Miss Schweiz
Melanie Winiger: «Ich musste die Tussi in mir herausholen»

Die ehemalige Miss Schweiz Melanie Winiger spielt im deutschen Film «Resturlaub» eine heissblütige Argentinierin, eine Verliererin. Sie nahm das Engagement vor allem an, weil sie von ihren bisherigen Rollen genug hatte.

Christine Fürst
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Chris Iseli

Locker und unverkrampft sitzt sie da, mit Jeanshemd und Hornbrille. Melanie Winiger, die Miss Schweiz von 1996, steht Red und Antwort zu ihrer Rolle der Luna im Film «Resturlaub». Allerdings mit der Bedingung: Allzu private Fragen und Fragen über ihre Familie sind tabu.

Melanie Winiger, in «Resturlaub» spielen Sie eine heissblütige Argentinierin. Mit Ihrer Schönheit zu verführen, war sicherlich kein Problem für Sie?

Melanie Winiger: Doch, es war im neuen Film ein grosses Problem für mich. Der Regisseur musste hart an mir arbeiten. Er hat mir gesagt, ich solle mir vorstellen, ich sei die Miss Universe und ich sei einfach schön. Ich hatte total Mühe mit dieser Vorstellung. Seit ich denken kann, steure ich gegen die Annahme, dass ich schön bin.

Was verlangte Ihnen die Rolle der Luna ab?

Ich hatte das Gefühl, ich hätte während der ganzen Drehs ein prämenstruelles Syndrom. Ich musste lernen, die Tussi in mir herauszuhängen.

Das taten Sie doch während des ganzen Miss-Jahres.

Während dieses Jahres bin ich eher gegen den Strom geschwommen, ich war immer diejenige, die nicht wollte, dass ich wegen meiner Schönheit abgestempelt werde. Es war mir nie wichtig, dass man mich schön findet. Ich versuchte, zwei, drei gescheite Dinge zu sagen. Ich war frech, direkt, undiplomatisch. Ich war so, wie ich bin.

Ist Ihnen das schon einmal zum Verhängnis geworden?

Ich muss ehrlich sagen, ich kann jede dieser Situationen abhaken. Ich kann nach 15 Jahren sagen, dass ich meine Glaubwürdigkeit für mich bewahren konnte. Das ist mir extrem wichtig. Wenn man sich in der Öffentlichkeit verstellt und nur noch das macht, was andere von einem erwarten, dann kommt es nicht gut. Irgendwann kommt der innere Mensch und rebelliert. Es waren mehr die anderen Personen, die Mühe mit meiner direkten Art hatten.

Wie gefällt Ihnen die berechnende und hinterhältige Luna?

Sie ist sehr manipulierend. Aber das haben wir alle in uns drin. Jeder ist tief in sich drin ein wenig manipulierend und hinterhältig – die Frage ist, ob man es rauslässt oder nicht. Ich bin die Verliererin im Film. Es war für mich interessant, die Luna zu spielen, weil ich die Schnauze voll hatte von den ewig gleichen Rollen.

Deshalb spielen Sie in Ihren zwei neuen Filmen eine argentinische Verführerin und in «One Way Trip», der im September in die Kinos kommt, eine eiskalte Serienkillerin.

Genau. Ich konnte zwei ganz andere, neue Rollen spielen. Bis jetzt hatte ich das gemacht, was ich konnte. Ich war die Heldin und die liebe Sympathieträgerin. Nun habe ich den Mut bekommen, Neues auszuprobieren.

Was wäre Ihre Traumrolle?

Es gibt viele Rollen, die ich gerne ausprobieren würde. Da wäre die Rolle von Charlize Theron im Film «Monster» oder die Rolle von Natalie Portman in «Black Swan». Ich würde gerne eine Rolle spielen, auf die ich mich wirklich physisch vorbereiten müsste.

Sie drehten einen Film in Buenos Aires und haben eine Familie, da muss man vieles organisieren. Der Gesichtsleser Pietro Sassi hat Ihnen im «Faces TV» gesagt, dass Ihr breites Nasenbein für eine hohe Belastbarkeit steht. Sind Sie so belastbar?

Oft habe ich das Gefühl, ich kann mehr als das, was ich wirklich kann. Ich laste mir sehr viele Dinge auf und dann kommt aber irgendwann ein Punkt, da liege ich nur noch auf dem Sofa. Wenn man so will, bin ich belastbar, bis zu diesem Punkt.

Ihre Unterlippe stehe dafür, das Leben zu geniessen, die Unterlippenpölsterchen zeigten, dass Sie es manchmal damit übertreiben.

Ich geniesse gerne. Aber ich glaube nicht, dass man dem übertreiben sagen kann. Ich habe nur ein Leben, und das geniesse ich, das gibt mir niemand mehr zurück. Wenn man das als übertreiben sieht, dann ja, dann übertreibe ich gerne.

Wenn Sie könnten, würden Sie nochmals an der Miss-Schweiz-Wahl teilnehmen?

Ja. Das war mein Sprungbrett. Ich konnte viel profitieren. Ich lernte Menschen kennen, die für mich noch immer sehr wichtig sind. Ich konnte die halbe Welt bereisen. Ich konnte die Miss-World- und die Miss-Universe-Wahlen erleben, die oft als oberflächlich abgestempelt werden. Aber auf den Seychellen oder in Indien sitzen mit 90 Weibern, das muss man zuerst mal erlebt haben.

Apropos Indien, Sie haben vor ein paar Monaten eine Schule besucht, die Sie finanziert haben. Warum dieses Engagement?

Ich bin von einer Indienreise nach Hause gekommen und ich sagte mir: Jetzt ist fertig reden, jetzt mache ich etwas. Wir sind alle schon in den Ferien gewesen, Menschen oder Umstände haben uns berührt. Dann kommt man zurück in die Schweiz und nach zwei Wochen ist alles vergessen. Ich habe einen Anlass organisiert, aus dessen Erlös ich nun für fünf Jahre eine ganze Schule in Indien finanzieren kann. Und ich will weitermachen.

Wird es auch Schulen in anderen Ländern geben?

Das Projekt in Indien steht mir sehr nah. Die Frau, die die Schule leitet, ist fast zu meiner Adoptivmutter geworden. Sie steht mit Herz und Seele hinter diesem Projekt. Ich weiss, es funktioniert. Und aus diesem Grund ist es für mich glaubwürdig. Ich möchte nicht als Mutter Theresa dastehen, die irgendwo mit irgendwelchen Leuten eine Schule aufbaut.

Haben Sie keine Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden? Eine Prominente, die sich sozial engagiert, das ist ja nichts Neues.

Ich hatte lange mit diesen Schubladen zu tun. Ich sagte mir, es liegt an jenen Leuten, die schubladisieren wollen, und nicht an mir, die schubladisiert wird. Und es ist mir auch egal. Tatsache ist: 57 Kinder können in die Schule gehen. Und wenn mich dafür jemand in eine Schublade stecken will, weil er zu wenig Hobbys im Leben hat, soll er es machen.

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