht verlangen, als «altgedienter» Regisseur einen Programmplatz auf sicher zu haben, meinte Regisseurin Sabine Boss. «Dann muss man halt seinen Film besser machen.» Zudem sollen Plätze auch für junge, unbekannte Leute möglich sein.

«Samir, hast du denn Vorschläge?», wollte Rohrer konkret wissen. Darauf meinte er: «Ich finde, ihr, die ihr von einer Institution bezahlt werdet, unsere Filme zu zeigen, solltet dies auch tun. Ich wehre mich gegen die zunehmende Kommerzialisierung von Solothurn». Das liess Rohrer nicht auf sich sitzen: «Ich mache die Filmtage nicht für mich, sondern für das Publikum, die Branche. Es ist ganz bestimmt kein Egotrip.» Die Diskussionskultur über Film ist in Solothurn verloren gegangen, meinten weitere Redner. Das sei gar nicht gewünscht, sagten andere. Mehr Diskussion heisse dann aber auch weniger Filme, ist Thomas Geiser, Mitglied der Geschäftsleitung, überzeugt. Ergebnis der Diskussion: offen.