Kino

Film aus der verbotenen Zone: Wahlkampf einer Frau in Saudi-Arabien

Die erste Filmemacherin aus Saudi-Arabien: Haifaa al-Mansours zweiter Spielfilm kommt nun in die Kinos.

Die erste Filmemacherin aus Saudi-Arabien: Haifaa al-Mansours zweiter Spielfilm kommt nun in die Kinos.

Ihren neuen Spielfilm «The Perfect Candidate» widmet Haifaa al Mansour der Selbstbestimmung der Frau. Wie selbstbestimmt ist aber die saudische Regisseurin bei ihrer Arbeit?

Eine Frau sitzt allein am Steuer ihres Autos und fährt durch eine Vorstadt. Ihre Fahrt endet auf einem staubigen Parkplatz. Die Frau steigt aus, in einen schwarzen Nikab gehüllt, den in vielen muslimischen Ländern verbreiteten Ganzkörperschleier. Nur die Augen sind sichtbar.

Mit der elegant in Szene gesetzten Eröffnungssequenz ihres Films «The Perfect Candidate» zeigt Regisseurin und Drehbuchautorin Haifaa al Mansour eine der Veränderungen, die in den letzten Jahren im stockkonservativen nahöstlichen Königreich stattfanden. Erst seit 2018 ist es in Saudi-Arabien Frauen erlaubt, Auto zu fahren. Noch vor wenigen Jahren durfte dort die weibliche Hälfte der Bevölkerung nicht einmal Velo fahren – und es war ihr auch sonst eigentlich alles verboten, was ein selbstständiges Leben ausmacht.

Der Trailer zum Film:

Ohne Reiseerlaubnis des Vaters gefangen im Land

Als achtes von zwölf Kindern einer Musikerfamilie kam Al-Mansour 1974 in einer saudischen Provinzstadt zur Welt. Die Einschränkungen machte sie 2012 in «Wadjda», ihrem Erstling mit dem Untertitel «Das Mädchen mit dem Fahrrad» zum Thema. Der Film über das titelgebende Mädchen, das sich seinen Traum vom Velofahren in einem Land erfüllen will, wo ihm diese Art der Fortbewegung verwehrt ist, war der erste lange Kinospielfilm aus dem verschlossenen Land, in dem es damals nicht einmal Kinos gab.

Im Gespräch in Zürich erzählt Al-Mansour:

Die Vorschrift spielt in der Geschichte von Maryam, der Protagonistin in «The Perfect Candidate», eine zentrale Rolle. Die junge Ärztin ist zu einem Ärztekongress in Dubai eingeladen, scheitert aber bei der Ausreise am Flughafen. Ihre Erlaubnis ist abgelaufen und ihr Vater, ein bekannter Musiker, befindet sich gerade auf einer Tournee und ist dort nicht zu erreichen. Maryams letzte Hoffnung ist ein Cousin, der für die Wahlregister auf der Gemeindeverwaltung arbeitet. Doch zu ihm werden nur Personen vorgelassen, die sich als Kandidaten für die Wahlen registriert haben.

So lässt sich die junge Frau zähneknirschend auf das Spiel ein – und als der Cousin ihr nicht helfen kann, sagt sie sich: Wenn ich eh hierbleiben muss, aber für die Wahlen registriert bin, kann ich ebenso gut kandidieren. Ein Wahlkampf auf Saudi-arabisch beginnt, humorvoll, bisweilen bitter und stets getragen von einer Frau, die sich nicht unterkriegen lässt.

Fragen zu Politik oder Religion sind ihr zu heikel

Im Gespräch versprüht Al-Mansour Optimismus: «Eine Gesellschaft im Wandel» ist eines ihrer Lieblingsmotive. Gerne hätte man dazu ein paar kritische Fragen gestellt, doch die Bedingungen für das Gespräch waren glasklar: Fragen zu Politik, Religion oder Sue Meures waren nicht gestattet.

Meures heisst jene Schweizer Dok-Filmerin, die an der vergangenen Berlinale «Saudi Runaway» vorgestellt hat, die heimlich gefilmte Geschichte der Flucht einer jungen Frau aus Saudi-Arabien. Man hätte gerne gewusst, was Sue Meures zu «The Perfect Candidate» sagt – leider hat sie ihn noch nicht gesehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1