Kult-Komödie
Gut gealterte Figuren, schlecht gealterter Stoff: Eddie Murphys «Prinz aus Zamunda» ist zurück – eine Filmkritik

Eddie Murphy ist zurück mit einem Sequel ­seines 1980er-Filmhits «Der Prinz aus ­Zamunda». Sind auch seine Witze und Inhalte angekommen in der Gegenwart?

Daniel Fuchs
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Prinz Akeem (Eddie Murphy rechts) und sein Begleiter Semmi (Arsenio Hall) in Queens, New York, 33 Jahre nach dem Original von 1988.

Prinz Akeem (Eddie Murphy rechts) und sein Begleiter Semmi (Arsenio Hall) in Queens, New York, 33 Jahre nach dem Original von 1988.

Bild: Amazon

Es gibt sie an der Fasnacht und an Halloween: die Kostüme aus «Der Prinz aus Zamunda» von und mit Eddie Murphy. Daran wenig geändert haben die 33 Jahre, die seit der Liebeskomödie von 1988 verstrichen sind. Mächtige Goldketten, überdimensionierte Schulterpolster und Wildkatzenfellumhänge waren nie ikonischer als in Murphys vielleicht berühmtestem Film, der in den Kinos um die 300 Millionen Dollar einspielte, seither zu jenen Dauerbrennern gehört, die etwa an Weihnachten im Fernsehen laufen, und Eingang fand in die Popkultur.

Nun hat Murphy mit seiner eigenen Produktionsfirma eine Fortsetzung gedreht. Den Verleih sicherten sich Amazon Studios. Und so landete «Der Prinz aus Zamunda 2» (oder «Coming 2 America» im Originaltitel) auf dem Streamingdienst Prime.

Die Beiden, umgekehrt positioniert, 1988 in «Der Prinz aus Zamunda».

Die Beiden, umgekehrt positioniert, 1988 in «Der Prinz aus Zamunda».

Bild: Paramount

Und wieder geht es nach New York

«Ich wollte kein schlechtes Sequel drehen nach einen Film, in den so viele Leute so viel investiert haben», antwortete Murphy in einem Interview auf die Frage, weshalb es 33 Jahre dauerte für diese Fortsetzung.

Nun, wirklich gut wäre anders, finden wir. Und dass Murphy mit einem in seinen neuen Film eingebauten Dialog über schlechte Sequels solchen Kritiken proaktiv den Wind aus den Segeln nehmen will, macht die Sache auch nicht besser.

Und darum geht es:

Prinz Akeem (Eddie Murphy) hat mit seiner vor über 30 Jahren in Queens, New York, gefundenen Liebe Lisa (Shari Headley) drei Töchter. Als Akeems Vater, König Jaffe Joffer (James Earl Jones) stirbt und Akeem König wird, fehlt es an einem männlichen Thronfolger. Auf der Suche nach einem unehelichen Sohn, den er bei einer nachträglich ins Original eingefügten Eskapade gezeugt hat, besucht Akeem drei Jahrzehnte nach seinem ersten Besuch zusammen mit seinem treuen Begleiter Semmi (Arsenio Hall) erneut New York.

Im weiteren Verlauf geht es darum, dass aus dem jungen Mann aus Queens ein afrikanischer Prinz wird und um seine Liebe zu einer Frau ausserhalb des in Frage kommenden Adels. Ort der Handlung ist diesmal deutlich mehr die computeranimierte Afrika-Märchenwelt Zamunda als Queens, wo der naive Akeem 1988 sich für seinen eigenen Thronanspruch haufenweise Königinnen versprach.

Wieder gibt es einen Feind, den Herrscher eines verfeindeten Staats, den irren General Izzi (lustig, wie man immer hört Sisi und an den ägyptischen Machthaber General Al-Sisi denken muss), irrwitzig gespielt von Wesley Snipes mit seinen Kindersoldatenkohorten. Es geht um Liebe, Selbstbestimmung und Akeem, der eingeholt wird von alten Geistern und die Männertradition in der Monarchie nicht zu überwinden weiss.

Kultige Szenen als Kopie: Der Barbershop-Moment

Das rollt mal witzig vor sich hin, mal weniger. Die Dialoge sind schnell, die Sprüche salopp und die Witze plump, weil meist auf dem Rücken von Frauen und Afrikanern. Es gibt ein Wiedersehen mit Altbekannten, ebenso mit den Szenen im New Yorker Barbershop, in dem Murphy erneut den alten jüdischen New Yorker mimt. Dafür schminkte sich Murphy das Gesicht weiss und drehte den Spiess um, lange vor der Blackfacing-Debatte.

Apropos Barbershop und Queens: Die Sprüche, die dort fallen, sind grenzwertig. Würde ein Weisser einem afrikanischen Thronprinzen den Übernamen Idi Amin geben (Name des ehemaligen Diktators Ugandas und so etwas wie der Inbegriff eines tyrannischen afrikanischen Despoten) oder eine Weisse sich über die Reise nach Afrika auf «die Hütte mit Schamanen darin» freuen, bliebe einem das Lachen im Hals stecken. Bedienen indes Schwarze solche Stereotypen, wirkt das natürlich nur vordergründig weniger deplatziert.

Dem Duo Akeem/Semmi (Murphy/Hall) sieht man die 30 Jahre plus nicht wirklich an. Auch der Humor ist in den 1980ern steckengeblieben. Daran ändert nicht einmal die Pointe etwas, dass im Königreich Zamunda nun nicht mehr ausschliesslich männliche Mitglieder des Königshauses von schönen Dienerinnen im Morgenbad von Kopf bis Fuss «gebadet» werden. Diese Behandlung, wenn auch durch junge Männer, steht nun im Reich Zamunda auch den weiblichen Mitgliedern der Königsfamilie offen.

Viel Unterhaltung, tolle Kostümwelt

«Der Prinz aus Zamunda 2» bietet mit Filmauftritten unter anderem der Musikgruppe Salt-N-Pepa gute, wenn auch seichte Unterhaltung. Und die Kostümwelt, zwischen afrikanischer Exotik, Schottenrocktradition und New Yorker Streetwear angesiedelt, bringt einen einfach nur zum Staunen. Den grössten Spass am Film hatten wohl Eddie Murphy und seine Crew selbst. Für die Zuschauer macht das Sequel vor allem eins: Lust aufs Original. Aber darin liegt ja gerade das Ziel dieses Films. Die Marke «Der Prinz aus Zamunda» am Leben zu erhalten.

«Der Prinz aus Zamunda 2» (USA 2021, 110 Min.) sowie das Original von 1988: beides auf Amazon Prime Video.

Sequel und Original: Hier geht es zu den Trailern

«Der Prinz aus Zamunda 2».

Quelle: Prime Video / Youtube

«Der Prinz aus Zamunda» (Original von 1988.

Quelle: Youtube