Film

IS-Touristen, Konvertiten und Co. im Schweizer Film

Ein neuer Film über einen Schweizer Dschihad-Touristen läuft jetzt im Kino, zwei weitere Produktionen widmen sich den heftig diskutierten Facetten des Islam und kommen bald auf die Leinwand. Warum jetzt?

Islam-Debatte Da ist dieser schwermütige Abdullah, streng gläubig, dreifacher Vater, Taxifahrer. Zuhause hat Abdullah (gespielt von Kida Khodr Ramadan, «4 Blocks») ein strenges Regime aufgezogen. Doch eigentlich will er nur das Beste für seine Söhne. Seine Frau (gespielt von Beren Tuna, «Seitentriebe») vermag diesem bedrückenden Familienkorsett zu wenig entgegenzusetzen. Burak, der mittlere Sohn, fällt ihm zum Opfer.

«Al-Shafaq» von der schweizerisch-türkischen Regisseurin Esen Işık zeigt diesen Weg des Jungen: in den Abgrund. Ausgerechnet von seinem Vater wird er an die radikalen Seelenfänger geliefert.

Inspirieren liess sich Işık 2014 von einem echten Fall, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen. Damals stand sie in Kontakt mit einer Familie, die ihren Sohn an den radikalen Islam verloren hatte. Der Vater konnte den 16-Jährigen gerade noch rechtzeitig an der syrischen Grenze abfangen. Die Familie sperrte ihn zu Hause ein, in der Hoffnung, er würde so nicht noch einmal nach Syrien reisen. Işık will mit ihrem Film zeigen, wie aus normalen Jugendlichen Kämpfer des Krieges in Syrien geworden sind.

Inspiration in den heftigen Debatten

Neben «Al-Shafaq» kommen demnächst gleich zwei weitere Schweizer Produktionen ins Kino, die sich mit ähnlichen Facetten des Islams beschäftigen. Ebenfalls um Radikalisierung dreht sich der neue Film von Samir. Sein «Baghdad in my Shadow» widmet sich daneben der Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen.

Von einer anderen Seite näherte sich der Filmemacher David Vogel an: 2010 nahm die Debatte um junge Schweizer, die zum Islam konvertierten, ihren Lauf. Nicolas Blancho und sein «Islamischer Zentralrat» waren in aller Munde. In einer Arena von SRF mochte er sich nicht von der Kapitalstrafe Steinigung distanzieren. Das regte David Vogel auf. Doch fast noch mehr regte ihn auf, wie darauf alle Konvertiten in denselben Topf geworfen wurden, sagt er.

Für seinen Film «Shalom Allah» begleitete er, der jüdische Regisseur, vier zum Islam konvertierte Frauen und Männer. Vogel: «Jeder fragte mich: Landeten sie denn in Syrien?» Für Vogel ein Sinnbild der Pauschalisierung. Und so versteht er seinen Film als Plädoyer für mehr Differenzierung. Seine Sicht: Konvertiten verwirren uns, doch sie haben das Recht, das zu tun, so lange ihr Verhalten legal ist.

Mit Burak, der tatsächlich nach Syrien reist, behandelt Esen Işık in «Al-Shafaq» das Islamthema der Stunde. Erst kürzlich nahmen Schweizer Sicherheitskräfte bei Razzien mehrere Terrorverdächtige fest. Darunter war ein verurteilter Syrien-Rückkehrer, der seine Strafe bereits verbüsst hatte. Işık gibt solchen Tätern mit der Figur Burak ein Gesicht. Und mit Abdullah ihren Familien.

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