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Kehrtwende bei der Maskenfrage: Warum das «Fantoche» plötzlich ein Obligatorium ausrief

Da war die Maskenpflicht noch nicht bei allen durchgedrungen: Publikum im Eröffnungsfilm letzten Dienstag.

Da war die Maskenpflicht noch nicht bei allen durchgedrungen: Publikum im Eröffnungsfilm letzten Dienstag.

Das Badener Trickfilmfestival «Fantoche» sprach lange nur eine Empfehlung aus. Nun gilt Tragepflicht sogar im Kinosaal. Warum der Kurswechsel und wie fühlt sich Kino so an?

Gestossen volle Bars, Restaurants und Kinos gehören eigentlich zu einem Filmfestival. Doch in der Stadt Baden merkt man dieser Tage nicht viel vom Animationsfilmfestival «Fantoche». Kein Gedränge, kaum Menschenschlangen, fast, als wäre nichts. Und doch, in den Kinos kommt durchaus Festivalstimmung auf. Alles ist einfach ein wenig kleiner, leiser und distanzierter als üblich an einem Filmfestival. Noch ist nicht Wochenende, klar, doch nach zwei Tagen in Baden darf man sagen: Am ersten Schweizer Filmfestival seit dem Lockdown überwiegt eher Entspannung denn ein Gefühl der Enge oder gar Furcht, sich das Virus zu holen.

Das Komitee um Direktorin Annette Schindler hatte all seinen Mut zusammengenommen, als es entschied, Fantoche findet statt. Richtig wohl bei der Sache war dem OK jedoch nicht, unter die Freude mischte sich eine gehörige Portion Respekt, sagte Schindler vor Beginn. Was, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass in einem der Kinosäle ein Superspreader sass, seine Viren verbreitete und andere Festivalgänger ansteckte? In zwei Wochen werden es das OK und wir wissen. Das Festival dauert noch bis Sonntag.

Grössere Festivals führten schon lange Tragepflicht ein

Das Filmfestival in Venedig, das ebenso diese Woche startete, und das Zurich Film Festival Ende September hatten längst eine Maskenpflicht angekündigt, da sprachen die Badener nur eine Empfehlung aus, Maske zu tragen. Diese Woche dann fragende Blicke: In den Covid-­19-Verhaltensregeln von Fantoche steht nun ausdrücklich: «In Foyers und Kinos wie auch im Druckereiraum gilt eine Maskenpflicht.» Aus der Maskenempfehlung wurde eine Maskenpflicht. Warum?

«Wir haben tatsächlich kurzfristig verschärft – am Sonntag», sagt Festivalsprecherin Philine Erni auf Anfrage. Die Frage nach einer Maskenpflicht sei schon länger im Raum gestanden, betont sie. «Sie wurde laufend evaluiert und mit Erfahrungswerten anderer kantonaler Veranstalter abgeglichen.» Mit anderen Worten: Beim Fantoche wollte man lieber auf Nummer sicher gehen und führte die Maskenpflicht kurzerhand ein.

Die Besucherinnen und Besucher halten sich grossmehrheitlich an das Maskenobligatorium, das zeigen zwei Tage am Festival. Im «Trafo», wo die meisten Filme laufen, mischen sich Festivalbesucherinnen unter reguläre Kinogänger. Denn der Ort ist nicht fest in Festivalhand, sondern spielt auch die regulären Titel ab. «Tenet» wird hier gross beworben. Und so herrscht absurderweise in den Vorstellungen von Fantoche Maskenpflicht, während bei «Tenet» im Saal daneben die Gesichter unmaskiert bleiben.

Maskenobligatorium vor allem vorsorglich

Die gute Laune der Fantoche-Besucher scheinen die Massnahmen nicht zu trüben. Und trotz Maskenpflicht werden sogar Popcorn und Bier in den Saal hineingenommen. Was Virologen vielleicht entsetzen würde, vermittelt immerhin ein bisschen Normalität. Und sowieso fällt auf: Das grosse Tamtam ums Maskentragen ist hier am Fantoche einer Selbstverständlichkeit gewichen: Für Popcorn-Nachschub oder einen Schluck Bier wird die Maske elegant und beiläufig runtergezogen. Straucheln kann man höchstens, wenn man vor lauter Filmspannung die Maske vergisst und sich das Bier versehentlich in die Maske giesst.

Eigentlich aber bleiben selbst in den ausverkauften und damit unter Coronabedingungen «vollen» Sälen zwischen sich fremden Menschen mehr als 1,5 Meter Abstand. Die Kontaktdaten werden für zwei Wochen gespeichert. Beim Ticketkauf werden die Festivalbesucher darauf hingewiesen, dass der Besuch mit der Spätfolge Quarantäne enden könnte.

Nur, ob im Zug, bei der Arbeit oder beim Einkaufen: Wo hat man dieser Tage schon Gewissheit, dass man nicht plötzlich vom Kantonsarzt in die Isolation geschickt wird?

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