Kino

In «Avengers: Infinity War» kulminieren zehn Jahre Superheldenfilme

In Avengers: Infinity War haben praktisch alle Superhelden aus den bisher 18 Marvel-Filmen einen Auftritt.

In Avengers: Infinity War haben praktisch alle Superhelden aus den bisher 18 Marvel-Filmen einen Auftritt.

«Avengers: Infinity War» ist der teuerste Film aller Zeiten - und wird möglicherweise auch Rekordeinnahmen erzielen. Was ist das Erfolgsrezept des Filmstudios Marvel?

Achtung, solche Beträge können Schwindelgefühle auslösen: 300 Millionen Dollar soll der neue Kinofilm «Avengers: Infinity War» gekostet haben, glaubt man den Angaben des Filmstudios Marvel. Experten in Hollywood schätzen den tatsächlichen Betrag sogar auf über 400 Millionen.

Das würde Marvels neuestes Werk zum teuersten Film der Kinogeschichte machen. Doch das Studio stemmt diesen Betrag mit links: Die bisherigen 18 Filme von Marvel haben an den weltweiten Kinokassen Einnahmen von 14,8 Milliarden Dollar generiert – keine andere Filmserie ist nur annähernd so erfolgreich.

Avengers: Infinity War - Official Trailer

Der Trailer zu «Avengers: Infinity War»

Mit «Avengers: Infinity War» dürfte nun ein grosser Batzen dazukommen. Marvels 19. Film vereint auf der Kinoleinwand alle wichtigen Superhelden aus den bisherigen Filmen. Womit klar sein dürfte, wofür der grösste Teil des Budgets aufgewendet wurde: für die Gagen der Stars.

Angeblich verdient Robert Downey Jr. so viel wie alle anderen Schauspieler zusammen. Kein Wunder, mit dem Iron-Man-Darsteller fing die Erfolgsgeschichte der Marvel Studios vor zehn Jahren an.

2008 expandierte die US-Firma von einem reinen Comicverlag zu einem Filmstudio. Statt anderen Hollywoodstudios weiterhin die Lizenzen an seinen Comic-Helden zu verkaufen, brachte Marvel sie fortan selber auf die Leinwand.

«Iron Man» war 2008 der erste – und schlug dank des charismatischen Auftritts von Downey Jr. voll ein. Auf diesem Erfolg baute Marvel auf. Es folgten die Filme «The Incredible Hulk», «Thor», «Captain America» und viele weitere.

Serielles Erzählen im Grossformat

Studiochef Kevin Feige hatte aber von Anfang an ein grösseres Ziel vor Augen. Er wollte das Erfolgsprinzip der Fernsehserien, die seit der Jahrtausendwende dem Kino zunehmend das Publikum streitig machen, auf das Kino übertragen. Serielles Erzählen im Grossformat.

Marvels Superhelden existierten nicht nur in ihren eigenen Filmen, sondern tauchten auch in jenen der anderen Helden auf. Die Filme konnten sich stilistisch voneinander unterscheiden, hatten aber eine gemeinsame Stossrichtung. Seit zehn Jahren nun erzählt Marvel eine fortlaufende, gigantische Geschichte – die immer mehr Fans vor die Leinwand lockt.

Der Besucheransturm bei «Avengers: Infinity War» dürfte besonders gross ausfallen, denn für keinen anderen Kinofilm wurden im Vorverkauf derart viele Tickets abgesetzt. «Infinity War» bringt alle Fäden zusammen und beweist, wie smart und geduldig Feige vorausgeplant hat.

Auf ihn mussten sich Fans zehn Jahre lang gedulden: Oberbösewicht Thanos (Josh Brolin) macht den Superhelden das Leben schwer.

Auf ihn mussten sich Fans zehn Jahre lang gedulden: Oberbösewicht Thanos (Josh Brolin) macht den Superhelden das Leben schwer.

Der Bösewicht des Films – der lilafarbene, muskelbepackte Alien Thanos (Josh Brolin) – tauchte bereits in früheren Marvel-Filmen mehrmals kurz auf. Doch sein grosser Auftritt wurde bis jetzt aufgespart.

Thanos gehören die besten Szenen des Films, sie zeigen ihn als eine Art intergalaktischen Räuber. Seine Beute sind die sogenannten Infinity-Steine (ebenfalls aus früheren Filmen bekannt). Findet er alle sechs, wird er so mächtig, dass er bloss noch mit den Fingern zu schnippen braucht, um die Hälfte aller Lebewesen auszulöschen.

Denn der Superschurke ist überzeugt: Damit ein Volk aufblühen kann, muss immer mal wieder Unkraut gejätet werden.

Ähnlicher Ansicht dürfte wohl Kevin Feige sein, denn der Marvel-Chef hat «Infinity War» zum Anlass genommen, um sich gleich von mehreren seiner Superhelden zu verabschieden. An dieser Stelle sei natürlich nicht verraten, wer im Film dem übermächtigen Thanos alles zum Opfer fällt. Nur so viel: Schon nach den ersten fünf Minuten wird klar, dass Marvel die Karten mit diesem Film neu mischt.

Spassig, aber ermüdend

Einige Fans werden das Kino also nicht ganz glücklich verlassen – was aber auch damit zu tun haben könnte, dass dieses gigantische Superhelden-Nebeneinander streckenweise nicht richtig funktioniert.

Wie soll denn auch ein einziger Film – selbst über eine Spieldauer von zweieinhalb Stunden – knapp dreissig verschiedenen Protagonisten gerecht werden? Jedem einzelnen ein vernünftiges Mass an Bildschirmzeit und Wirkungsmacht einräumen? Ein unmögliches Unterfangen.

So viele Helden: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Tony Stark (Robert Downey Jr.), Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Wong (Benedict Wong).

So viele Helden: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Tony Stark (Robert Downey Jr.), Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Wong (Benedict Wong).

Joe und Anthony Russo, die Regisseure von «Infinity War», haben es trotzdem versucht. Ihr Lösungsansatz lautet: Lass uns einfach mal schauen, was passiert, wenn wir unsere zwei Dutzend Helden auf möglichst viele verschiedene Arten miteinander kombinieren.

Das Resultat ist ein bisschen chaotisch, ein bisschen spassig, aber auch ein bisschen ermüdend. Man erkennt das gigantische Produktionsbudget des Films in jeder Einstellung, trotzdem entspricht «Infinity War» als Ganzes nicht der Summe seiner Teile.

Auch der abrupte Schluss des Films dürfte einige Zuschauer etwas ratlos zurücklassen. Ihnen sei gesagt: «Infinity War» ist nur die Hälfte dessen, was Joe und Anthony Russo zwischen Januar und Juli 2017 gedreht haben. Die andere Hälfte folgt in Form eines zweiten Films im Mai 2019, vorher kommen noch der zweite «Ant-Man» (Juli 2018) und «Captain Marvel» (März 2019).

Kein Ende in Sicht also. Die Marvel-Maschine läuft auf Hochtouren. Zehn Jahre nach «Iron Man» braucht Kevin Feige nur noch mit den Fingern zu schnippen, und schon hockt die (gefühlte) halbe Welt im Kinosessel.

Avengers: Infinity War (USA 2018) 149 Min. Regie: Joe Russo, Anthony Russo. Ab Donnerstag, 26.4., im Kino. ★★★☆☆

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