«Potzstärneföifi», würde Papa Moll sagen. Der schusselige Vater aus den beliebten Schweizer Comicbänden, die seit 1952 im Globiverlag erscheinen, hat jetzt seinen ersten eigenen Kinofilm.

Diesen Samstag findet in Baden die Weltpremiere statt, ab dem 21. Dezember läuft er dann im ganzen Land – pünktlich zu den Festtagen.

Logisch: Gross und Klein soll dann massenweise in die Schweizer Lichtspielhäuser strömen, genau wie vor zwei Jahren zu «Heidi».

Damit diese Rechnung aufgeht, hat sich hinter «Papa Moll» die gleiche Zürcher Filmproduktionsfirma gesetzt, die bereits «Heidi» und den diesjährigen Publikumsrenner «Die göttliche Ordnung» verantwortet hat: Zodiac Pictures.

Ausgestattet mit dem Segen der Nachfahren von Edith Oppenheim-Jonas, der Erfinderin von «Papa Moll», sowie mit einem Mega-Budget von 5,5 Millionen Franken – da kann eigentlich nichts schiefgehen. Oder?

Denkste. Als die «Nordwestschweiz» den Film sieht, läuten bei uns schon ab der ersten Sekunde die Alarmglocken.

Wir sehen einen raschelnden Blätterwald, der den Blick auf ein sonnengebadetes Schweizer Dorf freilegt. Links ein geschmeidiger Fluss, hinten das Alpenpanorama, zuoberst auf dem Dorfhügel eine Schoggifabrik. Purer Postkartenkitsch.

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

Mächtiges Tohuwabohu

Dann hören wir eine Erzählerstimme: «Hier im schönen Murmlikon / lebt Papa Moll seit Jahren schon / und arbeitet mit viel Geschick / hoch auf dem Berg in der Fabrik.» Solche vierzeiligen Reime sind das Grundgerüst aller «Papa Moll»- Comics.

Hier erklären sie zu Filmbeginn das kleinbürgerliche Dorf und den kleinbürgerlichen Alltag der Familie Moll: Papa Moll, Mama Moll und ihre drei Kinder Willy, Evi und Fritz – die im trauten Heim regelmässig für ein mächtiges Tohuwabohu sorgen.

Auch jetzt. Eine Wasserleitung platzt, Papa Moll gräbt im Garten ein Loch, dann kommt Dorfpolizist Grimm und pfeift ihn zurück: «Stopp! Dafür brauchen Sie eine Bewilligung!»

Es sind Szenen wie aus einer Fernsehwerbung für eine Möbelversicherung, aber leider ganz ohne Ironie. Stattdessen: Unlustige Schenkelklopfer.

Schnell wird klar: Was «Papa Moll» fehlt, ist eine bissige Autorin wie Petra Volpe. Sie hatte 2015 das Drehbuch zu «Heidi» verfasst. Und dabei vorgemacht, wie man einen Kinderklassiker erfolgreich entstaubt.

Ihr Heidi war ein moderner Filmheld für ein modernes Publikum, ein Freigeist, der sich gegen die kleinbürgerliche Enge auflehnt.

Der «Papa Moll»-Film dagegen (Drehbuch: Matthias Pacht, Manuel Flurin Hendry, Jann Preuss) feiert mit jeder Szene biederes Bünzlitum. Er ist so altbacken, als würde man heute in einem der ersten Comicbände aus den 50er-Jahren blättern.

Da ist keine Spur von den subtilen, aber smarten Erneuerungsbestrebungen, die vor allem unter dem aktuellen «Papa Moll»-Zeichner Roloff frischen Wind in die Reihe brachten.

Das ist erstaunlich. Denn die Autoren des «Papa Moll»-Kinofilms waren frei, sich ein völlig neues Abenteuer auszudenken:

Der tollpatschige Vater muss sich ein Wochenende lang alleine um die Kinder kümmern. Er besucht mit ihnen und den Kindern seines Chefs den Zirkus. Als er wegen eines Grossauftrags kurzfristig in die Schoggifabrik zurückgerufen wird und die Kinder alleine lassen muss, bricht das Chaos aus.

Alles ein bisschen zu viel

Freilich, man sieht dem Film an, dass hier kein Aufwand gescheut wurde. Die Schauplätze sind gross, das Tempo hoch, in jeder Szene knallts.

Aber man wird das Gefühl nicht los, dass hier alles ein bisschen zu viel ist: die kitschige Filmmusik, die knallbunten Bilder, die rasante Kamera, die sich kaum je zur Ruhe setzt.

Alles wirkt so aufgebläht und unecht wie Hauptdarsteller Stefan Kurt, der sich mithilfe von künstlichen Pfunden im Gesicht und in der Magengegend in den rundlichen Moll verwandelte.

Die Comicfigur hat er damit allerdings nicht zum Leben erweckt. Dieser Papa Moll ist einfallslos, mutlos und seelenlos. Potzstärneföifi!

Stellt sich die Frage, wer sich für diesen Film begeistern soll.

Die Fans? Die sind mit den Comics besser bedient.

Kinder? Die haben höchstens Freude am Filmhund Kartovl, der allen die Schau stiehlt.

Familien? Die lösen lieber Tickets für den neuen Pixarfilm «Coco», der vor Einfallsreichtum strotzt.

Schusselig und schwitzend: Stefan Kurt alias Papa Moll am Filmset in Bad Zurzach.

Schusselig und schwitzend: Stefan Kurt alias Papa Moll am Filmset in Bad Zurzach.

August 2016