Das Schicksal des Basler Films steht auf Messers Schneide. Noch diesen Frühling – voraussichtlich am 15. April – entscheidet der Basler Grosse Rat, ob die Gelder für die regionale Filmförderung aufgestockt werden – oder nicht. Konkret geht es um eine Erhöhung um jährlich 600 000 auf 900 000 Franken von Basel-Stadt. Diese führte dazu, dass auch der Kanton Baselland seinen Beitrag von 200 000 auf 350 000 Franken pro Jahr erhöht. Drittens kämen aus den Swisslos-Fonds beider Basel insgesamt 1,5 Millionen Franken für einen Wettbewerb unter förderungswürdigen Grossprojekten hinzu.

Sogar die politischen Gegner dieser Subventionserhöhung geben zu, dass diese Fördergelder ein Klacks wären, weiterhin. Denn eines ist unbestritten: Der Film fristet in der Kulturstadt Basel ein Schattendasein. Im Licht stehen hier die Kunst, die Musik und das Theater. Zum Vergleich: Das Theater Basel erhält vom Kanton rund 40 Millionen Franken jährlich. In Zürich stehen Filmemachern rund 18 Mal mehr Fördergelder zur Verfügung – weshalb namhafte Basler Regisseure und Produzenten wie Vadim Jendreyko («Die Frau mit den fünf Elefanten») ihren Produktionsstandort nach Zürich verlegt haben. Auch Bern hat jüngst aufgestockt: auf rund drei Millionen Franken jährlich.

Basel bildet das Schlusslicht in Sachen Filmförderung. Und weil Basel in dieser Disziplin ohnehin deutlich abgeschlagen hinter Zürich und der Romandie liegt, wollen einige Grossräte den Basler Film bewusst am Boden liegen lassen. Basel solle sich auf seine bisherigen Kulturschwerpunkte konzentrieren – und den Film anderen überlassen. So argumentiert eine knappe Minderheit in der Bildungs- und Kulturkommission. Sie schreibt: «Die Zentralisierung des Filmschaffens auf Zürich ist letztlich gewollt, Basel übernimmt dafür in anderen Kulturbereichen eine wertvolle Zentrumsfunktion, welche weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannt ist und geschätzt wird.»

Nicht Feld für Zürich räumen

Die Basler Filmschaffenden wollen das Feld nun aber nicht kampflos für die Zürcher räumen. Am Dienstagabend stellten sie ihre Argumente für einen stärkeren Filmstandort Basel vor. Organisiert wurde der Abend vom Verein für Film und Medienkunst «Balimage», der sich als «Lobby für die Filmschaffenden der Region» versteht, wie ihr Präsident Philipp Cueni sagte.

Die am Abend anwesende junge Regisseurin Anna Thommen verkörpert das künstlerische Potenzial des Basler Films. Allen äusserlichen Widerständen zum Trotz verwirklichte sie einen Basler Film mit einem Basler Thema: «Neuland» begleitet eine Integrationsklasse im Kleinbasel. Der Dokumentarfilm zeigt, wie hart diese jungen, hoffnungsvollen Migrantinnen und Migranten, die bereits Krieg und Gewalt erleben mussten, sich ihren Platz in einer ihnen neuen Gesellschaft erarbeiten müssen. Das lokale Thema entpuppte sich als universelle Geschichte, die bis nach Amerika interessiert – ein dortiger Fernsehsender kauft die Rechte ein. «Neuland» hat etliche prestigeträchtige Preise gewonnen und ist nun sogar an der Berlinale gezeigt worden.

Der Film werfe in zahlreichen Ländern einen Scheinwerfer auf Basel, sagte die Regisseurin. Doch er habe nur dank viel Selbstausbeutung entstehen können. Schon heute, mit einer eigenen Familie im Hintergrund, könnte sie so nicht mehr arbeiten. «Es kann nicht die Lösung sein, dass Basler Filmschaffende nach Zürich zügeln müssen», betonte Anna Thommen. Sie kenne viele interessierte junge Filmemacher aus der Region, die gerne hier arbeiten würden. Sie ist deshalb überzeugt: «Wenn hier mehr Geld vorhanden wäre, dann würde die Basler Filmszene aufblühen.»

Trotz der schlechten Bedingungen gebe es in Basel eine interessante, gute Filmszene, sagte auch Vadim Jendreyko. Drei der fünf Mitarbeiter seiner Filmfirma pendelten von Basel zur Arbeit nach Zürich. «Es kann nicht sein, dass jemand viel bessere Finanzierungsmöglichkeiten hat, nur weil er in einem anderen Kanton wohnt oder arbeitet», sagte er. Die geplante Aufstockung der Fördergelder sei weit entfernt von jeglichem Luxus, sie böte Basler Filmemachern aber «eine Basis, die uns eine Perspektive gibt».

Wichtiger Wirtschaftszweig

Zahlreiche wirtschaftliche Argumente trug der Basler Filmregisseur und Produzent Frank Matter («Von heute auf morgen») vor. Er sei überzeugt, dass jeder für den Film aufgewendete Franken weitere Franken anziehe: zusätzliche Filmgelder von Bund, Fernsehen und Stiftungen, die dann allesamt wiederum in der Region investiert würden – in die Löhne und Infrastrukturen des hiesigen Filmgewerbes. Neue Arbeitsplätze für Filmtechniker, Kostümbildner, Set Designer und so weiter würden geschaffen.

Der Einfluss der Kultur auf die Kreativwirtschaft in Basel sei sehr gross, sagte auch der Filmproduzent Pascal Trächslin – auch er hat den Firmensitz seiner «cineworx» vor sieben Jahren von Basel nach Zürich gezügelt. Er erwähnte zusätzlich das Internet mit all seinen Möglichkeiten, Imagefilme für Firmen sowie die Zusammenarbeit mit dem Theater. «Die Kultursparten greifen ineinander über.»

Film und Theater sind ebenso verwandt wie Film und Kunst. Auch der Künstlerfilm sei ein wichtiges Aushängeschild für Basel, sagte die Produzentin und Videokünstlerin Stella Händler, auch diese Szene sei in Basel lebendig. Sie begrüsst es, dass der Künstlerfilm weiterhin gleichberechtigt mit dem Spiel- und dem Dokumentarfilm gefördert werden soll – mit angemessen kleineren Budgets.

Mehrfach angemerkt wurde, dass die gesamte Kulturabteilung des Schweizer Radio und Fernsehens bald in Basel stationiert wird. Auch daraus ergäben sich interessante Synergien mit der Filmszene. Die Mehrheit der Kulturkommission im Grossen Rat erwähnt in ihrem Bericht zudem die Hochschule für Gestaltung und Kunst der FHNW, das Haus der elektronischen Künste sowie das Bildrausch Filmfestival, die bereits gute Voraussetzungen für einen breit abgestützten Filmstandort Basel bieten.

Es wird sehr knapp

Am Informationsabend als Zuhörer dabei waren vier Grossräte: Patrick Hafner (SVP), Martina Bernasconi (GLP), Rudolf Rechsteiner (SP) und Kulturkommissionspräsident Oswald Inglin (CVP). «Es wird sehr knapp», lautet Inglins Abstimmungsprognose. Er versuche alles, um seine Partei von der Notwendigkeit einer besseren Filmförderung zu überzeugen.

Doch im Moment fahren die Bürgerlichen einen Sparkurs. Nicht die ideale Zeit, um mehr Geld für Kultur zu erhalten. Rechsteiner riet den Filmschaffenden, für den Grossen Rat eine Filmvorführung samt Apéro riche zu organisieren. Offenbar geht auch im Grossen Rat jede Liebe durch den Magen.