Filmkritik

«Keine Käse»: Deutschen hat der Schweizer Tatort gefallen

Der dritte Tatort-Fall aus Luzern, der gestern Abend über den Bildschirm flimmerte, hat auch den Deutschen gefallen. Ihre Kritik fällt jedenfalls positiv aus. Auch die Zuschauerzahlen waren nicht schlecht.

«Hanglage mit Aussicht» heisst der dritte Tatort-Fall, der in Luzern spielt. Die Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Meyer) ermitteln im Modefall des reichen Mäzens und Lebemannes Benjamin Gross. Dieser wird am ersten August, nach erfolgter Feier, aus der Seilbahn bugsiert.

Der Täter ist  nicht, wir rasch vermutet, Wissiberg-Bauer Arnold, der mit seiner Bergbeiz kurz vor der Pleite steht und mit dessen Tochter Gross ein Verhältnis hatte. Gross wollte, wie der Krimi dann zeigt, in die Bergwirtschaft investieren. Sie niederreisen und einen Wellness-Hotelkomplex bauen. Gedeckt und gestützt wird er von korrupten Politikern, Bankern und Wirtschaftsbossen.

Am Schluss ist Bauer Arnold frei und seine Alp samt Bergwirtschaft gerettet. Das ist alles ordentlich klischiert, den Deutschen hat es trotzdem gefallen.

«Na, bitte! Diesmal war der Schweizer ‹Tatort› mal kein Käse», urteilt «Bild». Die Leser stimmen der Zeitung zu, in der Umfrage finden 60 Prozent: «Endlich mal wieder ein guter Schweizer ‹Tatort›.
Und auch der Frankfurter Allgemeinen hat er gefallen, zumindest mehrheitlich.

Schöne Bilder

Es lohne sich «Hanglage mit Aussicht» anzusehen, schreibt das Blatt. Das liege an der schauspielerischen Leistung fast aller Beteiligten, dem Dialekt (in schwächster Dosierung) sowie den Panoramaaufnahmen Roli Schmidts. Gut und Böse seien aber zu klar verteilt, kurz und gut: Das Drehbuch sei zu wenig subtil.

Mit dem Stoff aus Luzern beendete die ARD die «Tatort»-Sommerpause. «Die Eidgenossen zeigen ungewohnte Lust auf Gewalt», lobt der «Spiegel». «Das hochaktuelle Debattenthema wird zu einem Krimi verarbeitet, der mit Wucht in die Kontroverse eingreift.»

Harsche Kritik hagelt es dagegen aus Berlin, dem Sitz von «Die Welt». Ihr hat der Schweizer Krimi überhaupt nicht gefallen.

Gut gespielt, schlechter Plott

Die Kommissare beschränken ihr Spiel vornehmlich darauf, den Stand der Ermittlungen wiederzukäuen, neue Verdächtige geraten im 15-Minuten-Takt ins Visier, und bei der Verfolgungsjagd geht Flückiger nach wenigen Metern die Puste aus. Dann legt er seinen «Wär´ich doch lieber segeln gegangen»-Blick auf und scheint von der Zeit zu träumen, als er beim Konstanzer «Tatort» noch gelegentliche Gastauftritte hatte, urteilt «Die Welt»

«Als am Schluss brav der Täter eingesammelt wird, ruft der erschrocken: ‹Ich bin doch kein Mörder! Aber was hätte ich denn machen sollen? Schöne Schweiz.› Solche Szenen gehören in den Giftschrank jedes Programmdirektors. Bei den Eidgenossen werden daraus ganze Krimis gemacht», lautet das niederschmetternde Fazit.

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