Fernsehfilm
Karrierefrau geht nach One-Night-Stand auf Papi-Jagd

Was tut eine erfolgreiche Headhunterin, wenn sie beim One-Night-Stand von ihrem jungen Lover schwanger wird? Im turbulenten neuen Schweizer Fernsehfilm «Vaterjagd» gibts überraschende Antworten.

Fabian Sommer
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Die Haedhunterin Mila (Oriana Schrage) nimmt einen Vater ins Visier, da sie den leiblichen Vater Bruno (Christoph Keller) nicht für geeignet hält.

Die Haedhunterin Mila (Oriana Schrage) nimmt einen Vater ins Visier, da sie den leiblichen Vater Bruno (Christoph Keller) nicht für geeignet hält.

SRF/Severin Nowac

Die 38-Jährige trägt eine Lederkappe mit Katzenohren, dazu Lederhosen und ein Lederoberteil. Sie sieht aus wie Catwoman. Und erst ihr junger Gespiele! Er steht in nichts als Unterhosen da – mit der Peitsche in der Hand. Zorro-mässig. Und ja, Catwoman und Zorro treiben wilde Dinge miteinander.

Ein paar Wochen später weiss Catwoman, die eigentlich Mila heisst: Die Zorro-Sache war ein Rollenspiel mit Folgen. Auf dem Lavabo liegen zehn positive Schwangerschaftstests. Das Problem daran: Mila (Oriana Schrage) ist Karrierefrau, Headhunterin von Beruf, ihr Büro ist in einem dieser schönen neuen Zürcher Glasbauten, weit oben selbstverständlich. Mila will das Kind. Aber keinen Vater, der kaum älter als 20 Jahre, noch in der Ausbildung und ein ziemlicher Kindskopf ist.

Das adäquate Modell

Mila hat eine Idee. Sie muss Zorro, den leiblichen Vater, der eigentlich Bruno (Christoph Keller) heisst, durch einen geeigneteren Papi ersetzen – bevor ihr Bauch so gross ist, dass man sieht, was Sache ist. Für Mila ist das leicht: Als Headhunterin hat sie schliesslich die Bewerbungsunterlagen unzähliger Männer auf ihrem Tisch. «Ich habe bis jetzt noch jeden Job besetzen können», sagt sie.

Und tatsächlich: Mit Karrieremann Oliver (Lorenz Nufer) ist rasch ein adäquates Modell gefunden. Als Personalfachfrau aber weiss Mila, dass es stets einen Plan B braucht, einen «Standby-Kandidaten», wie sie es nennt. Und so gibt sich die Gute an einem Blind Date, das ihr homosexueller bester Freund für einen seiner Hetero-Freunde eingefädelt hat, als Single-Frau aus. Prompt funkt es auch mit Lebenskünstler Jan (Matthias Britschgi). Das Chaos ist angerichtet – und bald wird Mila von der Jägerin zur Gejagten.

Der turbulente Endspurt

So überdreht geht es in der Komödie «Vaterjagd» zu, dem ersten SRF-Schweizer-Film, der am Mittwochabend läuft. Man wolle auf diesem neuen Sendeplatz ein «jüngeres, urbanes» Publikum anziehen als mit den traditionellen Schweizer Sonntagabendfilmen, die auf das «grosse Familienpublikum» ausgerichtet seien, heisst es bei SRF. Ziel ist auch die Nachwuchsförderung: Auf allen Produktionsstufen gibt SRF den Jungen eine Chance. «Vaterjagd»-Regisseurin Rahel Grunder ist 33, Drehbuchatorin Natascha Beller ein Jahr jünger. Und siehe da: «Vaterjagd» trieft nicht derart von Plattitüden und Klischees wie die meisten anderen SRF-Filme der letzten Jahre. Der Streifen kommt wohltuend authentisch daher, die fast ausnahmslos jungen Schauspieler machen einen ganz ordentlichen Job. Oriana Schrage, deutsch-brasilianisch-schweizerische Dreifachbürgerin, gibt Mila gar sehr überzeugend. Wie sie ihre Unbeholfenheit mit der Kälte der Businessfrau zu überspielen versucht, rührt zeitweise fast zu Tränen.

Da stört es nur bedingt, das Regisseurin Grunder und Autorin Beller im überaus turbulenten Endspurt des Films zu dick auftragen. Man glaubt gar nicht, wer als männliche Hebamme im Spital Dienst schiebt, als Mila ihr Kind zur Welt bringt.

Vaterjagd heute Mittwoch, 20.05 Uhr, SRFzwei.