Manche Schauspieler sind am besten, wenn sie den Mund halten. Ryan Gosling erhebt dieses Prinzip in «The Place Beyond the Pines» einmal mehr zur hohen Kunst – und macht das Epos so zu einem der intensivsten Kinoerlebnisse des Jahres. Unsicherheit, Trauer, Schmerz – der 32-jährige Kanadier braucht dafür keine Worte.

Kinotrailer zum Film «The Place Beyond the Pines» mit Ryan Gosling

Mit einem Blick, einer kurzen Bewegung kann Gosling mehr erzählen als andere in einem ganzen Film. Und je weniger er redet, desto spannungsvoller laden sich seine Szenen auf. Schon in seinem von Kritikern gefeierten Thriller «Drive» (2011) vergingen immer wieder quälend lange Sequenzen, bis sich der Schauspieler zu Sätzen wie «Willst du einen Zahnstocher?» oder «Ich habe keine Räder an meinem Wagen» durchgerungen hatte – diese wortlose Intensität beherrscht er nach wie vor.

Dreigeteilt

Den nun anlaufenden Epos «The Place Beyond the Pines» hat Regisseur Derek Cianfrance in drei Teile gegliedert. Der erste handelt vom Stuntfahrer Luke, der anfängt, Banken auszurauben. Mit dem Geld will er die Mutter seines Sohnes (Eva Mendes) überreden, zu ihm zurückzukommen. Lukes schicksalhafte Begegnung mit einem jungen Polizisten (Bradley Cooper) leitet die zweite Episode ein.

Die Geschichte schwenkt dann recht konventionell auf die Widersprüche des Polizeiberufs um: Karriere, Aufrichtigkeit und Korruption. Beide Teile münden in die dritte Episode, die fragwürdige Freundschaft zwischen zwei ungleichen Teenagern – mit Drogenexzessen, Enttäuschung und Tränen.

Grandioser Banküberfall

Die Klammer um das mitunter etwas überladene Filmkonzept bildet ein Geflecht aus Vater-Sohn-Beziehungen. Es geht um Schuld, Sühne, Vergebung – die grossen Themen. Daran übernimmt sich Cianfrance im zweiten und dritten Teil ein wenig. Er arbeitet sich zu sehr daran ab, jede Geschichte einzeln für sich auszuerzählen, anstatt sie überzeugend zusammenzuführen.

Aber da ist ja noch der fulminante Ryan Gosling. Seine Episode ist unter den dreien mit Abstand die stärkste, nicht nur wegen ihrer wunderschön inszenierten 80er-Jahre-White-Trash-Ästhetik.

Bevor der wasserstoffblonde Luke und sein Komplize Robin (Ben Mendelsohn) zu Bruce Springsteens «Dancing in the Dark» lachend die Beute aus ihrem Überfall zählen, werden die Zuschauer Zeugen des wohl intensivsten, authentischsten Banküberfalls der Filmgeschichte. Umso bedauerlicher, dass Ryan Goslings Auftritt in «The Place Beyond the Pines» nach einer knappen Stunde vorbei ist.

The Place Beyond the Pines USA 2012,
140 Min. R: Derek CianfranceMMMMI